Gebt ihr ihnen zu essen!

Markus 6,30-44

Guten Morgen! Es ist super schön, euch alle hier zu sehen. Der Raum, und jede Person in ihm, ist reich gesegnet und beschenkt, nämlich mit der Gegenwart Jesu. Der Christus liebt es, uns um sich zu haben. Und möchte das jede Sekunde lang und bis in alle Ewigkeit. Er hat uns zu sich gerufen und uns errettet. Seine Gnade ist unendlich. Und in dieser Gnade will er, dass wir uns an seinem Erlösungswerk beteiligen. Wenn wir seine Botschaft und seine Liebe an andere weitergeben, bringt das ganz viele Menschen zu ihm und damit zur Rettung. Es sind viel mehr Menschen, als wir denken, ja, als wir uns das mit unserem beschränkten Horizont überhaupt vorstellen können. Im heutigen Wort sehen wir, wie Jesu Jünger von ihrem Meister in die Verantwortung genommen wurden. Und dadurch jede Menge über Jesus lernten. Und sie lernten, sich im Vertrauen vom Christus leiten zu lassen, der das Unmögliche möglich macht. So erlebten sie eine Vervielfältigung, ja, fast schon eine Explosion von Segen…

Lesen wir gemeinsam den Titel meiner Botschaft: «Gebt ihr ihnen zu essen!» Und lesen wir zusammen den Leitvers, Vers 37a: 

Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen!

Markus 6,37a

Neulich habe ich im Internet eine schöne Geschichte gelesen. Ursprünglich kommt sie aus den Philippinen. Sie könnte eigentlich für Jesus und seine Jünger stehen… Es war einmal ein König mit zwei Söhnen. Einer von ihnen sollte sein Nachfolger werden. Weil er nicht wusste, wen er wählen sollte, stellte er beiden Söhnen eine Aufgabe. Er gab jedem fünf Silberstücke und sagte zu ihnen: «Mit diesem Geld sollt ihr bis zum Abend die Halle in unserem Schloss füllen. Womit, das bleibt euch überlassen.» Die beiden Söhne machten sich auf den Weg. Der ältere kam an einem Feld vorbei, wo die Arbeiter bei der Zuckerrohrernte waren. Das ausgepresste Zuckerrohr liessen sie auf dem Feld liegen. Da dachte sich der Königssohn: «Mit diesem nutzlosen Zeug kann ich die Halle meines Vaters füllen.» Mit den Arbeitern wurde er einig, und bis zum späten Nachmittag schafften sie das ausgedroschene Zuckerrohr in die Halle des Schlosses. Als sie gefüllt war, ging der ältere Königssohn zu seinem Vater und sagte: «Vater, ich habe deine Aufgabe erfüllt. Auf meinen Bruder brauchst du nicht mehr zu warten. Mach mich zu deinem Nachfolger.» Der König antwortete: «Noch ist es nicht Abend. Ich werde warten.» Schon bald kam auch der jüngere Sohn. Er liess das ausgedroschene Zuckerrohr wieder aus der Halle entfernen. Dann stellte er mitten in die Halle eine Kerze und zündete sie an. Der Kerzenschein füllte die Halle bis in die letzte Ecke. Der König sagte: «Du sollst mein Nachfolger sein. Dein Bruder hat fünf Silberstücke ausgegeben, um die Halle mit nutzlosem Zeug zu füllen. Du aber hast nicht einmal ein Silberstück gebraucht und hast sie mit Licht erfüllt.»

Was suchen wir, wenn es darum geht, anderen zu dienen? Mit dem, was wir anderen bringen wollen, verraten wir, was in unserem Herzen ist. Der ältere Sohn in der Geschichte hatte die Quantität und das Offensichtliche auf dem Schirm, das er seinem Vater herbrachte. Und den schnellen Erfolg, ohne zu viel tun zu müssen. Der jüngere Sohn hingegen hatte die Qualität auf dem Schirm. Er verstand, dass es bisweilen nicht viel braucht, um anderen Menschen genau das zu geben, was sie brauchen. Ob das eine volle Halle ist oder ob das Essen ist für eine Menge von um die 10’000 hungrigen Leuten.

