Du bist der Christus!

Guten Morgen! Es ist wunderschön, dass Gott uns erlaubt hat, wieder hier zusammenzukommen. Nicht selbstverständlich bei den ganzen Reisen, die diesen Herbst anstehen. Bald geht es für drei von euch nach Korea. Der HERR wird euch begleiten. Jesus ist überall derselbe und bleibt auf ewig derselbe. Ich finde das wunderbar tröstlich! Wir wollen heute über diesen Jesus als Gottes Sohn nachdenken. Er war ganz Mensch, aber er lässt sich längst nicht auf die menschliche Ebene reduzieren. Weil er göttlich ist, heilt er Menschen, die körperlich oder geistlich nichts sehen können. Weil er göttlich ist, freut er sich riesig über unser persönliches Bekenntnis zu ihm als dem Christus. Weil er göttlich ist, musste er für uns den Weg durch Leiden und Schmach gehen – und durfte uns in der Auferstehung vorangehen. Und weil er göttlich ist, wird er in seiner ganzen Herrlichkeit wiederkommen und will uns dann in die Ewigkeit mitnehmen. Lassen wir ihn in seiner Liebe und seiner Kraft auf uns wirken. Befassen wir uns mit seinem Wort. Dann können auch wir ihn glücklich und von Herzen bekennen; lesen wir gemeinsam den Titel meiner Botschaft: «Du bist der Christus!» Nochmals, lauter: «Du bist der Christus!» Und lesen wir gemeinsam den Leitvers, Vers 29.

Und er fragte sie: Ihr aber, wer, sagt ihr, dass ich sei? Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Du bist der Christus!
Markus 8,29

Als ich zum Einstieg in meine Botschaft eine Geschichte suchte, wollte ich eine schöne, metaphorische haben. Eine sanfte Überleitung. Da begegnete mir aber eine kurze Story, die richtig krass ist. Doch sie beschreibt das, was schöne Metaphern in aller Regel nicht rüberbringen können. Nämlich, wie es geht, mit Jesus eine echte Gottes-Erfahrung zu erleben… Die Geschichte ist diese: Es gab ein atheistisches Ehepaar, das ein Kind hatte. Sie erzählten ihrer Tochter nie von Jesus Christus. Eines Abends – das Mädchen war fünf Jahre alt – stritten die Eltern miteinander und dann erschoss der Vater die Mutter vor den Augen des Kindes. Daraufhin erschoss sich der Vater selbst. Das kleine Mädchen sah das alles mit an. Dann wurde sie zu Pflegeeltern gegeben. Die Pflegemutter war Christin und nahm die Kleine mit in die Kirche. Als die Sonntagsschule in der Kirche wieder anfing, erzählte die Mutter der Lehrerin, dass das Mädchen noch nie etwas von Jesus gehört hatte und bat sie, Geduld mit ihm zu haben. Die Lehrerin hielt ein Bild von Jesus hoch und fragte: „Weiss einer von euch, wer das hier ist?“ Das kleine Mädchen hob die Hand und sagte: „Ich! Das ist der Mann, der mich in der Nacht, als meine Eltern starben, gehalten hat.“

Puh! Das ist eindrücklich. Die Geschichte zeigt, dass Jesus uns gerade im Leiden ganz nahe ist. Bei ihm hat das Platz, was die Welt so gerne verdrängt: Schmerz, Schwachheit, angewiesen Sein auf einen Retter und Leiter. Gott sei Dank. Dagegen hat keinen Platz bei ihm, was die Welt so wichtig nimmt: etwa Egoismus oder das Streben nach grenzenloser Freiheit. Wie schön es doch ist, dass wir nach Gottes Prinzip leben dürfen und nicht mehr nach dem weltlichen Prinzip funktionieren müssen! Gott hat uns seine Lehre gegeben; er lehrt uns seine Wahrheit. Und ist daran, unsere geistlichen Augen immer mehr zu öffnen.

