Markus 5,1-120
Und er fragte ihn: Wie heisst du? Und er sprach zu ihm: Legion heisse ich; denn wir sind viele.
Markus 5,9
Guten Morgen! Es ist ein Segen und eine echte Freude, wieder hier zum Gottesdienst versammelt zu sein. Diesmal sind wir wieder vollzählig. Und doch schliesst sich der Kreis nie: Es hat noch freie Stühle, und einst werden auch diese besetzt sein. Mit Menschen, die wir schon kennen und mit solchen, die wir noch nicht kennen. Der HERR führt uns zusammen. Wir sind sehr verschieden, ein spannender Mix aus den unterschiedlichsten Persönlichkeiten mit ihren Stärken und Schwächen, mit ihren Begabungen und Anliegen. Jesus kennt jeden und jede von uns ganz genau. Und weiss darum auch perfekt, was er tun muss, um uns noch stärker und freier zu machen. Im heutigen Wort geht es um einen Menschen, der viel Stärkung und Befreiung, ja, Rettung brauchte: einen Besessenen im Gebiet der Gerasener. Wir sehen, mit wie viel Liebe, mit wie viel Achtung, mit wie viel Freude an echter Beziehungsarbeit Jesus sich um ihn gekümmert hat. Jesus war der Erste, der sich für diesen seltsamen, verrückten, gewalttätigen und gefährlich wirkenden Mann interessierte. Und genauso interessiert er sich für uns. Lesen wir gemeinsam den Titel meiner Botschaft: «Jesus fragt: Wie heisst du?» Und lesen wir zusammen den Leitvers, Vers 9:
(Markus 5,9) Und er fragte ihn: Wie heisst du? Und er sprach zu ihm: Legion heisse ich; denn wir sind viele.
Es gibt eine alte, berühmte und tolle Geschichte, die man sich über den früheren italienischen König Umberto I. (1844-1900) erzählt. Ihm wurde vom Justizminister das Gnadengesuch eines zu langjähriger Zuchthausstrafe Verurteilten vorgelegt. Darin stand die Bitte des Verurteilten, ihm den Rest seiner Strafe zu erlassen. Unter das Gesuch hatte der Minister geschrieben: «Gnade unmöglich, im Gefängnis zu belassen!» Der König las das Bittgesuch aufmerksam durch, griff zur Feder und verschob in der Anmerkung des Ministers das Komma um ein Wort nach vorne, sodass der Satz lautete: «Gnade, unmöglich im Gefängnis zu belassen!» Unter diesen Vermerk setzte er dann sein «Genehmigt». Damit war der Verurteilte begnadigt und frei… So macht unser Herr Jesus die Anklage – sei sie von Menschen, vom Teufel oder vom eigenen Gewissen gegen uns erhoben – durch sein Eintreten für uns gänzlich wirkungslos.
Habt ihr auch schon diese Befreiung erlebt? Im Kleinen bestimmt schon. Und je weiter wir geistlich sind, je mehr wir in Gottes Wort sind, desto freier macht uns die göttliche Wahrheit. Wir müssen wissen, dass wir durch Jesu Liebestat bereits frei sind von der Knechtschaft der Sünde, da unsere Erlösung bereits vollbracht ist. In der Situation brauchen wir dennoch immer wieder Jesu konkrete Hilfe. Das kann um kleine Dinge gehen, aber auch um grosse Probleme. Jesus weiss und sieht schon den Weg aus ihnen. Ja, er wird uns bei der Hand nehmen und auf dem betreffenden Weg führen! Das hat er bis jetzt getan und das wird er fortan auch tun. Wichtig ist, dass wir uns darauf einlassen. Auch wenn das nicht immer angenehm ist. Am Schluss siegen wir durch Jesus. Und danach erzählen wir sehr gerne von dem, was wir mit seiner göttlichen Hilfe erlebt haben.
