Eine reine Braut Christi


2. Korinther 11,1-33

Denn ich eifere um euch mit göttlichem Eifer; denn ich habe euch verlobt mit einem einzigen Mann, damit ich Christus eine reine Jungfrau zuführte. 
2. Korinther 11,2

Im heutigen Text erklärt Paulus, in welcher Beziehung wir zu unserem Herrn stehen. Jesus Christus ist unser Bräutigam, und wir sind seine Jungfrau, seine Braut. Unter uns gibt es zwar Ledige, aber geistlich gesehen seid ihr alle mit Jesus „verheiratet“.

Gott selbst hat Ehe und Familie geschaffen. Ich glaube, dass Gott diese Ordnungen gegeben hat, damit wir seine Beziehung zu uns besser verstehen können. Durch die Familie lernen wir Gott als unseren Vater kennen. Und durch die Ehe verstehen wir, was es bedeutet, die reine Braut Christi zu sein.

Doch diese Beziehung zu Jesus ist nicht selbstverständlich. Sie ist bedroht. Es gibt einen Feind, der diese Beziehung zerstören will. Deshalb wollen wir heute erkennen, wer dieser Feind ist und was uns zu einer reinen Braut Christi macht.

1. Die Schlange verführt Eva mit ihrer List

Lesen wir zunächst Vers 2:

2 Denn ich eifere um euch mit göttlichem Eifer; denn ich habe euch verlobt mit einem einzigen Mann, damit ich Christus eine reine Jungfrau zuführte.

Paulus stellt sich hier als Vermittler vor. Wir wissen, wie viele Gemeinden er gegründet und wie viele Menschen er zum Glauben geführt hat. Doch sein Eifer und sein Ruhm bestanden nicht in der Quantität – also darin, wie viele Gemeinden oder wie viele Gläubige es gab –, sondern in der Qualität ihrer Beziehung zu Christus. Er wollte nicht, dass Menschen Jesus nur oberflächlich kennen. Er wollte, dass sie Jesus so kennen, wie Ehepartner einander kennen – persönlich, vertraut und aus Liebe.

Hier sollten wir über unsere eigene Beziehung zu Jesus nachdenken. Kennen wir ihn nur wie einen Nachbarn oder wie einen Influencer, den wir gelegentlich sehen? Oder kennen wir ihn als unseren Bräutigam wirklich von Herzen?

Was bedeutet es, eine reine Jungfrau Christi zu sein? In Römer 6,6 lesen wir:

Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen.

Paulus wollte die Gläubigen dahin führen, mit Christus gekreuzigt zu sein, ihn zu lieben und nicht länger der Sünde zu dienen. Deshalb bezeichnet Gott den Götzendienst auch als Ehebruch.

In den Versen 3–4 lesen wir:

„Ich fürchte aber, dass, wie die Schlange Eva verführte mit ihrer List, so auch eure Gedanken abgewendet werden von der Lauterkeit und Reinheit vor Christus. 4 Denn wenn einer zu euch kommt und einen andern Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder ihr einen andern Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertragt ihr das recht gern! “

Unsere Ehe mit Jesus ist bedroht. Die Beziehung Evas zu Gott war ursprünglich von Lauterkeit und Reinheit geprägt, weil sie sich Gott unterordnete. Doch die Schlange verführte sie mit ihrer List. Sie versprach Eva, dass sie Gott gleich sein würde, wenn sie von der Frucht der Erkenntnis des Guten und Bösen ässe. Eva fiel auf diese Lüge herein und zerstörte dadurch die Lauterkeit und Reinheit ihrer Beziehung zu Gott, weil sie danach verlangte, Gott gleich zu sein.

Paulus vergleicht die falschen Lehrer in der Gemeinde mit dieser Schlange, die unsere Beziehung zu Gott zerstören will.

Die falschen Lehrer predigten einen anderen Geist und ein anderes Evangelium als Paulus. Welche Folgen das hatte, wird im Folgenden beschrieben.

Verse 5–6:
„5 Ich meine doch, dass ich den Überaposteln in nichts nachstehe. 6 Und wenn ich schon ungeschickt bin in der Rede, so bin ich’s doch nicht in der Erkenntnis; sondern in jeder Weise und vor allen haben wir sie bei euch kundgetan. “

Die falschen Lehrer stellten die Autorität des Paulus als Apostel infrage. Sie griffen die rhetorischen Fähigkeiten des Paulus.