Teil 1: Geöffnete Augen (Verse 22-30)

Im vorliegenden Fall heilte Jesus ein leibliches Augenpaar, und dies – einmal mehr – auf seine eigene, unverwechselbare Weise. Jesus und seine Jünger kamen nach Betsaida. Das ist eines der Haupt-Wirkungsorte des Christus. Darin hatten die Menschen schon einige Wunder Jesu gesehen. Darum gab es auch Leute, die sich gewiss waren: Jesus besass Heilungskräfte und war auch sehr gerne bereit, diese einzusetzen. Und so brachten sie einen Menschen zu Jesus, der nichts sehen konnte. Sie baten Jesus darum, dass er ihn anrühre. Das Vorgehen dieser Leute gleicht der vertrauensvollen, herzlichen Fürbitte, die wir für jemanden leisten können, der in Not ist oder der noch nicht im Glauben steht. Solches Bitten freut und berührt den HERRN! Hier nahm sich Jesus des blinden Menschen sogleich an. Sein Vorgehen dabei ist bemerkenswert. Lesen wir zusammen den Vers 23: «Und er nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn hinaus vor das Dorf, spuckte in seine Augen, legte ihm die Hände auf und fragte ihn: Siehst du etwas?» Das war der Anfang der Heilung. Jesus widmete sich dem Heilungsbedürftigen ganz persönlich. Er nahm ihn beiseite und zeigte ihm damit, dass er Jesus wichtig war. Der Christus widmete dem blinden Menschen seine ganze Aufmerksamkeit. Er begnügte sich auch nicht damit, dem Menschen die Hände aufzulegen. Er machte mit seinem Speichel eine Augensalbe. In allem, was Jesus hatte, lag heilende Kraft. Erst recht in etwas, das von seinem Mund ausging! Denn aus diesem ging und geht auch sein lebengebendes Wort. Danach berührte ihn Jesus und fragte ihn, ob er etwas sehe. Jesus wusste längst, wie der Zustand der Augen des Menschen war. Aber er wollte es aus seinem Mund hören. Gottes Wort fragt auch uns nach unserem Seh-Zustand. Wir, die wir hier sind, sind aus geistlicher Sicht alle sehend: Wir glauben an Jesus und wissen, was er für uns mit seinem Tod und seiner Auferstehung getan hat. Aber wir haben teilweise noch geistliche Blindheiten an uns. Das können ungenaue oder falsche Komponenten unseres Gottesbildes sein. Oder Zweifel und Unglauben. Oder Sünden und Fehler, die wir noch nicht als solche erkennen und sie daher begehen. Der Heilungsbedürftige konnte ebenfalls schon sehen, aber noch nicht klar und deutlich. Daher sagte er, dass er die Menschen wie Bäume umhergehen sehe. Ein spannendes Zerrbild, aber noch kein korrektes Sehen. Ein optisches Wahrnehmen, aber noch keine richtige Einordnung des Wahrgenommenen. Jesus kümmerte sich weiterhin um den Menschen. Er lässt uns nicht los, bis er unsere ganzen geistlichen Blindheiten beseitigt und unser Herz geheilt hat! Sanft lehrt er uns, sanft wie jene Berührung der Augen gewesen sein muss. Als nun der Mensch wieder hinschaute, sah er deutlich. Er war wieder ganz zurechtgebracht worden! Dass Jesu Heilungstat in zwei Schritten geschah, bedeutet nicht, dass ihm beim ersten Mal keine vollständige Heilung gelungen wäre. In Wahrheit geht Jesus bei jedem heilungsbedürftigen Menschen ganz individuell, behutsam und gemäss seiner göttlichen Weisheit vor. In diesem Fall hätte es den Menschen bestimmt vollkommen überrumpelt, hätte er gleich die volle Sehkraft in deren ganzen Schärfe wiedererlangt. Nicht immer verstehen wir, wie Jesus vorgeht, auch in unserem Leben nicht. Warum befreit er uns zuerst von der einen Sünde und erst dann, vielleicht viel später, von einer anderen? Sein Weg mag manchmal geheimnisvoll sein. Sein Ziel dagegen ist es nicht. Ziel ist unser geistliches Wachstum, unser Heranreifen in Jesus, unser ihm immer ähnlicher Werden. Und: Sogar eine Nicht-Heilung kann Jesu Weisheit sein. Hätte er Paulus von dessen Augenleiden geheilt, hätte der Apostel vermutlich von seiner Demut und seinem Herzensbewusstsein der Angewiesenheit auf Jesus eingebüsst. – Jesus schickte den geheilten Menschen heim. Er sollte sich seiner Familie zeigen. Alle würden sich freuen über Jesu wundervolle Güte und seine Wohltat! Aber Jesus wollte nicht, dass der Geheilte eine grosse Sache um seine Heilung machte. Denn Jesus suchte weder den Ruhm von Menschen noch eine Popularität, die ihn in seiner Bewegungsfreiheit einschränken würde.

