Seid getrost, ich bin’s!

Markus 6,45-56

Guten Morgen! Es ist ein Segen, euch alle hier zu sehen. Gott hat uns einen wunderschönen Sonntag erlaubt. Es ist Sommer, für viele von uns die Lieblingsjahreszeit. Es ist warm, die Leute sind locker drauf, und man kann noch bis spätabends in Sommerkleidung draussen sitzen, ohne kalt zu haben. Und so ist die kalte Jahreszeit nur noch wie eine ferne Erinnerung, an die wir mit leichtem Erschauern zurückdenken. Der Lauf der Jahreszeiten erinnert uns an unser Leben: Es gibt Sommer und Winter, Höhen und Tiefen, schöne und schwierige Phasen. Das Leben beinhaltet die ganze Palette von sehr positiven bis zu sehr negativen Dingen. Und in alldem ist der HERR mit uns! Jeder und jede von uns hat schon Lebensstürme kennengelernt. Und hat sie überlebt, ja, ist heute wieder fröhlich. Im HERRN haben Schwierigkeiten einen besonders guten Effekt: Wir lernen Geduld und Gottvertrauen und gehen gestärkt aus ihnen hervor, den HERRN besser kennend als zuvor. Um einen Sturm geht es auch im heutigen Wort. Aber auch um Gottes Gnade, die immer da ist. Vollkommen situationsunabhängig.

Lesen wir gemeinsam den Titel meiner Botschaft: «Seid getrost, ich bin’s!» Und lesen wir zusammen den Leitvers, Vers 50:

denn sie sahen ihn alle und erschraken. Aber sogleich redete er mit ihnen und sprach zu ihnen: Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht!

Markus 6,50

Auch heute möchte ich mit einer kurzen Geschichte starten… Es war ein Mann namens Pierre, der lebte irgendwo im sonnigen Süden. Seine Mutter war gestorben, als er noch ein Baby gewesen war. So wuchs er allein bei seinem Vater Moïse auf. Als dieser später heiratete und weitere Kinder bekam, blieb doch die Beziehung zwischen Pierre und seinem Papa eine ganz besondere. Beide hingen aneinander von ganzer Seele. Die Liebe bestand aus Familienbanden. Und hatte auch eine geistliche Dimension, denn die Familie war christlich. Das war den Menschen im Dorf bekannt. Und leider auch der Grund, warum eines Tages Terroristen kamen und Pierres Vater entführten! Sie sahen so gewalttätig aus; Pierre war sich sicher, dass sie seinen Papa ermorden würden. Er versank in tiefe Trauer und es dauerte Jahre, bis er wieder lachen konnte. Seine Halbgeschwister gaben ihm Halt. Pierre arbeitete auf dem Feld, und so setzte für ihn mit der Zeit eine angenehme Alltagsroutine ein. Dann kam ein Jahr, in dem es Missernten gab: Es wollte einfach nicht regnen. Um nicht zu hungern, fuhr Pierre als Fischer auf den grossen See. Ein paarmal ging alles gut; doch dann geriet er in einen schweren Sturm. Da er nicht geübt war im Bootfahren, erlitt er Schiffbruch. Es trieb ihn in die Ufernähe. Da sah er den Hut, den sein Vater getragen hatte, an einem dürren Ast an einem Felsen hängen. Er wusste, dass der seinem Papa entfallen war, als er vergeblich zu fliehen versucht hatte. «Papa, dein Hut!», rief er, viel zu verstört, um einen klaren Gedanken fassen zu können. Er sprang von dem, was von seinem Boot noch übriggeblieben war, griff nach dem Hut, schlug irgendwo auf und dann wurde alles dunkel um ihn. Er bekam nicht mit, dass andere Fischer ihn retteten und ihn den langen Weg ins nächste Spital brachten. Aber er sah in seinem Koma, wie ein Mann, den er von irgendwoher kannte, ihm sagte: «Geh in die Südprovinz und suche deinen Papa! Und ja, du wirst wieder gesund werden.» Es grenzte an ein Wunder, wie rasch sich Pierre nach dem Erwachen aus dem Koma von seiner Kopfverletzung erholte. Kaum war er wieder auf den Beinen, machte er sich auf ins Südland. Dort an der Grenze tauchten allerdings wie aus dem Nichts drei Männer auf, die sich seiner habhaft machen wollten! Was war nun das wieder für eine Prüfung des Schicksals, fragte sich Pierre? Eine innere Stimme sagte ihm, dass er den Namen seines Vaters den drei Männern nennen sollte. Was er denn auch tat. Als sie den Namen Moïse hörten, merkten sie auf. Und liessen Pierre laufen! Nicht nur das, sondern sie sagten ihm auch, dass der Mann am Leben sei und wo er ihn finden konnte. Als Pierre seinen geliebten Papa fand, war es ein Wiedersehen prall von Emotionen, allem voran voll unfassbar grosser Freude! «Wie hast du mich gefunden, mein Sohn?», fragte Moïse irgendwann. «Man hat mir den Weg zu dir gewiesen. Warum aber geniesst du hier so ein gutes Ansehen?» Da erfuhr Pierre, dass Moïse im Südland zuerst gefangen gewesen war, dann aber Kranke geheilt hatte. Und nun waren sie beide wieder vereint! Ihre Liebe war noch grösser und reifer als zuvor. Und damit auch die Dankbarkeit, einander zu haben. Was nie so gewesen wäre, hätte es die Entführung, den Sturm, den Schiffbruch und die drei Männer nicht gegeben.

