Markus 6,1-29
Guten Morgen! Es ist ein Segen und eine echte Freude, wieder hier zum Gottesdienst versammelt zu sein. Der Frühling hat sich etabliert. Wir haben vor nicht langer Zeit eine wunderschöne Osterfeier hier gehabt. Unser Kreis hier hat Zuwachs bekommen durch Lana. Es ist herrlich, sie hier zu haben. Der HERR ist deutlich spürbar am Werk unter uns. Mir gibt das grosse Ermutigung. Denn noch lange nicht überall geht es so zu. Wir sehen an vielen Orten, wie die Gläubigen immer weniger werden. In vielen Ländern und Gebieten der Welt werden Christen verfolgt. Es gibt viele Krisen und Kriege. Und dort, wo es den Leuten gutgeht, nimmt der Atheismus überhand. Wie wohltuend es ist, zu wissen, dass Gott immer seine Menschen übriglässt, zu jeder Zeit, in jeder Generation! Mit einem Klima von Unglauben, ja, von Bosheit, waren auch schon die Jünger der allerersten Stunde konfrontiert. Und natürlich auch Jesus. Eine äusserst schmerzhafte Sache für ihn. Wie er damit umging, das wollen wir heute näher betrachten.
Lesen wir gemeinsam den Titel meiner Botschaft: «Jesus sandte die Zwölf aus.» Und lesen wir zusammen den Leitvers, Vers 7:
Und er rief die Zwölf zu sich und fing an, sie auszusenden je zwei und zwei, und gab ihnen Macht über die unreinen Geister.
Markus 6,7
Manchmal geht es uns ein bisschen wie dem Wandersmann, von dem ich euch hier die Geschichte erzählen möchte. John hatte keine feste Bleibe. Aber er war sowieso am liebsten draussen, vor allem in der Natur. Er hatte immer seinen Rucksack dabei. Und in diesem sammelten sich mit der Zeit verschiedene Gegenstände an. Nicht alle davon hätte John noch gebraucht, nur konnte er so schwer etwas wegtun. Und so wurde sein Rucksack immer schwerer. Und begann bald, ihm die Schultern hinunter zu ziehen, was ihm sein Rücken übelnahm: Er schmerzte. Auf der Suche nach einer Sitzgelegenheit, um den Rücken durchzustrecken, durchquerte John am Stadtrand eine öde Betonwüste. Er erschrak: Wuchs denn hier überhaupt nichts Grünes? Das war sich John gar nicht gewöhnt und er wurde traurig. Als er endlich wieder Natur sah, ruhte er sich auf einer Bank aus. Da kam eine wunderschöne helle Taube zu ihm und guckte ihn an, als würde sie um Essen betteln. John kam es in den Sinn: Sein Brot, das er für Hungerzeiten aufbewahrt hatte! Dieses war längst trocken geworden. Er überwand sich und verfütterte der Taube und ein paar Spatzen das Brot. Nur wenig später stiess er auf einen menschlichen Bettler: einen ausgehungerten jungen Mann. Dem geht es noch schlechter als mir, dachte John. Er konnte ihm nur die paar Münzen geben, die er selber einmal in einer glücklichen Zeit gesammelt hatte. Aber die gab er ihm, auch wenn es ihn Überwindung kostete. Nicht viel später sah John, wie Kinder für eine Spendenaktion Kleider zusammentrugen. Man konnte gut erhaltene Kleider spenden. John war gerührt. Er kramte in seinem Rucksack und gab einen noch ungetragenen Pullover. Der war ihm zwei Nummern zu klein und doch hatte er ihn monatelang mit sich herumgetragen. Noch ein paar weitere solche Ereignisse gab es. Johns Rucksack wurde immer leichter, sein Herz ebenfalls. Hatte er es bis dahin tunlichst vermieden, wieder durch jene Betonwüste zu gehen, so führte ihn einmal der Weg unweigerlich wieder dort hindurch. Und John wunderte sich mächtig: Wie viel zartes Grün aus gefühlt jeder Ritze und hinter jeder Betonsäule wuchs! Und sogar ein paar Blumen gab es. Wie hatte er all das übersehen können?