Ja, Jesus suchte nicht Menschenlob. Aber es war ihm nicht egal, was man über ihn dachte und sagte. Denn er wünschte und wünscht sich aus tiefstem Herzen, dass ihn alle als den Christus erkennen und als ihren persönlichen Retter annehmen! Er nimmt die Meinung, die man über ihn hat, ernst, denn er sieht darin den Herzenszustand eines jeden Menschen, der eine solche Meinung äussert. Hier liess Jesus seine Jünger über seine Identität reflektieren. Er fragte sie hierfür zuerst nach dem, was man so allgemein über den Christus sagte. Lesen wir gemeinsam den Vers 27: «Und Jesus ging fort mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Und auf dem Wege fragte er seine Jünger und sprach zu ihnen: Wer, sagen die Leute, dass ich sei?» In dieser idyllischen, aber sehr weltlich geprägten Umgebung durften die Jünger die unterschiedlichen Aspekte von Jesu Wesen beleuchten. Sie hatten verschiedentlich gehört, was das allgemeine Volk über Jesus sagte. Und natürlich auch, was die geistlichen Oberen über ihn sagten, aber das nannten sie hier mit Absicht nicht. Die Leute wussten, dass sie mit Jesus einen bedeutenden Mann Gottes vor sich hatten. Darum hielten sie ihn denn auch für einen Propheten. Zum Beispiel für Johannes den Täufer oder für Elias. Interessanterweise nannten sie die Wegbereiter des Messias, aber nicht den Messias selber. Das Volk hielt zweifellos viel von Jesus. Aber eines hatten ihre Ansichten über ihn gemeinsam: Es fehlte etwas Entscheidendes. Sie sahen Jesus nämlich nur als Menschen und nicht als Gottes Sohn! Sie konnten sich nicht vorstellen, dass jemand in Menschengestalt göttlich sein konnte. Obwohl der Prophet Jesaja einen solchen Messias angekündigt hatte! Auch heutzutage ist die Meinung weit verbreitet, dass Jesus einfach ein grossartiger Mensch war. Der weiseste Mensch auf Erden. Ein wunderbarer Philosoph. Ein grosses Vorbild. Ein wichtiger Lehrer. Ein grossartiger Heiler und Wundertäter. Ein Beschützer, vergleichbar mit einem Schutzengel… Sogar der Islam weiss, dass es Jesus gegeben hat; laut dem Koran ist er ein Prophet. Wer so lebt, wie Jesus gelebt hat, kommt in den Himmel, sagen die Moslems. Aber sie können sich Jesus nicht als Gott denken, denn ihrem Glauben gemäss zeugt Gott niemanden und ist von niemandem gezeugt worden. Und sogar Menschen, die an Gott glauben, können Jesus als Menschen und damit als Konkurrent zu Gott, ihrem Ein und Alles, sehen! Da braucht es Jesu Lehre, die diesen die Wahrheit offenbart und die geistlichen Augen auftut. Man braucht sich nämlich mit dem Logos und dem Evangelium zu befassen, bis man versteht, wer Jesus ist. Es ist eine geistliche, mit dem menschlichen Verstand nicht erfassbare Wahrheit. Was wussten die Jünger bereits über Jesus? Lesen wir gemeinsam den Vers 29: «Und er fragte sie: Ihr aber, wer, sagt ihr, dass ich sei? Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Du bist der Christus!» Der Christus, das bedeutet: der Gesalbte. Ein Geweihter Gottes, ein vom Höchsten eingesetzter König. Die Juden warteten auf den verheissenen Messias. Und mit Jesus war ebendieser gekommen! Petrus und die anderen elf Jünger hatten das erkannt. Jesus freute sich riesig über das Bekenntnis seines Jüngers. In Matthäus 16, Verse 17 und 18 steht: «Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.» Jede Christengemeinde basiert auf dem Bekenntnis zu Jesus als Gottes Sohn und als der persönliche Erlöser jedes Gemeindemitglieds. Wenn wir im Bekennen zum Christus fest stehen, wird uns kein Einfluss des Satans überwältigen oder vom rechten Weg abbringen können. Bekennen wir täglich: «Jesus, du bist Gottes Sohn! Jesus, ich liebe dich!» Das ist eine wirksame Waffe im geistlichen Kampf. Und erinnert uns immer neu daran, wem wir gehören. Das Bekenntnis zu Jesus öffnet unser Herz dafür, ihn über unser Leben regieren zu lassen. Denn eine solche Herrschaft ist das Allerbeste, was uns passieren kann. Wenn wir mit Jesus wandeln, lernen wir nach und nach kennen, wer er ist. Jede dieser tiefen Erkenntnisse schenkt uns festen Halt und himmlische Freude.