Teil 1: Wie Schafe ohne Hirten (Verse 30-34)

Jesu zwölf Jünger kamen zurück von ihrer Kurzzeitmission. Sie hatten von Jesus die Vollmacht bekommen, zu predigen, Dämonen auszutreiben und Kranke gesund zu machen. Und genau das hatten sie nun getan. Noch ganz beflügelt und beseelt, freudig und wohl auch stolz, trafen sie wieder bei ihrem Meister ein. Lesen wir gemeinsam den Vers 30: «Und die Apostel kamen bei Jesus zusammen und verkündeten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten.» Die Jünger taten hier genau das Richtige. Sie reflektierten in Jesu Gegenwart das, was sie in seinem Dienst getan hatten. Etwas Solches können wir auch tun, beispielweise am Abend, wenn wir im Gebet auf den Tag zurückschauen. Wir bringen unsere Dankbarkeit für unser Wirken und für erlebte Segnungen und Freuden zum HERRN. Wir erzählen unbeschwert und seiner Liebe gewiss, vergleichbar mit einem Schulkind, das daheim seinen Eltern erzählt, was es am Tag in der Schule erlebt hat. Da hat alles Platz, Gutes, Negatives, Erstaunliches, Schwieriges, Unerwartetes… So pflegen wir die persönliche Beziehung mit unserem himmlischen Vater, unserem Abba. Jesu Jünger sagten Jesus also alles, was sie gemacht und gelehrt hatten. Dabei repetierten sie diese Lektionen automatisch für sich selbst. Und bestimmt wurde ihnen dabei bewusst, dass sie bei ihrem Einsatz nicht nur gelehrt, sondern auch gelernt hatten. Sie hatten die Predigt vom Heil und zur Busse für sich selbst tiefgehender angenommen. Sie hatten gelernt, auf Gottes Versorgung zu vertrauen. Sie hatten erfahren, dass Gott, der Lebendige und Allmächtige, mit ihnen war und ihnen alles schenkte, was sie zum Dienst brauchten. Sich an Jesu Werk zu beteiligen bedeutet, praktisch von Jesus zu lernen. Das ist kein Fernunterricht vom Sofa aus, sondern ein Hinausgehen zu den Menschen, die einen brauchen und die das Evangelium hören sollen. Es ist eine Konfrontation mit unterschiedlichen Personen und mit organisatorischen und logistischen Schwierigkeiten, die plötzlich auftreten können. Im Gebet können wir allfällige Widerstände gegen unser Wirken überwinden, seien das Anfeindungen von Menschen, seien es Versorgungsengpässe oder sei es «nur» der sprichwörtliche innere Schweinehund, der am liebsten auf der faulen Haut liegen will.