Manchmal müssen wir unseren Ballast ablegen. Die Scheuklappen, wenn wir denken, dass es in der Welt nur noch Ungerechtigkeit und Lügen gäbe. Und vor allem immer wieder: unsere Sünden. Wir dürfen diese bei Jesus am Kreuz deponieren. Das ist seine unendliche Gnade. So wird unser Herz frei zum für ihn Wirken. Trotz und gerade wegen der sündigen, ungerechten Welt.
Teil 1: Sich verwundern (Verse 1-6)
Nach seinem grossartigen Wirken in der Gegend des Galiläischen Meers besuchte Jesus seine Heimatstadt Nazareth. Seine Jünger kamen mit ihm, bestimmt gespannt darauf, was sie dort mit ihm erleben würden. Jesu Vaterstadt war aber eine ganz andere Umgebung als Galiläa oder sogar das heidnische Gerasa. Die Menschen reagierten anders auf Jesus, ihr Herz war viel weniger offen. Oder sagen wir, viel wetterwendischer. Lesen wir zusammen den Vers 2: «Und als der Sabbat kam, fing er an zu lehren in der Synagoge. Und viele, die zuhörten, verwunderten sich und sprachen: Woher hat er dies? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Und solche Taten geschehen durch seine Hände?» Gegen eine solche Bewunderung ist nichts einzuwenden. Ein Fenster war im Herzen der Menschen von Nazareth aufgegangen. Wäre es doch geöffnet geblieben! Es war offenkundig, dass Jesus jemand ganz Besonderer war. Seine Worte und seine Taten zeugten davon. Es lag etwas in seinen Worten, das in den Lehren der Schriftgelehrten fehlte: eine Vollmacht, eine Verbindung mit etwas Höherem. Echtes Herzblut, berührende und tiefsinnige Worte. Und eigentlich konnten die Leute stolz darauf sein, dass ein so grosser Wundertäter aus ihrer Stadt kam. Auch wir finden es bisweilen toll, wenn berühmte Personen aus unserem Heimatort kommen. Und doch: Die Bewunderung, die die Menschen hier Jesus entgegenbrachten, war eine rein menschliche. Und dementsprechend flüchtig. Es blieb nicht bei den positiven Gedanken über Jesus, sondern die Stimmung schlug wie aus dem Nichts um. Vielleicht hatten die Leute genauer hingehört und gemerkt: Jesus wollte ihnen in ihr Leben dreinreden. Er deckte ihre Sünden auf, er rüttelte auf, er mobilisierte und aktivierte. Und das wollten sie nicht. Dann hörten sie lieber bequem auf die Lehren der geistlichen Oberen, die einfach nur sagten, was man tun sollte und was nicht. Wie ein Gesetzbuch, das man liest, um zu sehen, welche Dinge erlaubt sind und für welche man was für Strafen bekommt. Hätten diese Menschen Jesus unvoreingenommen zugehört, hätten sie sich sehr gefreut. Sie hätten seine Liebe verstanden und Hoffnung auf ein wahrhaftes, in die Ewigkeit gehendes Leben geschöpft. Sie hätten die Gesetze und Morallehren der Pharisäer und Schriftgelehrten als lieblos empfunden und sich lieber Jesus und seiner authentischen Strahlkraft zugewandt. Da war einer, der lebte, was er lehrte! Aber genau diese Unvoreingenommenheit fehlte der Zuhörerschaft. Sie kannten Jesus als Menschen unter ihnen. Als einfachen Handwerker, als Zimmermann. Ein so unbedeutender Mann konnte in ihren Vorstellungen kein Heiliger sein. Nicht nur das: Jesus war für sie klar der Sohn Marias, aber war Josef sein leiblicher Vater? Da gab es Zweifel. Denn die Leute konnten sich auch nicht denken, dass Jesus die Frucht des Heiligen Geistes war. Je mehr sie über Jesus und seine Familie nachdachten, desto mehr begannen sie sich über Jesus zu ärgern. Sie überlegten sich, dass Jesus sich selbst zu Gott machen würde, obwohl er ein so einfacher Mensch war. Was für eine Ignoranz gegenüber Jesu liebender Demut! Jesus war nicht enttäuscht über alle diese negativen Reaktionen. Er fand sie logisch und bezeugte: «Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland und bei seinen Verwandten und in seinem Hause.» Das kann auch heute noch sein: dass Menschen, die neu Jesus nachfolgen, bei ihren eigenen Verwandten und in ihrem Freundeskreis auf Ablehnung stossen. Es ist befremdlich, wenn man erlebt, wie jemand die alten sündigen Dinge nicht mehr mitmacht. Eine Spassbremse, wer nicht mehr auf die ausschweifenden Partys geht. Ein Ärgernis, wer über sexuelle Sünden erzählt, wo man doch tolerant sein und den anderen ihren Willen lassen sollte. Ein Heuchler, der anderen sagt, was sie verkehrt machen, und wer weiss, was diese Person heimlich selber verkehrt macht? So denkt die Welt. Aber wir können die weltlich denkenden Familienmitglieder und Freunde / Freundinnen auch umstimmen. Sie sind unser erstes Missionsfeld. Wir stimmen sie um und gewinnen sie für Jesus, indem wir ihnen Jesu Liebe und Lehre vorleben. So entdecken sie, dass wir etwas haben, das sie nicht haben. Sie werden neugierig auf das Geheimnis unserer tiefen Zufriedenheit. Sie lieben es, geliebt, beachtet und wertgeschätzt zu werden. Einige werden so zu Jesus finden. – Die Menschen in Nazareth allerdings waren nicht neugierig auf das, was hinter Jesu Worten steckte. Zumindest noch nicht; Jesu Familie würde später verstehen. Der Christus fand keinen Platz, keinen Spielraum bei ihnen. Lesen wir gemeinsam die Verse 5 und 6: «Und er konnte dort nicht eine einzige Tat tun, ausser dass er wenigen Kranken die Hände auflegte und sie heilte. Und er wunderte sich über ihren Unglauben. Und er zog rings umher in die Dörfer und lehrte.» Jesus hatte alle Macht, als Heiland zu wirken. Er hatte einen von Hunderten Dämonen besessenen Gerasener geheilt. Er hatte sogar ein totes Mädchen auferweckt! Aber hier fehlte eines für diese Wirkung: der Glaube der Leute. Eine noch so gute Predigt setzt nichts um, wenn sie nur auf ein passives Publikum stösst, in dem sich niemand für die Umsetzung des Gehörten im eigenen Leben interessiert. Da kann der Pfarrer vorne erzählen, was er will, die Leute sind in ihren Gedanken schon beim Kochen, beim Mittagessen oder beim Schwatz mit anderen Kirchenbesucherinnen nach dem Gottesdienst. Ein Medikament wirkt viel weniger, wenn man denkt, dass es nichts nützt. Sogar dort bräuchte es gewissermassen Glauben an die Wirkung. Die Leute von Nazareth vertrauten Jesu Kraft nicht, ausser wenige Kranke. Diese erkannten sich selbst als hilfsbedürftig, legten ihren Stolz ab und kamen, entgegen dem Mainstream der Stadt, zu Jesus. Denen konnte Jesus helfen, und wie gerne er das tat! Über den Unglauben der grossen Mehrheit konnte sich der Christus nur wundern. So wie er sich sicher auch wundert, wenn er in mein Herz blickt. Wie leicht vergesse ich, was er für mich getan hat, und benehme mich wie eine fleischliche Person, die den HERRN nicht hat! Dafür will ich Busse tun. Und: Jesus gibt mich nicht auf. Jesus gab auch die Menschen nicht auf, zu denen er redete. Wenn man ihn nicht annahm, war das keinerlei Grund für ihn, entmutigt zu sein. Er ging einfach weiter und lehrte am nächsten Ort. Kehrte auch mal wieder an Orte zurück, wo er Unglauben gefunden hatte. Auch wir geben Gottes Wort weiter, ob es nun auf offene Ohren stösst oder nicht. Ablehnung ist etwas völlig Normales. Wenn wir Menschen fischen, geht es nicht darum, wer die volleren Netze hat. Erfolgsdenken ist da fehl am Platze. Viel mehr geht es darum, dass wir überhaupt den Samen des Evangeliums in Menschen säen. Das hat jemand unter uns effektiv erfahren und gelernt. Und so will ich es auch für mich annehmen. Ja, Gottes Wort kommt nicht leer zum HERRN zurück, sondern richtet aus, was Gott damit im Sinn hat!