Als ich etwa zehn Jahre alt war, besuchte ich die christliche Jugendgruppe Jungschar. In Anbetungsliedern sangen wir von Jesus als Gott. Innerlich regte sich Widerstand in mir: Gott war Gott, aber Jesus war doch ein Mensch? Warum sollte ich einen Menschen anbeten? Erst als ich durch die Bern UBF zum Glauben kam, erkannte ich Jesus als Gottes Sohn und nahm ihn an. Ich freue mich über jede Erkenntnis, die mit der Wahrheit von Jesus als göttlich zusammenhängt. Beispielsweise etwa vor einem Jahr. Damals hatte sich gerade ein Problem gelöst: Ich war von der Sorge um eine liebe Person befreit. Im Gebet kam ich zum HERRN und dankte ihm. Die Sonne ging auf und ich blickte in Gedanken schon auf die schöne Schöpfung Gottes. Da schoss mir ein Gedanke durch den Kopf: Die Hilfe Gottes, die Schönheit der Natur, ja, alle Manifestationen von Gottes Gegenwart… Sie speisen sich aus derselben Liebe und Gnade, wie sie Jesus am Kreuz gezeigt hat! Diese Erkenntnis brachte mein Herz Jesus näher. Noch immer denke ich äusserst gerne an jenen Morgen. Jesus will, dass ich das, was ich über und mit ihm erfahren habe, anderen weitererzähle. Die Jünger damals waren noch nicht hierzu berufen. Sie kannten das Evangelium auch noch nicht, wie wir es heute kennen: Jesus war noch nicht gestorben und auferstanden.

Teil 2: Das Kreuz (Verse 31-38)

Jesu Jünger wussten, dass sie den Sohn Davids, den seit Jahrtausenden verheissenen Messias vor sich hatten. Aber sie wussten noch nicht genügend über ihn. Bestimmt stellten sie sich das Gleiche vor wie diejenigen, die wenige Tage später Jesus in Jerusalem mit einem gigantischen Hosianna empfangen würden. Nämlich, dass Jesus ein neuer politischer König würde, ganz wie sein Vorfahre David. Er war so gütig und gottesfürchtig, da würde er bestimmt gerecht regieren. Er war mächtig in seinen Taten; würde das ausreichen, dass er Israel aus der römischen Herrschaft befreien würde? In Wahrheit ist aber Jesus kein weltlicher König, sondern ein göttlicher. Er ist Gottes Sohn und sein Reich währt ewig. In diesem Reich gibt es unvorstellbar grosse Herrlichkeit. Gegenüber dieser ist jeder Glanz irdischer Königreiche und Herrschaften nichts. Doch vor dieser Herrlichkeit musste noch etwas anderes kommen. Nämlich? Leiden. Jesus ist König, aber er kam in Sklavengestalt zu uns. Er war niedrig in die Welt gekommen, als kleines Baby in einer schmutzigen Futterkrippe. Und er war bereit dazu, sich noch mehr zu erniedrigen. Ja, sich Schmach, Qual, Folter, Versuchungen und Mord antun zu lassen. Seine Wege würden ihn bis in die genuine Hölle vollkommener Gottesferne führen. Wofür? Für uns! Jesus war bereit, den vollen Preis der gesamten Menge unserer Missetaten zu bezahlen. Er ging für uns den Kreuzweg und bei seinem Tod tilgte er alle unsere Sünden am Kreuz. Das war sein Leiden und das ist die Begründung seiner Herrlichkeit. Das Leiden hatte nicht das letzte Wort: Jesus auferstand am dritten Tag. Vierzig Tage später fuhr er auf gen Himmel und nahm Platz zur Rechten Gottes, unseres himmlischen Vaters. Er ist für uns bis zum Äussersten gegangen. Darum hat er auch den Namen, der über allen Namen ist: Jesus Christus.