Teil 1: Jesus befreit uns von Satans Einflüssen (Verse 1-9)
Jesus hatte einen grossen Sturm gestillt – auf dem See, und in den furchtsamen Herzen seiner Jünger. Sicher waren sie an das andere Ufer des Sees gelangt. Dort wartete ein Mensch, in welchem ebenfalls grosse Stürme wüteten. Waren die Jünger beim Erlebnis auf dem See mittendrin gewesen, so würden sie für diesmal nur Zuschauer sein. Und durch ein eindrückliches Ereignis mehr über Jesus lernen. Nämlich, dass er nicht nur Herr über die Naturgewalten ist, sondern auch über alle Dämonen bzw. Einflüsse des Satans. Und auch, wie viel Jesus an der Errettung eines einzelnen Menschen liegt – und sei es ein Heide, von der Gesellschaft aufgegeben, gefährlich, scheinbar hoffnungslos… Jesus und die Zwölf legten am Ostufer des Sees, des Galiläischen Meeres, an und stiegen aus. Sie hatten heidnisches Gebiet betreten, welches man Gerasa oder Gadara nannte. Vielleicht fragten sich die Jünger, was sie denn in diesem Gebiet machten. Die Antwort darauf bekamen sie postwendend. Schon kam ihnen ein Mann entgegen, der einen unreinen Geist hatte. Um ihn ging es nun. Der Mann kam ihnen von den Gräbern her entgegen, also von einer lebensfeindlichen Umgebung. Tatsächlich wohnte der Mann in den finsteren Katakomben. Sein Leben war wirklich elend. Lesen wir zusammen die Verse 3 bis 5: «Der hatte seine Wohnung in den Grabhöhlen. Und niemand konnte ihn mehr binden, auch nicht mit einer Kette; denn er war oft mit Fesseln an den Füssen und mit Ketten gebunden gewesen und hatte die Ketten zerrissen und die Fesseln zerrieben; und niemand konnte ihn bändigen. Und er war allezeit, Tag und Nacht, in den Grabhöhlen und auf den Bergen, schrie und schlug sich mit Steinen.» Dieser Mann steht für Personen, welche aus irgendeinem Grund ein Leben unter der Last der Sünde führen. Es steht besonders für Menschen, die für sich das Maximum an persönlicher Freiheit angestrebt haben. Sie haben ihren eigenen Lebensentwurf und scheren sich nicht um die Normen der Gesellschaft. Sie verkriechen sich ins eigene Kabäuschen, um tun und lassen zu können, was sie wollen. Es sind die selbstgewählten Aussteigerinnen, die jungen Systemsprenger und Leute, die sich ihre eigene Identität, Religion und Ansichten zusammenschustern, wie es ihnen gerade gefällt. Immer weiter entfernen sie sich von den anderen Menschen – und von Gott, der für sie gute, lebengebende Gesetze hätte. Nicht selten versinken solche Personen in der Anomie, also der Gesetzlosigkeit. Sie lassen sich von niemandem mehr etwas sagen und zerreiben jede empfundene Fessel menschlicher Worte. Egal, ob es sich dabei um gute Ratschläge oder um Verurteilungen handelt: Sie werfen alles in den gleichen Topf und sehen es als Bedrohung für ihre Freiheit an. Aber damit sind sie nicht glücklich, denn ihre Freiheit ist längst zur inneren Unfreiheit geworden. Zur Herrschaft der Sünde, welcher sie gerne heimlich dienen. Sie schreien ihre Wut auf die Gesellschaft, die sie ausgrenzt, heraus, ob buchstäblich oder durch verschiedene Arten der Rebellion. Ihre Gefühle, von denen sie sich leiten lassen, geraten bisweilen ausser Kontrolle, sodass sich ihre Wut und ihr Frust gegen sich selbst richten. Und so tun sie sich Gewalt an, ob körperliche oder seelische. Denn es kommt etwa aufs Gleiche darauf an, ob man sich mit Steinen schlägt oder ob man sich selbst täglich vorsagt, wie böse und nutzlos man ist…