Ja, wenn man in einer Schwierigkeit drinsteckt, ist es nicht einfach, mit ihr umzugehen. Aber, wie Römer 8,28 sagt: «Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.» Das ist zuerst Theorie. Aber wenn der HERR uns durch einen Lebenssturm oder eine Challenge hindurch trägt, wird es Praxis, Tatsache, Wahrheit.

Teil 1: Seid getrost… (Verse 45-52)

Jesus hatte eine Menge von 5000 Männern, dazu Frauen und Kinder, mit fünf Broten und zwei Fischen sattgemacht. Ja, es war sogar noch einiges übriggeblieben von dem Essen. Jesu Jünger freuten sich über dieses grosse Wunder. Waren sie vorher müde und unlustig gewesen, eine Menschenmenge um sich zu haben, so war nun ihre Müdigkeit wie verflogen. Vielleicht ging Simon Petrus der gleiche Gedanke durch den Kopf wie bei Jesu Verklärung: «Hier ist gut sein.» Doch es war nun nicht der Zeitpunkt, sich auf Lorbeeren auszuruhen. Und auch nicht, sich Hoffnungen zu machen, dass Jesus gleich die Macht übernehmen und den Zwölfen wichtige Posten in seinem Reich geben würde. Lesen wir zusammen den Vers 45: «Und alsbald trieb er seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren nach Betsaida, bis er das Volk gehen liesse.» Diesmal musste Jesus seine Jünger dazu förmlich zwingen, zur Ruhe zu kommen. Sie wollten nicht ohne ihn sein, und auch ihm muss es nicht leichtgefallen sein, sie gehen zu lassen. Wusste er doch, welche Mühen ihnen auf dem See begegnen würden. Aber er brauchte sich noch um das Volk zu kümmern und die geschehene Speisung für sie geistlich einzurahmen. Dann brauchte er selber Ruhe, wenn auch in Gott. Das Parallelwort Johannes 6,15 zeigt uns, warum: «Da Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er allein.» Jesus wollte kein Brotkönig sein, denn er selber ist das Brot des Lebens. Er ist, wie Maria, Sibylle und ich manchmal scherzhaft sagen, kein «Burger King». Sein Reich beruht weder auf Menschenehre noch auf politischer Macht, sondern ist ein himmlisches, ewiges Reich. Er wollte nur die Macht und die Ehre, die ihm sein Vater im Himmel gab. Und so eiste er sich los von seinen Jüngern und von der Menge und ging auf einen Berg, um zu beten. Er suchte Kraft und Orientierung und fand sie im Gebet. Auch für uns ist die tiefe Gemeinschaft mit dem HERRN in seinem Wort und im Gebet eine unglaublich wirksame Kraftquelle und Ruhe-Oase, besser als jedes Wellnessprogramm. Es wurde Abend und die Nacht brach herein. Die Jünger Jesu fuhren auf die Stadt Betsaida am Nordufer des Sees zu. Eigentlich wäre diese Strecke wohl nur um die zehn Kilometer lang gewesen. Aber es kamen starke Fallwinde von den Hügeln her, in deren Richtung die Zwölf ihr Boot steuerten. Bei diesem Gegenwind war ein Vorwärtskommen kaum möglich. Die Jünger kämpften gegen Wind und Wellen an. Und mussten sich gefragt haben: «Wo steckt denn Jesus? Warum kommt er uns nicht zur Hilfe?» Und vielleicht sogar: «Hat er uns vergessen?» Ihre Lage kam ihnen bekannt vor von damals, als