Teil 2: Die Aussendung der Zwölf (Verse 7-13)
Jesus sah, dass diejenigen Menschen, die eigentlich hätten Hirten für das Volk sein müssen, ihre Aufgabe nicht wahrnahmen. Die geistlichen Oberen wollten nichts von Liebe und Demut wissen. Es ging ihnen beim Lehren nur um sich selbst und um ihr Ansehen als geistliche Instanz. Da musste es einen anderen Ausweg geben! Jesus gab nicht auf. Er betete. Und fand die Lösung: Er sandte zwölf seiner Jünger aus, damit sie diese Hirten sein konnten! Zwölf Menschen ohne Ansehen und theologische Ausbildung, unzulänglich, geistlich unreif. Aber dafür volksnah und authentisch wie Jesus. Zwölf, das scheint uns wenig. Aber wenn wir bedenken, wie viel ein einzelner Mensch für Gottes Werk tun kann – ich habe hier vor allem Paulus vor Augen – dann sind zwölf doch viele! Es ist Jesu Art, einen einzelnen Menschen überaus kostbar zu gebrauchen. Auch dich, auch mich. Gottes Möglichkeiten sind unendlich. Ein Mensch und Gottes Möglichkeiten, das gibt unbeschränkte Möglichkeiten. Einmal unendlich ist gleich unendlich. Das ist die göttliche Mathematik. Verzagen wir also nicht angesichts unserer Grenzen. Der HERR ergänzt uns überall dort, wo wir unvollkommen sind! Wir wachsen an den Aufgaben, die er uns gibt, und lernen dabei ganz Wertvolles. Ganz genau so ging es auch seinen Jüngern, als er sie aussandte. Es war eine beschränkte Mission mit ihrer spezifischen Vorgehensstrategie. Und doch lehrte sie die Jünger fürs Leben. Lesen wir zusammen den Vers 7: «Und er rief die Zwölf zu sich und fing an, sie auszusenden je zwei und zwei, und gab ihnen Macht über die unreinen Geister». Damit waren die Zwölf mit dem Wichtigsten ausgestattet. Sie hatten Jesu Vollmacht zum Wirken! Sie waren zu zweit, um sich gegenseitig ermutigen und motivieren zu können. Denn sie würden auf viel Ablehnung stossen. Bis dahin war nur ihr Rabbi, Jesus, abgelehnt worden; selbst negative Reaktionen zu erfahren, war nochmals etwas anderes. Zu zweit konnten sie sich auch gegen Angriffe wehren; gefährliche Tiere konnten sie zudem mit dem Stock abwehren. Schuhe an den Füssen verhinderten, dass sie auf Schlangen oder andere potenziell tödliche Tiere traten. Jesus sendet uns aus, aber das heisst nicht, dass wir uns unnötig in Gefahren bringen sollen. Versuchen wir den HERRN da nicht. Viel mehr vertrauen wir auf Gottes Schutz während unserer Mission. Und lernen auch, auf seine Versorgung zu vertrauen, wie hier die Zwölf. Lesen wir zusammen den Vers 8: «und gebot ihnen, nichts mitzunehmen auf den Weg als allein einen Stab, kein Brot, keine Tasche, kein Geld im Gürtel». Sie würden vor Ort auf die Gastfreundschaft der Menschen angewiesen sein. Es brauchte schon ziemlich viel Gottvertrauen, gar nichts mitzunehmen. Mich erinnert das an die mittellose Witwe, die mit dem Scherflein ihr ganzes Geld in den Gotteskasten legte. Der HERR versorgte sie dennoch und für Jesus war sie eine Glaubensheldin. Ihre Tat war für ihn nicht unvernünftig, da festes Gottvertrauen nicht unvernünftig ist. Im Gegenteil, ein sich Jesus anvertrauendes, hingebendes Leben ist unser vernünftiger Gottesdienst, was auch Römer 12,1 sagt… Zu dem mit dem Kein-Geld-Mitnehmen habe ich beim Bibelstudium eine interessante kleine Episode gehört. Da war ein Missionsteam, das Geld mitnahm für seinen Evangelisierungseinsatz. Dabei überlegten sie, wie sie dieses Geld einsetzen konnten. Etwa für gute Unterkünfte, in denen ihnen wohl war. Doch dann stahlen Diebe ihr ganzes Geld. Das brachte sie viel mehr dazu, tiefgehend zu beten. Sie waren nun ganz auf den HERRN angewiesen! Und, so viel ich weiss, sorgte Gott für alles, was sie brauchten, um ihren Missionseinsatz dennoch auszuüben. – Weiter sollten die Jünger nicht zwei Hemden mitnehmen. Sie kamen, wie sie waren, in Demut. So