Und dann? Dann kam Jesus in das Leben dieses Mannes! Von sich aus hätte der Besessene niemals die Kraft gehabt, den Christus zu suchen. Aber nun, da er da war, zog er den Mann wie magisch an. Lesen wir gemeinsam die Verse 6 bis 8: «Da er aber Jesus sah von ferne, lief er hinzu und fiel vor ihm nieder, schrie laut und sprach: Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesus, du Sohn des höchsten Gottes? Ich beschwöre dich bei Gott: Quäle mich nicht! Denn er hatte zu ihm gesagt: Fahre aus, du unreiner Geist, von dem Menschen!» Offenbar war der Mann von seinen vielen Dämonen richtiggehend gesteuert. Diese wollten Jesus eigentlich attackieren, aber vor seiner göttlichen Autorität mussten sie sich dennoch beugen. Als Jesus den als gemeingefährlich eingestuften Mann auf sich zu rennen sah, wurde er nicht wie die anderen Menschen von Furcht oder von Empörung ergriffen. Sondern von Mitleid. Er hätte ihn am liebsten augenblicklich von allen seinen Dämonen befreit! Aber anders als in anderen Fällen, waren die unreinen Geister hartnäckig und fuhren auf Jesu Befehl nicht gleich aus. Je mehr sich ein Mensch in seinem sündigen Leben festgefahren hat, desto mehr braucht es für ihn, bis er sein altes Leben ablegt und fortan mit Jesus wandelt. Umso grösser ist dann dafür seine Befreiung, wenn er die Kurve kriegt und sein Leben der Liebesherrschaft Jesu anvertraut! – Auf Jesu Worte hin ergriff einer der Dämonen des Mannes das Wort. Wütend fragte er Jesus, was er mit den bösen Geistern denn zu schaffen habe. Tatsächlich haben Gott und der Satan ideologisch gar nichts miteinander zu tun. Aber Jesus tut etwas mit den Dämonen und deren Chef, dem Satan: sie wegtreiben. Und einst wird er sie ganz vernichten. Alles Böse hat gewissermassen eine Halbwertszeit, ein Ablaufdatum. Bemerkenswert ist auch die Bitte des Mannes: «Quäle mich nicht!» Manchmal bittet uns der HERR darum, etwas zu tun, das uns widerstrebt. Zum Beispiel, eine schlechte Gewohnheit aufzugeben oder einer Person zu vergeben. Das kommt uns wie eine Qual vor und wir würden am liebsten gar nicht gehorchen. Aber genau solcher Gehorsam bricht nicht nur innere Widerstände, sondern lässt uns geistlich wachsen. Wir werden frei von der konkreten Sünde bzw. vom Groll gegenüber der anderen Person. In Matthäus 16,24 sagt Jesus: «Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.» Dieser Weg ist nicht einfach, und doch fällt er uns in Jesu liebender Nähe zunehmend leichter. In Wahrheit ist es zudem nie der HERR, der uns mit einem Wort oder einer Aufgabe quält. Es ist unsere sündige Natur, die Widerstand leistet, und das ist es, was uns in Wirklichkeit Qual verschafft… Auch ich habe schon mehrfach erlebt, dass mir der Gehorsam gegenüber einem Wort Gottes, der zuerst wie eine Qual erschien, schlussendlich viel Freiheit gebracht hat. Vor einigen Jahren wurde ich festes Gemeindemitglied der UBF, und bei uns gibt es den Brauch, den Zehnten vom Lohn zu geben. Da ich nicht viel Geld hatte, weigerte ich mich zuerst, den Zehnten zu geben. Nicht, dass ich glauben würde, dass unsere Errettung von dieser Abgabe abhängt. Nein. Es gibt ganz viele Gläubige, die keinen Zehnten geben. Bei mir ging es viel mehr darum, Materielles loszulassen und mich mehr auf den HERRN zu fokussieren. Als ich mich dann überwand und den Zehnten gab, erlebte ich, was in Maleachi 3,10 steht: «Bringt aber die Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, auf dass in meinem Hause Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der HERR Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle.» Nicht nur versorgte und versorgt mich der HERR zuverlässig. Sondern ich bin nicht zuletzt dank dem Zehnten-Geben so gut wie frei von Materialismus und kann immer darauf vertrauen, dass mir Gott geben wird, was ich brauche. Auch im Alter, selbst wenn ich keine 2. Säule der Altersvorsorge habe. Und ich kann an Bedürftige spenden und brauche nicht unnötig zu knausern. Wie unbeschwert – aber nicht unvorsichtig – mich das macht in Bezug auf den schnöden Mammon!