sie auf demselben See in einen gefährlichen Sturm geraten waren. Damals war Jesus wenigstens in ihrem Boot gewesen, wenn sie ihn auch hatten wecken müssen… Auch wir fragen uns manchmal in einer schwierigen oder festgefahrenen Lage, wo denn der HERR mit seinem mächtigen Wirken bleibt. Dies manchmal sogar, wenn wir in einer ähnlich gearteten Situation schon die Hilfe des HERRN erlebt haben. Uns bleibt nichts anderes übrig, als zu lernen, dem HERRN trotz allem zu vertrauen und Geduld zu haben. Er hat unsere Lage längst gesehen und unsere Gebete gehört. Ihm ist es nicht egal, wie es uns geht. Im Gegenteil: Es kümmert ihn so von Herzen, dass er sich den besten Zeitpunkt und den besten Weg für sein Eingreifen aussucht. Er gibt uns sein Wort und seine Zusagen. Und er trainiert uns im Glauben. Jemand in einem Glaubenszeugnis, das ich einmal gelesen habe, sagte: «Wir haben verstanden, dass Gott zuerst die Herzen und dann die Situation verändert.» Das stimmt. Natürlich greift der HERR sofort ein, wenn unsere Not akut ist. Aber wie oft dienen uns Schwierigkeiten, die eine Zeitlang bestehen, dazu, unseren Glauben zu vertiefen, beharrlich zu beten und den Umgang mit Glaubensprüfungen besser zu lernen!

Mir geht und ging das nicht anders. Ich erinnere mich besonders an eine Situation, in der ich wirklich am Schwimmen war. Als ich nach 15 Jahren Suche endlich eine feste Arbeitsstelle bekam, dachte ich, dass ich damit meinen Traumjob und ein stabiles Arbeitsleben haben würde. Doch dann gab es Umstrukturierungen, und ich passte vielleicht auch zu wenig gut in dieses laute, selbstdarstellerische und weltlich orientierte Team. Nicht, dass ich diese Personen verurteilen will; sie haben alle ganz tolle, sympathische Seiten, dazu Humor und Teamgeist. Im September 2024 bekam ich die Kündigung. Obwohl ich sehr unter dieser litt, sagte ich mir immer wieder: «Gott hat etwas noch Besseres für mich vorbereitet.» Ich dachte an Bibelworte, die mir Gottes Versorgung und Fürsorge zusicherten. Zuerst waren solche Versprechungen für mich nur ein kleines Trostpflaster, und Ablenkung brachte mir mehr Ruhe als sie. Aber mit der Zeit begann die Überzeugung von Gottes Führung für meine Karriere immer mehr in mir zu wachsen. Fünf Monate später legte ich dem HERRN meine Berufslaufbahn komplett in seine Hände. «HERR, gib mir den Job, den du willst und nicht den, den ich will!» Und er tat es! Keine zwei Monate nach diesem Gebet kam eine Stellenanzeige zu mir, von der ich gleich wusste, dass Gott die Stelle für mich vorbereitet hatte. Voller Zuversicht bewarb ich mich und war erst noch die einzige Kandidatin. Ich bekam den Job! Seither bin ich jeden Tag dankbar für ihn. Denn sie ist in der Redaktion für das Missionswerk «Bibeln via Internet»! In einem christlichen Arbeitsumfeld meine Schreibbegabung einsetzen, um zur Verbreitung von Gottes Wort in der Welt beizutragen – kann es etwas Besseres geben? Gelobt sei der HERR!