Es war Zeit, dass Jesus seine Jünger über die Art seines Königtums und seines Wirkens aufklärte. Dies tat er nun mit einer erschütternden Ansage. Lesen wir zusammen den Vers 31: «Und er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.» Das war Jesu erste Ankündigung seines Leidens, seines Todes und seiner Auferweckung. Das passte überhaupt nicht ins Bild, das die Zwölf von ihrem Rabbi hatten. Er sollte doch König werden, wie konnte er da von seinem Tod reden? Ein würdiger König konnte doch nicht von allen verworfen werden? Und zudem: Der arme Jesus, wer war es, der ihm so Schlimmes antun könnte? Musste man ihn da nicht vor diesen Feinden beschützen? All dies ging vermutlich Simon Petrus gleichzeitig durch den Kopf. Darum nahm er Jesus beiseite und fing an, ihm zu wehren. In Matthäus 16,22b sind Petrus’ Worte an Jesus als Direktzitat überliefert: «Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht!» Wenn er gewusst hätte, dass er Gott hier darum bat, etwas nicht zu tun, was sein Plan war… Genau so unerwartet, wie Jesu Ankündigung war, war für Petrus auch Jesu Antwort auf das Beiseiteziehen. Lesen wir zusammen den Vers 33: «Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh hinter mich, du Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.» Peng! Das muss sich für Simon Petrus wie ein Schlag angefühlt haben. Er, der vorher als Fels der Gemeinde bezeichnet worden war, wurde nun als Verführer zurückgewiesen? Manchmal ist es nötig, dass der HERR uns etwas Unerwartetes, Klares, Verstörendes, nicht in unser Konzept Passendes sagt. Denn so erkennen wir ihn näher und sehen von falschen Vorstellungen ab. Selten, aber doch ab und zu blinkt das zweischneidige Schwert aus dem Mund Jesu auf. Wenn es schneidet, dann ist es ein heilsamer Schnitt. Ein Cut durch Gedanken und Ansichten, die nicht dem Wort Gottes entsprechen… Eine der falschen Vorstellungen, die wir uns machen können ist, wie Petrus, Jesu Leiden von der menschlichen Seite her zu betrachten. Zwar ist es wirklich gut, wenn wir aus Liebe zu Jesus mit ihm mitfühlen und uns der Anblick von Jesus am Kreuz schmerzt. Aber es soll nicht bei dem Gedanken bleiben: «Armer Jesus!» Schauen wir näher hin; so werden wir staunen, welche Liebe in der ganzen Szenerie steckte. Jesus erlitt schlimmste Qualen, aber mit was für einer Bereitwilligkeit! Das war sein Wille, ja, sein Errettungswille. Vor nichts verschonte sich Jesus selbst. Er wollte noch nicht einmal den Betäubungstrunk trinken, den man damals den Gekreuzigten gab, um die schlimmste Pein zu lindern. Am Kreuz Jesu sehen wir, wie gross, aufopfernd und hingebungsvoll Gottes Liebe für uns Sünder ist. Und sehen, welchen Preis der Christus für unsere Missetaten bezahlt hat…

Ein solcher König hat eine ganz andere, viel grössere Kraft als ein politischer. Dementsprechend hat es auch eine ganz andere Qualität, ein Anhänger, eine Anhängerin Jesu zu sein als ein Untertan eines weltlichen Herrschers. Jesu Nachfolge geht nicht nach dem weltlichen Prinzip, sich ohne viel zu tun im Glanz der Mächtigen zu sonnen. Stattdessen geht sie nach dem geistlichen Prinzip. Es ist ein ganzer Lebensstil, es ist eine Mentalität, die daran hängt. Es ist der Wille, von Jesus zu lernen und ihm immer ähnlicher zu werden. Das machte Jesus auch seinen Jüngern und allen weiteren Zuhörenden klar. Lesen wir zusammen den Vers 34: «Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.» Das «Will» am Anfang dieser Aussage lässt uns aufmerken. Jesus zwingt niemanden, ihm nachzufolgen, aber freut sich umso mehr darüber, wenn wir uns dafür entscheiden. Jesus nachzufolgen bedeutet zunächst, sich selbst zu verleugnen. Das bedeutet, das eigene Ego nicht zu kultivieren, sondern Herz, Denken und Handeln immer mehr auf Jesus auszurichten. Das Ziel in der Nachfolge Jesu ist nicht das Streben nach eigenem Glück oder Selbstoptimierung. Genau diese Dinge gaukelt uns die Welt vor, dass sie sie uns geben könnte. In Wahrheit aber hat sie niemals das Glück, das wir in Jesu Nähe und beim Gott Dienen spüren können. Und sie kann uns nicht erfolgreich vorlügen, dass wir uns aus unserer eigenen Kraft verändern könnten. Lassen wir uns stattdessen vom HERRN formen, indem wir ein Leben mit ihm führen! Sich selbst zu verleugnen bedeutet auch, die Herrschaft über das eigene Leben nicht selber in die Hand zu nehmen, sondern sie Jesus zu geben. Er ist ein wundervoller Herrscher und ein sanftmütiger, gütiger König. Er bleibt ewig, während alle weltlichen Herrscher, Stars, Influencer usw. sterblich sind. Es lohnt sich in aller Hinsicht, ihm anzuhangen! Dazu finden wir bei ihm auch Weiteres, das die Welt vergeblich sucht: Erfüllung, innerlichen Frieden, Stabilität und Sinnhaftigkeit. Es ist das Geheimnis der Nachfolge Jesu, dass wir Ruhe nicht durch Nichtstun, sondern durch Dienen und durch die tiefe Gemeinschaft mit dem HERRN bekommen. Und dass Sicherheit nicht eine Frage von möglichst vielen Absicherungen und Versicherungen ist, sondern die Frucht des gelebten Glaubens… Zu diesem gehört, dass wir unser Kreuz auf uns nehmen. Dieses Kreuz hat einen langen Längsbalken: die Pflege der Verbindung mit Gott. Dazu gehören Beten, Bibellesen, geistlicher Kampf und das Bereuen von Sünden. Und das Kreuz hat einen Querbalken: die Pflege der Beziehungen zu anderen Menschen. Diese beinhaltet es, anderen Jesu Liebe und Gottes Wort weiterzugeben, praktische Hilfe zu leisten und Freude und Herzlichkeit zu verbreiten. So machen wir andere auf Jesus aufmerksam, der auch jede:n Einzelne:n von ihnen ganzheitlich liebt. Und der sie alle vor dem Weg in die Verdammnis retten will.