Jesus sah also, dass er dem Besessenen eingehender helfen musste. Und so begab er sich auf die persönliche Ebene. In seiner göttlichen Liebe und Weisheit stellte er ihm eine Frage. Lesen wir zusammen den Vers 9: «Und er fragte ihn: Wie heisst du? Und er sprach zu ihm: Legion heisse ich; denn wir sind viele.» Die Frage nach dem Namen, die hatte dem Mann schon jahrelang niemand mehr gestellt. Man hatte für ihn schon Namen; nicht seinen Vornamen, sondern «Besessener», «Verrückter», «Gefahr» und dergleichen. Begriffe, die ihn abstempelten, ausschlossen, verhöhnten. Und nun kam Jesus und zeigte echtes Interesse an ihm. Nicht ein Interesse daran, ihm irgendwelche Normen aufzuzwingen, ihn zu verurteilen oder ihn irgendeinem Fürsorgesystem zuzuführen. Nein, Jesus interessierte sich für seine Person, für seine Identität. Was für eine Riesenwohltat muss das für den Mann gewesen sein! Jesus fragte im Grunde danach, was den Mann beschäftigte. Und wie er sich selbst sah. Damit deckte er denn auch auf, was mit dem Menschen war: Seine Identität war gespalten und zerrüttet und der Bezug zu seinem Selbst war irgendwann verlorengegangen. Wie weit hatte er sich entfernt von seiner ursprünglichen Bestimmung, ein Mensch nach Gottes Ebenbild und in der intakten Beziehung mit Gott, sich selbst und den Mitmenschen zu sein! «Legion» war zutreffend. In dem Mann gab es eine ganze Legion böse Geister, so viel wie in es der gleichnamigen Heeresabteilung Soldaten gab: zwischen 2000 und 6000. Und das sind ordentlich viele! Sicher gefiel dem Mann in seinem Zustand der Name «Legion» auch noch. Er erschien ihm wehrhaft und Furcht einflössend. Bis dahin hatte sich der Besessene denn auch alle unliebsamen Menschen vom Leib halten können, indem er gefährlich war. Das griff nun, in der liebenden Gegenwart Jesu, nicht mehr. Mit der Nennung seines Namens verteidigte er sich nicht mehr selbst. Stattdessen nannte er sein Problem, die Dämonen, beim Namen. Er stellte sie in das Licht Jesu. Nun mussten die bösen Geister endgültig weichen. Der Weg zur grossen Befreiung des Mannes war geebnet.