Das höchste Ziel der römischen Bildung bestand darin, durch Rhetorikschulen fähige Politiker und Verwaltungsbeamte auszubilden. Redekunst war ein wichtiges Mittel, um zu hohem gesellschaftlichem Ansehen, politischen Ämtern oder zur Oberschicht zu gelangen. Die falschen Lehrer beeindruckten die Christen in Korinth mit ihrer Rhetorik und kritisierten die mangelnde rhetorische Begabung des Paulus. Ihre Worte waren wie die Zunge der Schlange, die Eva zur Sünde verführte.

Paulus betonte dagegen klar: „Ich bin zwar ungeschickt in der Rede, aber nicht in der Erkenntnis des Evangeliums Jesu Christi.“ Die gefallene Welt richtet ihren Blick auf die äussere Erscheinung statt auf den Inhalt. Satan versucht uns mit seiner List dazu zu bringen, auch in der Gemeinde nach den Massstäben der Welt zu urteilen – nach Ruhm, Erfolg und Ansehen –, anstatt nach dem Geist Christi zu leben: in Demut, Liebe, Hingabe und in der Hoffnung auf das Himmelreich.

Auch heute können wir unzählige Predigten auf YouTube hören. Dabei brauchen wir geistliche Unterscheidungskraft. Lassen wir uns von Redekunst beeindrucken? Von Charisma? Von Erfolg? Von großen Zahlen? Oder fragen wir: Führt diese Botschaft mich zur Buße? Führt sie mich zur Demut? Führt sie mich zur Liebe zu Jesus?

Denn das wahre Evangelium macht uns nicht stolz. Es macht uns demütig. Es führt uns zur Hingabe, zum Dienst und zu einer tieferen Sehnsucht nach Gott. Wenn unser Blick nicht auf Jesus gerichtet bleibt, werden wir immer von etwas anderem beeindruckt werden.

Wie wurde Paulus noch angegriffen?

Verse 7–11:
„7 Oder habe ich eine Sünde begangen, als ich mich erniedrigt habe, damit ihr erhöht würdet? Denn ich habe euch das Evangelium Gottes ohne Entgelt verkündigt. 8 Andere Gemeinden habe ich beraubt und Geld von ihnen genommen, um euch dienen zu können. 9 Und als ich bei euch war und Mangel hatte, fiel ich niemandem zur Last. Denn meinem Mangel halfen die Brüder ab, die aus Makedonien kamen. So bin ich euch in keiner Weise zur Last gefallen und will es auch weiterhin so halten. 10 So gewiss die Wahrheit Christi in mir ist, so soll mir dieser Ruhm im Gebiet von Achaia nicht verwehrt werden. 11 Warum das? Weil ich euch nicht lieb habe? Gott weiss es!“

Paulus verkündigte den Gläubigen in Korinth das Evangelium kostenlos. Das tat er nicht, weil es ihm an nichts fehlte. Im Gegenteil: Die Brüder aus Makedonien unterstützten ihn in seiner Not. Er wollte den Gläubigen keinesfalls zur Last fallen und erniedrigte sich selbst, um ihnen zu dienen. Aus Liebe gab er sich für sie hin.

Doch die falschen Lehrer nutzten gerade diese selbstlose Haltung aus und verleumdeten ihn. In der griechisch-römischen Welt galt ein Philosoph oder Redner ohne finanzielle Unterstützer oft als unqualifiziert oder unfähig. Deshalb behaupteten die falschen Lehrer, Paulus verzichte nicht aus Liebe auf finanzielle Unterstützung, sondern weil er gar kein echter Apostel sei und keine Unterstützung verdiene. Wie ungerecht muss sich der Apostel Paulus angesichts solcher Anschuldigungen gefühlt haben!

Paulus machte die Strategie der falschen Apostel deutlich.

Verse 12–15:
„Was ich aber tue, das will ich auch weiterhin tun, um denen den Anlass zu nehmen, die einen Anlass suchen, sich zu rühmen, sie seien wie wir. 13 Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter und verstellen sich als Apostel Christi. 14 Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich als Engel des Lichts. 15 Darum ist es nichts Grosses, wenn sich auch seine Diener verstellen als Diener der Gerechtigkeit; deren Ende wird sein nach ihren Werken.“

Die falschen Apostel, die letztlich dem Satan dienen, verkleiden sich als Engel des Lichts und als Diener der Gerechtigkeit. Sie handelten nicht nach dem Evangelium Jesu – nicht nach Wahrheit, Liebe, Vergebung, Demut, Einheit und Dienstbereitschaft. Im Gegenteil: Sie verleumdeten Paulus und verursachten Spaltungen in der Gemeinde.