Was sagte Jesus zu seinen Jüngern? Vielleicht «Gut gemacht! Und nun geht wieder hinaus, predigt und wirkt weiter»? Nein. Viel mehr sagte er ihnen, sie sollten allein an eine einsame Stätte gehen und ein wenig ruhen. Er sah, dass sie müde waren. Und bestimmt wollte er ihnen auch Zeit geben, das Erlebte geistlich zu verdauen. Was Jesus will, ist nicht blinder Aktionismus. Es ist nicht wie in der Welt, die uns sagt: Leistest du nichts, bist du nichts. Viel mehr hat alles seine Zeit beim HERRN, das Wirken wie das Ruhen. Wenn wir erschöpft sind, brauchen wir Kraft zu tanken, und eine wie grosse Kraftquelle finden wir in der tiefen Gemeinschaft mit Gott und Jesus! In Matthäus 11,28 spricht der Christus: «Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.» Diese Erquickung besteht darin, Lasten loslassen, Geborgenheit bei Jesus zu finden, sich durch sein Wort ermutigen und beglücken zu lassen. So wie wir in meinem Arbeitsteam es neulich gemacht haben. Wir hielten inne in unseren Aktivitäten und lasen zusammen das Kapitel 8 des Römerbriefs. Und waren beeindruckt von der Kraft, der Liebe und der Reichhaltigkeit, die von diesen Worten ausgingen. Wir bekamen wirksam wieder auf den Schirm, dass wir Gottes Kinder sind und dass es nichts gibt, was die Liebe Jesu auslöschen oder uns, die wir in Christus sind, in die Verdammnis bringen kann… Jesu Jünger waren ganz glücklich über die Aussicht auf Ruhe. Doch dann passierte etwas, das ihre Pläne durchkreuzte. Als sie wegfuhren, blieben sie nicht unbeobachtet. Jesus schirmte sich mit seinen Jüngern nie ab, auch wenn ihn von Herzen danach verlangte, Zeit mit ihnen alleine zu verbringen. Erst beim Abendmahl sorgte er dafür, dass er mit den Zwölf ungestört war. Und so kam es; lesen wir zusammen den Vers 33: «Und man sah sie wegfahren, und viele hörten es und liefen aus allen Städten zu Fuss dorthin zusammen und kamen ihnen zuvor.» Au Backe! Schluss mit der Ruhe, bevor diese überhaupt begonnen hatte. Die Jünger mussten die Anwesenheit der vielen Menschen als störend empfunden haben. Sie hatten sich ihre Ruhe doch verdient, oder? Das ist ein typisch menschliches Denken. Es entspricht eher dem eines Mietlings als dem eines Hirten. Es ist die Haltung, die es in den Jobs überall gibt: Ich arbeite bis dann und dann, und nachher ist Feierabend, basta. Aber Jesus dachte anders. Seine Zeit, die er uns widmet, ist nicht begrenzt. Egal wie müde er war, wenn er noch etwas auszurichten hatte, dann tat er es. Ja, seine Liebe zu uns ist vollkommen unlimitiert, und egal zu welcher Zeit oder Unzeit wir zu ihm kommen, er hat immer ein offenes Ohr für uns. Nun könnten wir sagen: Er war ja auch göttlicher Natur, darum konnte er leisten, was normale Menschen nicht leisten können. Das war aber nicht der Hauptgrund für seine Kraft. Das Geheimnis seiner grossen Energie liegt darin, dass er sich diese vom HERRN geben liess. Und auch wir können in der tiefen Gemeinschaft mit Gott und Jesus diese Kraftquelle anzapfen. Dann werden uns ganz erstaunliche Dinge möglich. Ich denke hier beispielsweise an meinen Chef, den Missionswerkleiter. Er wird diesen Sommer 80 Jahre alt und arbeitet noch immer weit über 100%, und Ferien sind für ihn ein Fremdwort. Echt beeindruckend! – Jesus sah auf die Menge. Für sie waren sie alles andere als Störfaktoren. Er empfand Störungen nicht als solche, sondern er liess sich von dem, was unter seine Hände kam, den Tag gestalten. Seine Zeit hatte er seinem himmlischen Vater in die Hände gegeben, und so nahm er das Geschehen auch als Gottes Plan an. Wie sah Jeus die Leute bei ihm? Lesen wir gemeinsam den Vers 34: «Und Jesus stieg aus und sah die grosse Menge; und sie jammerten ihn, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er fing eine lange Predigt an.» Jesus hatte tief empfundenes Mitleid mit diesen Personen. Denn er liebte jede einzelne von ganzem Herzen. Ja, seine unermüdliche Kraft stammt auch aus seiner Liebe. Die Menschen, die er vor sich hatte, brauchten eine klare Orientierung in ihrem täglichen Leben. Sie brauchten einen Erlöser aus ihren Sünden, und den hatten sie nun direkt vor sich. Sie hatten Hunger nach dem wahren Leben und nach echter, bedingungsloser Liebe. Das alles gab ihnen Jesus. Dazu nahm er sich alle Zeit, die es benötigte, um zum Volk zu reden. Nichts war und ist ihm zu schade, es hinzugeben für uns sündige Menschenkinder, noch nicht einmal sein eigenes Leben!