Teil 2: Jesus ist nichts zu schade für unsere Befreiung (Verse 10-20)
Nun aber brauchen böse Geister immer einen Wirt, ganz wie die Parasiten. Wenn sie nun aus dem Besessenen ausfuhren, wohin würden sie gehen? Sie baten Jesus sehr, dass er sie nicht aus der Gegend vertreibe. Da gab es eigentlich eine Gefahr, nämlich dass die Geister wieder zum Mann zurückkehren würden, bei dem sie sich so wohl fühlten. In Lukas 11,24-26 sagt Jesus: «Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, so durchstreift er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht; dann spricht er: Ich will wieder zurückkehren in mein Haus, aus dem ich fortgegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er’s gekehrt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt sieben andre Geister mit sich, die böser sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie dort, und es wird mit diesem Menschen am Ende ärger als zuvor.» Diese Gefahr gibt es. Und doch bannt Jesus diese Gefahr! So auch hier, durch die Gegebenheit mit den Schweinen. Die Dämonen suchten eine Lösung für ihr Wohnproblem, und doch war ihr Verderben vorprogrammiert, nämlich durch diese selbstgefundene Lösung. Lesen wir zusammen die Verse 11-13 des heutigen Wortes: «Es war aber dort am Berg eine grosse Herde Säue auf der Weide. Und die unreinen Geister baten ihn und sprachen: Lass uns in die Säue fahren! Und er erlaubte es ihnen. Da fuhren sie aus und fuhren in die Säue, und die Herde stürmte den Abhang hinunter ins Meer, etwa zweitausend, und sie ersoffen im Meer.» Unreine Geister und unreine Tiere, das passt. Die Dämonen dachten, dass die Schweine eine adäquate neue Behausung für sie seien: Ein- bis Dreipersonenhaushalte gewissermassen. Aber als die Schweine von ihnen besessen waren, reagierten sie zerstörerisch. Und völlig anders als mit ihrem natürlichen Instinkt. Schweine sind intelligent, haben feine Antennen für die Regungen ihrer Artgenossen und die Herden haben Leittiere, die für den Schutz der gesamten Herde verantwortlich sind. Ausserdem können die Tiere schwimmen. Hier aber hatten sie nichts von dem mehr auf dem Schirm, stürmten blindlings vorwärts, fielen in den See und vergassen im Wasser, Schwimmbewegungen zu machen. Sie veranstalteten gewissermassen ihr eigenes Selbstmordkommando. Damit wird deutlich, was passiert, wenn Dämonen die Macht übernehmen, ohne dass der HERR die Betroffenen schützt: Das wäre der sichere und sofortige Tod. Das heisst umgekehrt, dass der Mann sich zwar total fern von Gott gefühlt hatte, als er besessen gewesen war, aber dass der HERR ihn trotz der ganzen Selbstverletzung und der todesnahen Gedanken immer vor dem Sterben bewahrt hatte! Auf die gleiche Weise hatte der HERR auch uns bewahrt, bevor wir zum Glauben kamen. Und er beschützt uns noch immer vor dem Überhandnehmen der Einflüsse des Satans. Unermüdlich steht er uns bei im geistlichen Kampf.
Die rund 2000 Schweine, die losstürmten und im See umkamen, das war ein eindrückliches Spektakel. Die Schweinehirten waren dabei anwesend, konnten aber nichts tun. Be- oder sogar verängstigt durch die Erscheinung, flohen sie und sagten allen in der Stadt und auf dem Land, was sie gesehen hatten. Das war zwar Negativ-Publicity für Jesus, aber immerhin Publicity. Und so kamen die Leute zusammen und gingen hin, um mit eigenen Augen zu sehen, was da geschehen war. Der Anblick, der sich ihnen nun bot, war fast noch erschreckender als der einer grossen Herde Schweine, die in den See stürmt und ertrinkt. Lesen wir zusammen den Vers 15: «und kamen zu Jesus und sahen den Besessenen, der den Geist ‘Legion’ gehabt hatte, wie er dasass, bekleidet und vernünftig, und sie fürchteten sich.» Dazu hörten sie auch noch Augenzeugenberichte