Vor Kurzem hörte ich von einer regelrechten Verleumdungskampagne. Eine Sekte hatte sich in eine Gemeinde eingeschlichen und schliesslich die gesamte Gemeinde für sich gewonnen. Ihre Strategie bestand darin, den Gemeindeleiter und den Pfarrer systematisch vor den Gläubigen zu verleumden. Ähnlich wie bei Paulus wurden gute Absichten verdreht und falsch dargestellt. Dadurch wurden die Gemeindemitglieder gegen ihren Pfarrer aufgebracht und lehnten ihn schliesslich ab. Anschliessend übernahm ein Leiter der Sekte seine Position. So konnte die ganze Gemeinde leicht unter den Einfluss einer zerstörerischen Macht geraten.

Während des Fischerwerks an der Universität begegnete ich einer Studentin der Zeugen Jehovas. Andere hatten sie bereits ermahnt, diese Gemeinschaft zu verlassen. Sie empfand die Gruppe jedoch als hilfreich, weil dort auf viele Fragen der Menschen scheinbar überzeugende Antworten gegeben wurden. Gleichzeitig lehnen die Zeugen Jehovas die Gottheit Jesu Christi ab und feiern weder Weihnachten noch Ostern, also weder die Geburt noch die Auferstehung Jesu. Wer Jesus nicht als festes Fundament hat, wird leicht zur Beute des Satans.

Nun sollten wir uns selbst prüfen. Sind wir frei von der Verführung der Schlange? Wie nah ist unsere Beziehung zu Jesus? Leben wir tatsächlich als die Braut Christi? Haben wir das Verlangen, wie Jesus in Sanftmut, Demut, Liebe und Dienstbereitschaft zu leben? Oder sind unsere Herzen von Sorgen um Geld, von Sünden oder von unseren Emotionen gefangen genommen worden?

Satan versucht mit allen Mitteln, uns davon abzuhalten, eine reine Braut Christi zu sein. Er verführt uns dazu, den Blick auf Jesus und die Freude an seinem Wort zu verlieren und stattdessen den Wegen und Werten dieser Welt zu folgen.

Trotz aller Verleumdungen und Angriffe blieb Paulus standhaft. Denn er hatte den leidenschaftlichen Wunsch, die Gläubigen nicht an die Macht Satans zu verlieren. Er hatte eine klare Erkenntnis des Evangeliums Jesu Christi. Doch er besass nicht nur Erkenntnis – er lebte auch nach der Hingabe, Liebe und dem Dienst Jesu.

Unerschütterlich kämpfte er gegen die falschen Apostel, um die Gemeinde zu schützen und die Gläubigen als reine Braut zu Christus zurückzuführen. Wir sollten sowohl uns als auch unsere Schafe mit Gebetskampf zu Jesus bringen. 

Nun wollen wir betrachten, wie Paulus ganz konkret als die Braut Christi gelebt hat.

2. Paulus, der wahre Apostel und die reine Braut Christi

Nun wollte Paulus deutlich machen, woran man einen wahren Apostel erkennt.

Verse 16–19:
„16 Ich sage abermals: Niemand halte mich für töricht; wenn aber doch, so nehmt mich an als einen Toren, damit auch ich mich ein wenig rühme. 17 Was ich jetzt rede, das rede ich nicht dem Herrn gemäss, sondern wie in Torheit, weil wir so ins Rühmen gekommen sind. 18 Da viele sich rühmen nach dem Fleisch, will ich mich auch rühmen. 19 Denn ihr ertragt gerne die Narren, ihr, die ihr klug seid!“

Zunächst entschuldigt sich Paulus. Eigentlich wollte er sich überhaupt nicht rühmen, weil dies nicht dem Wesen Christi entspricht. Denken wir an unseren Herrn Jesus. Obwohl er Gott gleich war, hielt er nicht an seiner Herrlichkeit fest. Er erniedrigte sich selbst. Er kam als Diener in diese Welt. Er suchte keine Anerkennung, keinen Applaus und keinen Ruhm. Sein Ziel war es, verlorene Menschen zu retten und das Bild Gottes in ihnen wiederherzustellen.

Die falschen Apostel hingegen suchten ihren Ruhm nach den Massstäben dieser Welt. Auch das erinnert uns an die Versuchung der Schlange gegenüber Eva. Stellen wir uns einmal vor: Wie könnte ein Mensch so leicht Gott gleich werden, nur indem er eine Frucht isst? Genau das ist die Versuchung Satans – die menschliche Neigung, auf einfache und schnelle Weise Macht, Ruhm und Herrlichkeit erlangen zu wollen, ohne Leiden.