Je nachdem, ob wir sie weltlich oder geistlich betrachten, sehen wir die Menschen in unserem Umfeld völlig anders. Als ich vor einigen Jahren an der Uni Studierende zum Bibelstudium einlud, sprach ich mit einer Studentin. Diese gab zuerst normal Antwort auf meine Fragen, sagte aber nach ein paar von diesen: «Willst du mich interviewen?» In ihrer Stimme lag unverhohlener Spott. Da ich in meiner Schulzeit gemobbt wurde und viel Spott ertragen musste, reagiere ich auf solchen normalerweise überempfindlich. Ja, der Spott dieser Studentin machte etwas mit mir. Aber ich war davon nicht, wie ich das früher gewesen wäre, verletzt oder wütend. Stattdessen empfand ich Schmerz. Diese junge Frau sah so hoffnungsvoll aus, aber in ihr war eine Geröllwüste von elender Gottesferne! Das brachte mich zur innigen Fürbitte für sie auf dem Weg von der Uni nach Hause. Nicht ich habe mich so entwickelt oder aus mir selbst gelernt, richtig auf Spott zu reagieren. Nein, das ist Gottes Finger und sein genuines Werk. Ich bete, dass ich mich immer mit Jesu Liebe ausrüsten kann, egal in welcher Situation und Lebenslage.

Teil 2: Wie viele Brote habt ihr? (Verse 35-44)