Gott ist da und Jesus ist da, auch wenn wir ihn, wie die Jünger auf dem See, optisch nicht sehen können. Wir sehen ihn nicht, aber er sieht uns. Lesen wir zusammen den Vers 48: «Und er sah, dass sie sich abplagten beim Rudern – denn der Wind stand ihnen entgegen –, da kam er um die vierte Nachtwache zu ihnen und wandelte auf dem Meer und wollte an ihnen vorübergehen.» Wobei vorübergehen hier nicht ignorieren bedeutet, sondern sich zeigen, ganz wie Gott es in 2. Mose 33 tat, als Mose seine Herrlichkeit sehen wollte: «Ich will vor deinem Angesicht all meine Güte vorübergehen lassen.» Als Jesus am Beten war, wusste er um die Fallwinde und um die Kämpfe seiner Jünger. Er liess ihnen diese Lage jedoch zu, um ihnen etwas beizubringen. Er wollte sich ihnen nämlich nicht als ein menschlicher Wundertäter zeigen, sondern als Gottes Sohn, der auch Macht über die Naturgesetze hat. Darum wandelte er denn auch auf dem Wasser, als er gegen Ende der Nacht zu ihnen kam. Die vierte Nachtwache, das ist zwischen drei und sechs Uhr morgens. Schwierigkeiten sind nicht dazu da, dass wir daran verzweifeln, sondern dass wir dadurch Gott und Jesus als das erleben, was sie sind: göttlich. Sie geben uns Hilfe, wie sie niemand sonst geben kann. Wir lernen Jesu Eigenschaften wie Geduld und Demut, während die Schwierigkeit noch besteht. Als Lazarus schwerkrank war, sagte Jesus: «Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Verherrlichung Gottes, dass der Sohn Gottes dadurch verherrlicht werde.» (Johannes 11,4b) Tatsächlich erweckte Jesus den toten Lazarus. Als Jesu Jünger einen Blindgeborenen sahen und nach der Ursache seiner Blindheit fragten, sagte Jesus: «Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.» (Johannes 9,3b) Und Jesus heilte den Mann. Und in Römer 8,28 finden wir die Zusage: «Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.» Das wäre eigentlich genug, um in einer schwierigen Lage nicht zu verzagen. Und doch passiert es manchmal, dass wir von unseren negativen Gefühlen überwältigt werden. Dass uns die Angst die geistlichen Sinne vernebelt. Wie es hier bei den Jüngern der Fall war, als sie gegen die Wellen ankämpften. Als sie Jesus sahen, erkannten sie ihn nicht. Abergläubische Gedanken, die sie vor ihrer Berufung gekannt hatten, schlichen sich in ihre Köpfe und Herzen zurück. So erklärten sie sich das Phänomen ‘Mann auf dem See’ dadurch, dass sie ein Gespenst sehen würden. Und sie schrien vor Angst. «Aaah! Hilfeee!» In unseren Emotionen geschieht das immer mal wieder, dass wir eine Lage oder einen Anblick falsch einschätzen. Unsere Augen und unsere Gefühle können uns täuschen. Früher meinten wir, das, was wir sehen und empfinden, sei die Wahrheit. Inzwischen wissen wir, dass allein das, was der HERR sagt, wahr ist. Seine Zusagen und nicht unsere Gedanken des Unglaubens. Er herrscht über unsere Situation und nicht einfach die Situation über uns. Die Schwierigkeit ist nicht seine Strafe, sondern hat einen Sinn. Jesus hat uns nicht vergessen, sondern ist näher als wir es je gedacht haben… Mit Gottes