Verse 20–21a:
„Ihr ertragt es, wenn euch jemand knechtet, wenn euch jemand ausnützt, wenn euch jemand gefangen nimmt, wenn sich jemand über euch erhebt, wenn euch jemand ins Angesicht schlägt. 21 Zu meiner Schande muss ich sagen: Dazu waren wir zu schwach!“

Die Versuchung der Schlange und die falsche Lehre versprechen uns Ruhm, Freude und die Freiheit, aber sie machen uns zu Knechten. Die Welt sagt: “Tu, was du willst.» “Verwirkliche dich selbst.» “Folge deinen Gefühlen.”

Doch wohin führt dieser Weg? Er führt nicht zur Freiheit, sondern zur Knechtschaft. Darum müssen wir uns heute selbst fragen: Bin ich wirklich frei? Oder bin ich ein Knecht meiner Sorgen, meiner Begierden, meines Stolzes oder meiner Anerkennungssucht?

Nun erklärt Paulus, woran ein wahrer Apostel zu erkennen ist.

Verse 21b–22:
Wo einer kühn ist – ich rede als Narr –, da bin ich auch kühn. 22 Sie sind Hebräer? Ich auch! Sie sind Israeliten? Ich auch! Sie sind Abrahams Kinder? Ich auch!

In der frühen christlichen Mission galt die Zugehörigkeit zum Bundesvolk Israel als ein wichtiges Merkmal apostolischer Autorität. Deshalb weist Paulus darauf hin, dass auch er aus dem Volk des Bundes stammt und in dieser Hinsicht den anderen in nichts nachsteht.

Danach berichtet Paulus, wie sein Dienst als Apostel tatsächlich ausgesehen hat.

Verse 23–27 und 32–33:
„23 Sie sind Diener Christi? Ich rede wider alle Vernunft: Ich bin’s weit mehr! Ich habe mehr gearbeitet, ich bin öfter gefangen gewesen, ich habe mehr Schläge erlitten, ich bin oft in Todesnöten gewesen. 24 Von Juden habe ich fünfmal erhalten vierzig Geisselhiebe weniger einen; 25 ich bin dreimal mit Stöcken geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer. 26 Ich bin oft gereist, ich bin in Gefahr gewesen durch Flüsse, in Gefahr unter Räubern, in Gefahr von meinem Volk, in Gefahr von Heiden, in Gefahr in Städten, in Gefahr in Wüsten, in Gefahr auf dem Meer, in Gefahr unter falschen Brüdern; 27 in Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blösse; 32 In Damaskus bewachte der Statthalter des Königs Aretas die Stadt der Damaszener und wollte mich gefangen nehmen, 33 und ich wurde in einem Korb durch ein Fenster die Mauer hinabgelassen und entrann seinen Händen.“

Gefängnis. Schläge. Verfolgung. Schiffbruch. Hunger. Durst. Gefahren. Ablehnung. Schon beim Lesen dieser Verse wird uns fast schwindlig. Und dabei war Paulus zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht am Ende seiner Leiden angekommen. Später kamen noch weitere Gefängnisaufenthalte und Verfolgungen hinzu.

Paulus zählt hier ganz konkret seine Teilnahme an den Leiden Christi auf – etwas, dessen er sich eigentlich gar nicht rühmen wollte. Sein Ziel war nicht, sich selbst zu erhöhen, sondern die falschen Apostel zu entlarven. Diese redeten viel, kritisierten, verleumdeten und verursachten Spaltungen, waren aber nicht bereit, für das Evangelium zu leiden.

Ob jemand ein wahrer Nachfolger Jesu ist, entscheidet sich nicht an seiner Redekunst, an seinem Ansehen oder daran, wie viel finanzielle Unterstützung er erhält. Das sind die Massstäbe dieser Welt. Entscheidend ist vielmehr, ob jemand bereit ist, an den Leiden Christi teilzuhaben. Denn daran zeigt sich, ob jemand nur über Jesus spricht oder ob er aus Liebe zu Jesus lebt.

In 1. Petrus 4,1 lesen wir:
Weil nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet euch auch mit demselben Sinn; denn wer im Fleisch gelitten hat, der hat Ruhe vor der Sünde,

Durch die Teilnahme an den Leiden Christi werden wir vor der Macht der Sünde bewahrt. So werden wir zur reinen Braut Christi. Wie viel von dem, was Paulus hier beschreibt, sind wir selbst bereit mitzutragen? Ablehnung? Verzicht? Opfer? Gebetskampf? Hingabe?