Jesu Predigt zog sich über Stunden hin. Alle harrten geduldig aus. Viele hörten Jesus mit grösster Aufmerksamkeit zu und saugten seine Lehre förmlich ein. Wie ein Suchtmittel, aber ein ganz wohltuendes. Sicher fanden auch Jesu Jünger die Rede ihres Rabbis wunderschön. Aber mit der Zeit wurden sie müde und hungrig. So ging es bestimmt auch der Menschenmenge, überlegten sie. Und so gingen sie zu Jesus und machten ihm einen vernünftigen Vorschlag: «Die Stätte ist einsam, und der Tag ist fast vergangen; lass sie gehen, damit sie in die Höfe und Dörfer ringsum gehen und sich etwas zu essen kaufen.» Damit wäre für alle gesorgt gewesen. Jesu Jünger würden zur Ruhe kommen und die Leute würden Essen und Herberge finden. Auch dies sind menschliche Überlegungen und menschliche Klugheit. Bestimmt dachten Jesu Jünger, dass ihr Meister ihnen nun einfach zustimmen müsse. Ja, Jesus wusste, dass das Volk Essen brauchte. Aber seine Antwort an seine Jünger fiel für diese ganz überraschend aus. Er sagte: «Gebt ihr ihnen zu essen!» Ein kleiner Schock, wie ein kleiner Stromschlag. Sofort setzte sich die Gedanken-Maschinerie in den Jüngern in Gang. Was wollte Jesus von ihnen? Wie sollte das gehen, diese Tausende von Menschen zu speisen? Eigentlich kannten sie Jesus schon und wussten, dass er sie hier nicht einfach in eine Falle tappen liess oder das Unmögliche von ihnen verlangte. Wenn der HERR uns mit etwas Unerwartetem beauftragt oder uns in eine Herausforderung führt, heisst das, dass er etwas mit uns vorhat. Er will uns trainieren, und er will uns auf seine Lösung bringen, nach seiner Führung. – Die Reaktion von Jesu Jüngern auf diese Aufforderung zeigte, was in ihrem Inneren vorging. Da war Erstaunen, fast schon Fassungslosigkeit, aber auch Eifer und Berechnungen. Sie rechneten Jesus vor, wie viel es kosten würde, Brot für eine solche Menge Leute zu kaufen. Das konnte Jesus doch nicht meinen, oder? Jesus merkte, dass seine Jünger bei ihrer Suche nach einer Lösung im Dunkeln tappten. Sie sahen offenbar auf das, was sie nicht hatten. Dahingegen sieht Jesus und sieht die geistliche Betrachtung der Dinge auf das, was schon vorhanden ist. Jesus half seinen Jüngern auf die Sprünge. Und bezog sie nun aktiv ein in das grosse Werk, das er für die Menge tun wollte. Er fragte sie: «Wie viele Brote habt ihr?» Und forderte sie auf: «Geht hin und seht nach!» Die Essensvorräte, die sie schliesslich fanden, waren fünf Brote und zwei Fische. Hier ist zwar nicht überliefert, was die Jünger dachten, aber wir wissen aus Parallelworten, dass sie sich überlegten: Das ist doch ein Tropfen auf den heissen Stein, das reicht nirgendwo hin! Andere unter den Jüngern waren sicher auch gespannt, was Jesus nun tun würde. Zuerst gebot er ihnen, dass sie sich alle lagerten, und das tischweise. Etwas Solches tut man nur, wenn es Essen für alle gibt. Der Ausdruck ‘tischweise’ antizipiert die Speisung. Für Jesus war diese Situation aufgeladen mit Hoffnung und Erwartung. Was Gott plant und verheisst, das sieht er bereits so, als wäre es schon eingetroffen… Mit den Fünfziger- und Hundertergruppen hatte man eine genügende Übersicht über die grosse Menge Leute. So war es logistisch wesentlich einfacher, allen Essen zu bringen. Bevor dies geschah, wandte sich Jesus an Gott. Lesen wir zusammen den Vers 41: «Und er nahm die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel, dankte und brach die Brote und gab sie den Jüngern, dass sie sie ihnen austeilten, und die zwei Fische teilte er unter sie alle.» Es fällt auf, dass Jesus hier für die fünf Brote und zwei Fische dankte. Das Wenige, das seine Jünger zu ihm gebracht hatten, sah er als extrem kostbar an. Nicht nur kann der HERR mit wenigem vieles bewirken. Sondern er ist auch überaus dankbar für das Wenige, das wir ihm bringen. Unsere ‘fünf Brote und zwei Fische’ genügen; wir müssen nichts Grossartiges und schon gar nicht erst Unmenschliches leisten. Wichtig ist nur, dass wir dem HERRN vertrauensvoll geben, was wir haben. Vergessen wir den Negativ-Bias, den Fokus auf was wir nicht haben. Auf die 200 Silbergroschen ist der HERR nicht angewiesen, um zu wirken. Schauen wir auch nicht auf das, was uns geistlich noch fehlt. Denn unser aktuelles Glaubenslevel genügt, damit wir die uns anvertrauten Aufgaben für Gottes Werk erfüllen können. Beim Tun dieser Aufgaben wachsen wir und es wächst auch unser Glaube. Und so bekommen wir immer mehr Brote und Fische und können immer mehr Menschen geistlich satt machen. Wir bringen Jesus unsere Fünf Brote und zwei Fische. Und wir sind selber fünf Brote und zwei Fische. Wir sind klein, unvollkommen und unzulänglich. Und doch sieht uns der HERR als unendlich wertvoll und kostbar an. Er ist für uns so dankbar, einfach für das, was wir sind. Er sieht unser Potenzial, ganz wie Landwirte, die winzige Samenkörner aufs Feld streuen im Wissen, dass sie davon eine ganz reichliche Ernte haben werden. Die Haltung der Dankbarkeit unabhängig von den äusserlichen Bedingungen können wir von Jesus lernen. Als Kinder haben uns unsere Eltern vielleicht gesagt, wenn wir Danke sagen sollten: «Na, wie heisst das Zauberwort?» Dankbarkeit ist kein Zauber, aber kann wie ein magischer Schlüssel wirken. Auf einmal gehen unsere Herzen und Augen auf und wir betrachten die Welt schon fast ganz so, wie Gott und Jesus sie sehen.