davon, was mit dem Mann passiert war. Das war ihnen wirklich unheimlich. Sie dachten nicht daran, dass sie sich eigentlich mit dem endlich befreiten Menschen hätten freuen können. Stattdessen fokussierten sie sich auf sich selbst. Es war für sie bequem gewesen, den Besessenen einfach besessen sein zu lassen und sich durch sein Verhalten ihre Annahmen über ihn bestätigen zu lassen. Eine so grosse Veränderung in dem Menschen, wie war denn die einzuordnen? Konnte das mit rechten Dingen zugehen? Und würde sich nun dieser Jesus vielleicht auch an sie wenden, ihren beschaulichen Alltag durcheinanderwirbeln und sie von ihren kleinen liebsamen ‘Besessenheiten’ befreien wollen? Dazu blickten sie auch noch auf die Sache mit den Schweinen, über die sie von den Augenzeugen nun auch Näheres erfuhren. Die armen Schweine, und vor allem, die armen Schweinehirten! So einen grossen Materialverlust wollten sie selber nicht riskieren… Ihr Materialismus griff offenbar durch und machte sie blind für die Heilswirkung Jesu. Und so baten sie Jesus darum, aus ihrem Gebiet fortzugehen. Dem leistete dieser Folge, denn er zwingt sich niemandem auf. Die Reaktion der Gerasener auf Jesus ist sehr bedauerlich. Sie sahen zwar, was Jesus getan hatte, erkannten aber nicht, warum er es getan hatte. Jesus zeigt uns auf, wie schlimm der Satan und seine Einflüsse sind – und wie zuverlässig er uns vor dem Schlimmsten bewahrt. Und er zeigt uns, dass ihm nichts, aber auch gar nichts zu schade ist, um uns zu retten und zu befreien. Wir sind für ihn himmelweit kostbarer als alle Schweine der Welt. Ja, als alles Silber, alles Gold und alle Diamanten auf der Erde zusammen. Unseren Wert beziehen wir daraus, dass wir Gottes Geschöpfe und Meisterwerke sind. Und aus dem, was Jesus für uns getan hat. Ja, er selber, Gottes Sohn, war sich nicht zu schade und hat sich für uns am Kreuz geopfert, damit wir den Preis für unsere Sünden nicht bezahlen müssen! Diese seine Rettungstat ist aus Liebe geschehen… Die Gerasener hätten zumindest nachfragen können, was Jesu Motiv hinter der Sache war. Und ihn sich genauer anschauen und anhören können, um seine Liebe zu spüren und aufzunehmen. Eindeutig: Diese Menschen brauchten jemanden, der ihnen mehr über den Christus und seine Liebe und Barmherzigkeit erzählen konnte! So, wie es auch heute noch geschieht: Jesus setzt seine Zeugen und Freudebotinnen dort ein, wo die Menschen noch in geistlicher Finsternis tappen. Und wer war in Gerasa geeigneter für diese Aufgabe als der von seiner Besessenheit befreite Mann? Während die Leute Jesus baten, wegzugehen, tat der Geheilte genau das Gegenteil. Er bat, dass er bei Jesus bleiben dürfe. Es ist ja naheliegend, dass wir dort, wo wir Gutes erfahren haben, bleiben wollen. Ganz so, wie Simon Petrus einst auf dem Berg dem verklärten Jesus sowie Mose und Elia Hütten bauen wollte. Doch manchmal, ja oft, ist es viel sinnvoller, dass wir stattdessen anderen vom erfahrenen Guten erzählen gehen. Jesus hatte für den geheilten Mann eine viel bessere Aufgabe als die, bei ihm zu bleiben. Lesen wir gemeinsam den Vers 19: «Aber er liess es ihm nicht zu, sondern sprach zu ihm: Geh hin in dein Haus zu den Deinen und verkünde ihnen, welch grosse Dinge der HERR an dir getan und wie er sich deiner erbarmt hat.» Jesus gab dem Geheilten nicht den Auftrag, überall sein Zeuge zu sein. Sondern er wollte, dass der Mann zuerst in seiner Familie von Jesu Wohltaten erzählte. Dabei sagte Jesus noch nicht einmal «was ich dir getan habe», sondern «was der HERR getan hat». Das ist seine Demut. Zudem wollte er, dass der Mann Jesus nicht als wundertätigen Menschen, sondern als Gottes Sohn erkannte. Der Ex-Besessene sollte also zuerst zu seinen Lieben