fühlten sich auch die Menschen abgeholt und angesprochen, die selber nichts hatten. Jesus kam selber auch als mittellos und demütig zu uns. Er erniedrigte sich für uns auch in die geistliche Armut, in Schmerz und Not, sodass wir wissen: Wir können nie so tief fallen, dass er uns nicht wieder auffangen und hochtragen könnte. Jesu Jünger lernten dieses Abholen der Leute, wo sie waren. Sie lebten Jesu Lehre praktisch. Dazu gehörte auch, dass sie dort, wo man sie aufnahm, blieben. Sie liessen sich genügen an dem, was man ihnen in einem Haus an Essen, Trinken, Schlafgelegenheit und Komfort bot. So verschwendeten sie auch nicht ihre Zeit damit, nach einer besseren Herberge mit mehr Bequemlichkeit zu suchen. Sie nahmen also, was man ihnen gab. Und wenn man sie gar nicht aufnahm? Auch dafür gab Jesus ihnen eine wertvolle Anweisung; lesen wir zusammen den Vers 11: «Und wo man euch nicht aufnimmt und euch nicht hört, da geht hinaus und schüttelt den Staub von euren Füssen, ihnen zum Zeugnis.» Auch da sollten sie Zeit und Energie nicht verschwenden. Sie brauchten keine Überzeugungsarbeit zu leisten, wo das eh nichts nützte. Sie hätten da Perlen vor die Säue geworfen. So wie der HERR niemanden dazu zwingt, sein Wort anzunehmen, so üben auch wir keinerlei Zwang aus auf diejenigen, denen wir das Wort weitergeben. Jesu Jünger schüttelten den Staub von ihren Füssen. Der zeugte gegen die Ablehnenden. Es brachte diesen Leuten keinen Segen, sich gegenüber Gottes Wort zu verschliessen. Manche reagierten sicher auch beleidigend oder spöttisch auf die Jünger. Das sollten sich die Zwölf nicht zu Herzen nehmen. Sie sollten viel mehr vorwärtsschauen und die Reaktionen vergessen. Wer immer zurück und nicht vorwärtsblickt, wird entmutigt. Er oder sie könnte geistlich zur Salzsäule erstarren, wie Lots Frau erstarrte, als sie zum verheerten Sodom hinschaute. Jesu Jünger sollten es wie ihr Meister machen: Nicht aufgeben, sondern unbeirrt weiterziehen und das Evangelium den nächsten Leuten verkündigen! – Für uns alle ist das nicht einfach. Weder ständige Ablehnung noch Negativreaktionen. So auch für mich. Als ich einmal Studierende zum Bibelstudium einlud, stiess ich bei einer Studentin auf Spott. Da ich in meiner Jugend Mobbing erlebt habe, treffen mich Spöttereien. Hier aber verstand ich: Die Studentin lehnte nicht mich ab, sondern Jesus. So wurde ich nicht beleidigt. Viel mehr empfand ich Schmerz. Und leistete im Weitergehen, in Gedanken, innige Fürbitte für die junge Frau. – Als Jesu Jünger gehorchten, erlebten sie die vollen Früchte ihres Gehorsams. Sie konnten viele Dämonen austreiben und viele Kranke heilen. Die salbten sie mit Öl, was ihre Liebe und Wertschätzung für diese sonst Verachteten ausdrückte. Auch da lernten sie von Jesus: Keine Berührungsängste mit den Kranken, den Schmutzigen, den Hilflosen. Was die hatten, war nicht ansteckend. Wie viel grösser Jesu Reinheit doch ist als die Unreinheit von allen sündenkranken Personen! Ja, die Sünden, das ist das Haupt- und das Grundproblem der Menschen. Dementsprechend ist auch Jesu Botschaft und war die Botschaft der Zwölf in erster Linie diese: Sie predigten, man sollte Busse tun. Busse, das bedeutet, willens zu sein, das eigene Leben dort zu ändern, wo es nicht Gottes Willen entspricht. Wie viele Menschen nehmen Jesu Lehre als wunderschön an, hören sie gerne, aber sagen sich doch in ihrem Herzen: «Mir geht es ja gut, ich möchte nichts verändern. Das wäre unangenehm und anstrengend. Die paar Laster, die ich habe, was sind die schon?» Wir denken manchmal auch so! Jeder Mensch ist sündig und braucht Jesu Errettung. Und es ist eben gerade dies das Allerbeste, Segensreichste, wahres Glück Gebende: Jesu Lehre für unser Leben anzunehmen und uns unter seine Liebesherrschaft zu stellen!