Jesus brach das Brot und die Jünger verteilten die Brotbrocken. Eine gute Arbeitsteilung. Die Jünger nahmen dadurch mit ihren Augen und mit ihrem Tastsinn das Wunder wahr, das sich in dem Moment unter ihnen abspielte. Die Brote wurden einfach nicht weniger, die Fische auch nicht! Schon wieder waren Brot und Fisch für 50 Menschen an einem Tisch ausgeteilt, und Jesus hatte noch immer alle fünf Brote bei sich, das erste davon lag angefangen in seiner Hand. Und noch ein Tisch, diesmal einer mit 100 Personen, wurde bedient und alle Leute bekamen eine grosszügige Portion Essen. Bis schliesslich auch noch die Menschen am letzten Tisch bedient wurden, ganz hinten, gegen den Hügel zu. Und das Brot und die Fische waren noch immer nicht aufgebraucht! Alle Anwesenden wurden satt. Das waren 5000 Männer, dazu Frauen und Kinder. Also weit über 10’000 Menschen. Das ist beeindruckend, wenn wir uns das vor Augen führen: Von einem grösseren Laib Brot werden zwei, höchstens drei Menschen satt, und um von Fisch satt zu werden, braucht eine Person mehrere Fische. Hier hatte sich die Menge Brot mehr als verfünftausendfacht und die Menge der Fische hat sich sogar noch mehr vervielfältigt. Geht man von einer Länge von 50 Zentimetern für ein Brot aus, so würden 5000 Laibe Brot, aneinandergelegt, eine Länge von 2,5 Kilometern haben. Kilometerweise Brot, so viel hätten alle Bäckereien in allen zu Fuss erreichbaren Dörfern niemals gehabt. Aber bei Jesus ist es so: Er gibt uns Gutes im absoluten Überfluss. Wir bitten ihn um etwas und er gibt uns das, aber noch viel mehr dazu. Johannes 3,34 besagt: «Denn der, den Gott gesandt hat, redet Gottes Worte; denn Gott gibt den Geist ohne Mass.» Nichts ist limitiert beim HERRN, und er berechnet nicht. Vertrauen wir darauf und erleben wir, dass das stimmt!