Jesus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Dementsprechend ist es nicht nötig, dass wir uns diese drei Dinge woanders suchen als bei ihm. Weltlich Gesinnte hängen sehr an ihrem irdischen Leben im Sinne einer Lebensgestaltung nach ihren eigenen Wünschen. Sie wollen immer gewinnen: Macht, Geld, Anerkennung von Menschen usw. Doch was sagt Jesus? Lesen wir zusammen die Verse 35-37: «Denn wer sein Leben behalten will, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird’s behalten. Denn was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele? Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?» Lassen wir die Hoffnung auf rein irdischen Gewinn beiseite. Lassen wir stattdessen den HERRN unser Leben gestalten und leiten. Erst das wird wahres Leben sein. Und noch besser: ewiges Leben! Bewahren wir unsere Seele beim HERRN! Denn wir wissen, dass unser Lohn ein viel grösserer sein wird als alles Geld, alle Macht und alle Anerkennung auf Erden. Es wird das ewige Leben im Himmelreich sein! Wenn wir für das Evangelium unterwegs sind, dann ist das eine Investition ins Himmelreich. Und wenn wir diese mit Freude und aus Dankbarkeit für Gottes Gnade tun, dann ist das Dienen noch nicht einmal so beschwerlich. Jesus hat auch gesagt, in Matthäus 11,28-30: «Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.» Und wie wichtig ist es in der heutigen gottlosen Zeit, dieses Joch auf uns zu nehmen! Denn es gibt so viele Schäfchen, die irgendwo fern von Jesu Weide herumirren. Erzählen wir ihnen von Jesus! Wir brauchen uns vor ihnen auch nicht zu fürchten. Was können sie uns schon tun, wenn der HERR uns doch beschützt? Wie viel mehr wiegt es, eine Seele zu retten, als Ablehnung zu vermeiden! Jesus sagt uns auch; lesen wir zusammen den Vers 38: «Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.» Jesus wird wiederkommen und wir werden ihn in seiner ganzen himmlischen Herrlichkeit sehen! Wir, die wir Gottes Wort weitergeben, brauchen uns nicht davor zu fürchten, dass sich Jesus unser schämen wird, wenn er kommen wird. Möge der HERR uns ein mutiges, dankbares, in Jesus verankertes Herz geben, sodass wir mit allem Mut und aller Freude sein Wort weitergeben können. Und möge er uns immer im Bewusstsein bewahren, was der Lohn unserer Mühen für ihn ist. Nämlich das ewige Leben im Himmelreich, in der ungetrübten Gemeinschaft mit Gott und Jesus! Die Wohnungen in Gottes Reich sind für uns schon vorbereitet. Wie sie wohl aussehen mögen? Wir werden es erfahren.

Lesen wir zum Schluss nochmals zusammen den Leitvers, Vers 29: «Und er fragte sie: Ihr aber, wer, sagt ihr, dass ich sei? Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Du bist der Christus!»