Doch Paulus trug nicht nur körperliche Leiden. Sein Herz war ständig von Sorge um die Gemeinden erfüllt.

Verse 28–31:
„28 und ausser all dem noch das, was täglich auf mich einstürmt, die Sorge für alle Gemeinden. 29 Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? Wer wird zu Fall gebracht, und ich brenne nicht? 30 Wenn ich mich denn rühmen soll, will ich mich meiner Schwachheit rühmen. 31 Gott, der Vater des Herrn Jesus, der gelobt sei in Ewigkeit, weiss, dass ich nicht lüge.“

Wir haben gesehen, wie sehr die Korinther Paulus angegriffen haben. Doch er reagierte nicht mit Bitterkeit oder Groll. Sein Herz brannte vielmehr für sie. Er hatte Angst, sie an Satan zu verlieren.

Wie reagieren wir auf Menschen, die uns verletzen? Mit Bitterkeit und Selbstverteidigung? Oder mit brennender Fürbitte und Hirtenherz?

Paulus sagt schliesslich etwas Erstaunliches: “Wenn ich mich rühmen soll, dann will ich mich meiner Schwachheit rühmen.» Es ist eigentlich ein Wunder, dass er trotz all der Todesgefahren überhaupt überlebt hat. Gerade in seiner Schwachheit erlebte er die Kraft der Auferstehung und die rettende Macht Jesu. Deshalb war er nicht von Selbstmitleid erfüllt, sondern von Lobpreis gegenüber Gott. Denn er wusste: Der ewige Gott sieht und kennt alles.

Auch ich selbst wurde lange Zeit von der Schlange verführt, ohne es zu merken. Ich dachte, ich könnte Gott durch Erfolg im Erlösungswerk verherrlichen. Doch wenn ich ehrlich bin, suchte ich oft mehr die Belohnung und die Anerkennung der Menschen als Gott selbst. 

Solange mein Fokus auf Erfolg lag, war ich unsicher, ob ich diesen Weg bis zum Ende gehen könnte. Doch durch Leiden führte Gott mich dazu, mein Fundament allein auf das Evangelium Jesu zu bauen. Ich hielt mich an Jesus am Kreuz fest, der nicht vom Kreuz herabstieg, um sich selbst zu retten. Diese grosse Gnade Jesu werde ich niemals vergessen. Ich will Satan nicht siegen lassen. Durch diesen Prozess habe ich erkannt:

Die wahre Freude liegt nicht in Quantität. Die wahre Freude liegt nicht in Anerkennung der Menschen. Die wahre Freude liegt darin, Jesus ähnlicher zu werden – indem wir Jesu Demut, Hingabe und Liebe ausüben. Das ist die Braut Christi.

Dieser Text lehrt mich, nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität zu achten. Ich sollte mich selbst prüfen, ob ich als reine Braut Christi lebe, und auch anderen helfen, als reine Braut Christi zu leben. Durch das Bibelstudium bemühe ich mich stets, den Blick auf Jesus zu richten. Doch ich möchte nicht nur über Jesus sprechen, sondern auch durch das Fischerwerk an seinem Leiden teilhaben.

Durch den heutigen Text haben wir betrachtet: Wer der wahre Apostel und die reine Braut Christi?

Es ist nicht derjenige, der viel über Jesus redet. Es ist nicht derjenige, der durch Jesus Entgelt, Vorteile sucht. Die reine Braut Christi ist derjenige, der bereit ist, mit Jesus zu leiden und dennoch voller Freude, Dankbarkeit, Liebe und Lobpreis bleibt.

Unser Bräutigam Jesus hat sein Leben für uns hingegeben. Deshalb wollen wir seine Gnade niemals vergeblich empfangen. Lasst uns durch den Kampf des Gebets verlorene Schafe zurückgewinnen und zu Jesus führen. Auch das ist eine grosse Teilnahme an den Leiden Christi.

Wir sind schwach und können keinen Menschen aus eigener Kraft retten. Doch die Fürbitte und das Wort Gottes sind die Kraft Gottes. So dürfen wir eine reine und zugleich kämpfende Braut Christi sein, die andere Menschen zu ihm führt.

Herr, wir danken dir, dass du uns Sünder zu deiner reinen Braut gemacht hast. Hilf uns, alle Lügen der Schlange zu überwinden, die uns versklaven wollen. Lass uns vielmehr Freude daran haben, nach den Eigenschaften Jesu zu leben und Menschen zu dir zu führen. Amen.