Lesen wir gemeinsam den Vers 43: «Und sie sammelten die Brocken auf, zwölf Körbe voll, und von den Fischen.» Als sich alle am Brot und an den Fischen sattgegessen hatten, hatten die Jünger noch nicht ganz Feierabend. Es galt, die verbliebenen Brote und Fische aufzusammeln und für die nächste Mahlzeit aufzubewahren. Noch einmal wurden sich die Zwölf der Grösse des geschehenen Wunders bewusst, als sie dies taten. Ganze zwölf Körbe von Brotbrocken waren es, die sie von den Resten noch zusammenbekamen, dazu noch einigen Fisch! Auch wir bekommen ein Bewusstsein von Gottes Grösse und Gnade, wenn wir die geistlichen Brotbrocken, die wir bekommen haben, aufsammeln. Also wenn wir ein Wort Gottes, das uns wohlgetan und geholfen hat, nachlesen oder, im idealen Fall, auswendig lernen. Dann können wir in der Lage, in der es uns schon Trost und Hilfe gegeben hat, wieder abrufen. Auch sind wir Menschen sehr vergesslich, wenn es um Gottes Wahrheit geht. Darum brauchen wir die Stimme des HERRN durch sein Wort immer wieder zu hören. Sonst würden wir uns zu viel anhören, was die Welt uns sagt, und mit der Zeit den Stimmen der Welt glauben und nicht derjenigen des HERRN. Damit würden wir den Negativfokus wieder bekommen und, noch schlimmer, Gottes und Jesu Gnade vergessen. Wir würden uns selbst wieder so sehen, wie wir uns gesehen hatten, bevor der HERR uns eines Besseren belehrt hatte. Die Welt sagt uns, dass wir nicht genügen, und dass wir nichts sind, wenn wir nichts leisten. Jesus sagt uns dagegen, dass das, was wir mit Dankbarkeit und Vertrauen zu ihm bringen, genug ist. Er liebt uns ganz genau so, wie wir sind, und wir müssen dafür gar nichts leisten. Wie Römer 5,8 sagt: «Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.» Und doch will er, dass wir etwas tun für sein Werk. Damit will er uns nicht belasten, sondern viel mehr unser Leben reich machen. Wie viel mehr Erfüllung gibt es uns, als ‘Menschenfischer’ für Gottes Werk unterwegs zu sein, als es uns gibt, als ‘Fischer’ nur für uns selbst und unser eigenes Wohlergehen zu leben! Unsere Komfortzone ist stark und es ist auch keine Sünde, eine Weile in ihr zu bleiben. Aber wer die Komfortzone nicht verlässt, kann auch nicht erleben, was sich ausserhalb von ihr befindet: Abenteuer, spannende Herausforderungen, Wachsen und Lernen. Weil wir beim Hinausgehen und für Jesus Wirken unsere Errettung festigen und auch andere zur Errettung führen, kann man sagen, dass sich ausserhalb der Komfortzone schon Himmel befindet. Eine Vorschau auf das Himmelreich. Jesus liebt es, uns solche Himmlischkeiten zu geben, auch in der tiefen Gemeinschaft mit ihm. Diese brauchen wir, um aufzutanken, gerade wenn wir ein anstrengendes Werk getan haben. Beispielsweise sind wir an die Uni gegangen und von den vielen angesprochenen Studis haben alle unsere Einladung zum Bibelstudium mehr oder weniger freundlich abgelehnt. Oder wir haben mit einem nicht gläubigen Verwandten ein Gespräch über das Evangelium geführt, wobei unser Gegenüber immer zwischen Skepsis und Interesse, Empörung und Freundlichkeit geschwankt hat. Oder wir haben gerade einem Menschen zugehört, der uns brauchte, der aber keinen einfachen Charakter hat. Es gibt Leute, die schaffen es irgendwie, einem innert kürzester Zeit ganz viel Energie abzuschöpfen. Auch sie sind geliebt von Jesus und somit liebenswert! An schwierigen Menschen lernen wir Liebe und Geduld. Ja, Liebe ist etwas, das nicht von sich aus kommt oder das in begrenztem Mass vorhanden ist. Nein, sie wird mehr, wenn man sie teilt und ausübt. Öffnen wir unsere Herzen ganz für die Liebe, die Jesus für uns hat, sodass wir diese auch an andere weiterfliessen lassen können. Wir lieben die Liebe, und wir lieben das Lieben. Vertrauen wir auf Jesus, der uns zwar Challenges gibt, aber uns auch hilft, diese zu meistern. Wenn wir nicht auf eine Lösung kommen, suchen wir sie nicht in eigenen Berechnungen, sondern in Gottes Wort und im Gebet. Dann bekommen wir Orientierung und Anweisungen. Schauen wir auf das, was schon vorhanden ist. Der Satan flüstert uns gerne ein: «Du taugst nichts für Gottes Werk! Du hast noch diese und diese Sünde, so etwas hat ein richtiger Christ nicht. Pfui!» Hören wir nicht darauf, sondern schauen wir auf Jesus, der uns schon mit Gott ausgesöhnt hat. Er wird uns helfen, die Sünden nicht mehr zu begehen, die wir aktuell noch tun. Er ist ja auch nicht gekommen, um die Gerechten zu rufen, sondern die Sünder. Lassen wir uns durch seine Güte zur Busse leiten, immer wieder. Ich bete, dass uns der HERR mit seinem Wort und seiner Liebe tief berührt und uns die grosse Freude ins Herz gibt, die die Welt nicht gibt. Möge er seinen Heiligen Geist auf uns ausgiessen und sein Licht hell in unseren Herzen und Leben aufstrahlen lassen. Es ist gewiss, dass er uns leiten wird, und er ist auch dann da und am Wirken, wenn wir das gerade nicht fühlen. Wir müssen wissen, dass er uns unendlich liebt, mit einer Liebe, die unser Vorstellungsvermögen himmelweit übersteigt. Ich bete, dass er unsere geistlichen Sinne öffnet, sodass wir dies auch wahrnehmen können. Dann ist überirdische Freude in unseren Herzen, und wir gehen beseelt hinaus, um anderen von seiner Gnade und Liebe zu erzählen. Das wird dann garantiert passieren.

Lesen wir zum Schluss nochmals zusammen den Leitvers, Vers 37b: «Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen!»