nach Hause gehen. Wie lange hatte man ihn dort nicht mehr gesehen! Gewissermassen kehrte mit ihm ein verlorener Sohn oder Bruder oder Familienvater zurück. Das muss eine Wiedersehensfreude gewesen sein, in einer Intensität, die es nur gibt, wenn man sich keine Chancen für ein solches Wiedersehen mehr ausgerechnet hat. Der Mann freute sich sicher, zu den Seinen zu gehen. Aber das war ihm noch nicht genug. Er war ganz beseelt vom Erlebten, so beseelt, dass er überhaupt nicht mehr an sich halten konnte: Er musste allen in der ganzen Umgebung erzählen, was er mit Jesus erlebt hatte! Der Christus hatte dies bestimmt vorausgesehen. Er wollte diesen Mann als Zeuge von Gottes Barmherzigkeit haben, dies in der ganzen Dekapolis. Das geschah auch, wie der Vers 20 über den Geheilten sagt: «Und er ging hin und fing an, in den Zehn Städten auszurufen, wie viel Jesus an ihm getan hatte; und jedermann verwunderte sich.» So lieb, wie es Jesus ist, dass wir möglichst überall das Evangelium verkündigen: Er zwingt uns nicht dazu und gibt uns manchmal vorerst nur kleinere Aufgaben für sein Werk. Auch müssen wir nicht weit suchen, wenn es darum geht, den Anfang für unser Evangelisieren zu finden. Zunächst sind die Adressat:innen der Guten Nachricht die Menschen in unserem unmittelbaren Umfeld: Familienmitglieder, weitere Verwandte, Arbeitskolleg:innen, der Freundeskreis und dergleichen. Es ergeben sich immer wieder Gelegenheiten, dort Bibelworte weiterzugeben und von persönlichen Gott-Erlebnissen zu erzählen. Und um Liebe auszuüben, die diese Personen auf die tiefe, bedingungslose, vergebende Liebe Jesu hinweist. Umso besser aber, wenn wir so beseelt sind von der erlebten Errettungsgnade Jesu, dass wir zusätzlich noch einem viel breiteren Publikum davon erzählen. Denn es gibt überall so viele Menschen, die noch nichts von Jesus wissen, aber von ihm hören müssen. Ja: Jeder Mensch einen Retter, und den gibt es nur in Jesus!
Im heutigen Wort haben wir gesehen, wie viel Jesus daran gelegen ist, Menschen zu retten, zu heilen und zu befreien. Auch solche, die überhaupt nicht in unser Schema derer passen, die Heilung und Rettung zugute hätten. Da wir alle Sünder sind, haben wir sie ja auch nicht zugute oder verdient. Jesus nimmt sich sogar der scheinbar hoffnungslosen Fälle an, der von der Gesellschaft längst Abgeschriebenen, der Verachtetsten, der pauschal Verurteilten. Dem Licht der Welt gefällt es, in die Finsternis zu kommen und diese licht zu machen! Indessen ist eine Befreiung nicht immer angenehm. Bisweilen fühlen wir uns gequält, wenn wir für Gott etwas aufgeben müssen, damit er in unseren Herzen wirkt. Gehorchen wir ihm aber dennoch, erleben wir wirklich grosse innere Freiheit und einen nennenswerten Boost unseres Glaubens. Was wir ganz sicher aufgeben müssen, ist, unsere Mitmenschen mit unseren eigenen Bewertungsschemata zu betrachten. Schauen wir sie durch die Brille von Jesu Liebe und Hoffnung an! Weiter haben wir gesehen, dass Jesus nichts zu schade ist, um eine Seele zu retten. Nicht einmal Gott selber war sich zu schade, sich zur Erlösung von uns kleinen, sündigen Menschenkindern hinzugeben und sein Leben als Lösegeld für uns zu geben! Möge der HERR auch uns diesen Fokus lehren: nicht auf das Material, sondern auf die Liebe und die Errettung einer verlorenen Seele. Möge er uns alle Weisheit geben, wie wir verschiedenen Menschen Jesus, sein Wort und seine Barmherzigkeit näherbringen können. Ohne Belehrung, aber umso beseelter von seiner Wirkung in unserem Leben. Menschen bei uns. Und einem breiteren Publikum.
Lesen wir zum Schluss nochmals zusammen den Leitvers, Vers 9: «Und er fragte ihn: Wie heisst du? Und er sprach zu ihm: Legion heisse ich; denn wir sind viele.»