Teil 3: Ein gelegener Tag? (Verse 14-29)
Mit seinem Wirken wurde Jesus immer populärer. Und doch erkannten ihn die wenigsten Menschen als den, der er war: als den verheissenen Messias. Stattdessen machten sich die Leute ihre eigenen Vorstellungen über ihn. Ganz so, wie wenn Menschen die Bibel nicht als Gottes Wort sehen, sondern aus ihr machen, was sie möchten: Textvorlagen, Zitatsammlung, Geschichtenbuch, historische Quelle. Oder Altpapier? Die Leute dachten über Jesus, er sei Elia oder ein anderer Prophet. Sicher dachten viele auch so über ihn, wie heute die Menschen denken, die Jesus als Rabbi, aber nicht als göttlich bewundern: Er war ein Wundertäter, ein überaus weiser Mann. Die Muslime sagen: Wer so lebt wie Jesus, kommt in den Himmel. Ein Vorbild ist Issa, wie sie ihn nennen, für sie, aber eben nicht Gottes Sohn. Wieder andere sagten, Jesus sei der auferstandene Johannes der Täufer. Und das triggerte das schlechte Gewissen von dem Mann, welcher verantwortlich für den Tod des Täufers gewesen war: König Herodes. Hilfe, muss der römische Lokalherrscher gedacht haben: Verfolgte ihn nun Johannes für seine Taten? Was sollte das noch werden? Wer jemanden getötet hat (und nicht Busse tut), findet keine Ruhe. Als Kain seinen Bruder Abel erschlagen hatte, klagte er vor Gott in Genesis 4,14: «Siehe, du treibst mich heute vom Acker, und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen und muss unstet und flüchtig sein auf Erden. So wird mir’s gehen, dass mich totschlägt, wer mich findet.» Bei Herodes war die Sache anders geartet als bei Kain. Eigentlich hätte er Johannes den Täufer nämlich durchaus geschätzt. Aber er hatte sich durch einen unbedachten, im Festrauch gesprochenen Schwur gebunden, ihn dennoch zu töten. Ich erzähle hier die Geschichte kurz nach, wie es dazu gekommen war: Herodes beging Ehebruch, indem er Herodias, die Frau seines Bruders, heiratete. Johannes der Täufer wagte das zu kritisieren: «Es ist nicht erlaubt, dass du die Frau deines Bruders hast.» Wahrheit und Aufruf zur Busse, das war im rein weltlichen Umfeld des Herodes gar nicht gerne gesehen. Und so landete Johannes der Täufer für seine Kritik im Gefängnis. Herodias hatte den Täufer fortan auf dem Kieker und sann auf eine Gelegenheit, ihn zu beseitigen. Aber Herodes fürchtete Johannes, weil er wusste, dass er ein gerechter und heiliger Mann war. Er hörte ihn gerne, wenn er auch unruhig wurde über Jesu Lehre. Auch hier wieder: rein menschliche und damit flüchtige Bewunderung. Ein Spüren, dass Johannes’ oder auch Jesu Worte etwas Besonderes waren, aber kein Interesse daran, das weiterzuverfolgen. Und dann kam der Tag, an dem die Herodias Johannes doch noch töten lassen konnte. Auf einer rauschenden Geburtstagsparty liess sich Herodes dazu hinreissen, einer wunderschönen Tänzerin alle ihre Wünsche zu erfüllen. Dummerweise war diese Tänzerin die Tochter der Herodias. Die fragte ihre Mutter, was sie von Herodes wünschen sollte. Und ihre Mutter forderte – das Haupt von Johannes dem Täufer! Herodes sah Johannes immerhin noch als einen begnadeten Rabbi. Herodias dagegen hatte keinerlei menschliche Regungen für den Täufer und sah ihn nur als Person, die ihrem Glück im Weg stand. Und so veranlasste sie durch das Wünschen ihrer Tochter die Ermordung des grossen Mannes Gottes! Die Tochter der Herodias war offenbar aus dem gleichen Holz geschnitzt wie ihre Mutter. Sie hatte genauso wenig Skrupel, auch wenn sie noch klein war. Sie forderte sofort Johannes’ Kopf. Herodes wurde sehr traurig. Aber er lebte vor den Menschen und wollte sein Ansehen nicht verlieren. Daher wies er die Bitte des Mädchens nicht ab. Johannes der Täufer wurde geköpft. Herodes zuwiderhandelte seinem eigenen Gewissen und seinem Sinn für Wahrheit und Gerechtigkeit. Er gehorchte und fürchtete Menschen statt Gott. Er ignorierte dabei dies: Vor Gott wäre er mit seinem Eid nicht gebunden gewesen. – Wir sehen hier, in was für einem gottlosen Umfeld Jesus lebte und wirkte. Das Böse, die Lügen, Egoismus und Ungerechtigkeit hatten überhandgenommen. Wo es keine Busse gibt, wird die Sünde immer mächtiger und mächtiger. Auch das unterstreicht die Wichtigkeit der Umkehr. Und doch: Auch in diesem Umfeld gab es noch Menschen Gottes, die nicht mit dem Strom des Zeitgeistes mitschwammen. In dem Fall waren das die Jünger von Johannes dem Täufer. Unter Lebensgefahr kamen sie, nahmen den Leichnam des Täufers und bestatteten ihn würdig. Ja, auch heute gibt es noch die Übriggebliebenen, die sich an Gott und sein Wort halten, trotz des gottlosen Zeitgeistes. Ihrer sind viel mehr als wir denken. In Kirchgemeinden, im Freundeskreis, an der Uni. Die ältere Frau im Zug, mit der ich neulich redete und die beiläufig einen Bibelvers in unser Gespräch einstreute. Der Student, der selber schon für Gottes Werk aktiv ist. Und nicht zuletzt – du. Und ich. Gott möchte die Welt verbessern und sein Werk ausrichten. Hierzu fängt er bei uns an!
Möge der HERR uns ein offenes Herz und hörende Ohren geben, um Jesu Lehre aufzunehmen. Ganz vorurteilsfrei, ohne all das im Hinterkopf zu haben, was uns andere über den Christus gesagt haben. Wir wissen nichts ausser ihm, dem Gekreuzigten, unserem persönlichen Messias, der lebendigen Gnade Gottes für uns. Möge der HERR unseren Glauben boosten durch sein Wort. Bis er sich wundert. Nicht über unseren Unglauben, sondern über unseren Glauben. Ich bete, dass Jesus das Herz von jedem und jeder von uns berührt. Sodass wir gar nicht anders können und wollen, als seine Lehre umzusetzen und ihr zu gehorchen. Als hinauszugehen und zu seiner Ehre zu wirken. So werden wir die vollen Früchte unseres Gehorsams ernten! Und lebenspraktisch von Jesus lernen. Es gibt nichts Schöneres und Segensreicheres als zu seinen Übriggebliebenen zu gehören!
Lesen wir zum Schluss nochmals zusammen den Leitvers, Vers 7: «Und er rief die Zwölf zu sich und fing an, sie auszusenden je zwei und zwei, und gab ihnen Macht über die unreinen Geister.»