Wort können wir gegen Zweifel und Unglauben ankämpfen. Wir begeben uns dann wieder in die hoffnungsvolle Wahrheit und gewinnen neue Zuversicht, auch wenn sich um uns noch gar nichts verändert hat. Auch bei Jesu Jüngern war es Gottes Wort, Jesu Stimme, die sie aus der Angst und der falschen Wahrnehmung holte. Lesen wir zusammen den Vers 50 ab «Aber sogleich»: «Aber sogleich redete er mit ihnen und sprach zu ihnen: Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht!» Jesu Stimme war unverkennbar. Er ist der gute Hirte, und daher erkennen ihn die Seinen an seiner Stimme; und so taten das auch die Zwölf. Plötzlich stellte sich ihre Lage wieder ganz anders dar. Jesus war da! Und der Zeitpunkt seiner Hilfe war gekommen: Jesus stieg zu ihnen ins Boot, und der Wind legte sich. Was muss das für eine tiefe, überirdische Ruhe gewesen sein! Verstört blickten die Jünger auf den glatten See, und sie wussten gar nicht, wie ihnen geschehen war. Ja, wie es im Vers 51 heisst, entsetzten sie sich über die Massen. Was hatten sie da gerade erlebt? Ihr Rabbi war auf dem Wasser gegangen? Sein Kommen hatte den See beruhigt? Offenbar sahen sie Jesus noch immer als Mensch und nicht auch als Gottes Sohn, welcher die Gewalt über die Gesetze hat, die er selber der Schöpfung gegeben hat. Die erlebten Wunder hatten noch nicht den nötigen Widerhall in ihren Herzen gefunden. Oder, wie es hier heisst; lesen wir gemeinsam den Vers 52: «denn sie waren um nichts verständiger geworden angesichts der Brote, sondern ihr Herz war erstarrt.» Ja, das war damals tatsächlich der Herzenszustand der Zwölf. Und nun denken wir an das, was einige von ihnen ein paar Jahre später machten: Sie wurden zu Aposteln, die das Evangelium in die ganze Welt brachten, mit allem Freimut, und überall Menschen zum Glauben und zur Errettung brachten! Das gibt mir Hoffnung: Ich selber habe oft noch ein erstarrtes Herz. Aber das muss und wird nicht so bleiben. Wenn Jesus eine solche Kraft hat, Herzen zu erweichen und zu verändern, dann kann er das auch mit meinem tun. Und mit den Herzen noch ganz vieler anderer Menschen, die im Moment noch hart und gottesfern sind. Wir brauchen also nicht zu verzweifeln, wenn wir im Glauben scheinbar nicht wachsen. Gott hat so viele verschiedene, individuelle Wege, wie er uns das geistliche Wachstum gibt. Eines ist sicher: Er ist an uns dran und es gibt absolut nicht, das uns von Jesu Liebe und von seiner Hand wegreissen kann.

Teil 2: Alle wurden gesund (Verse 53-56)

Jesu Jünger hatten also zu ihrem Seelenzustand des inneren Friedens zurückgefunden. Sie waren wirklich privilegiert, mit Jesus zusammenleben und hautnah bei ihm und von ihm lernen zu können. Aber das, was sich nun am Seeufer in Genezareth abspielte, zeigt, dass nicht allein ihr Lebensstil, sondern auch der des einfachen Volkes hinreichend war, um Gnade und Errettung zu finden. Jesus beruft Menschen mit den verschiedensten Hintergründen. Ja, seine Liebe und seine Barmherzigkeit gelten ausnahmslos für alle Menschen auf der ganzen Welt! Wen er beruft, den beruft er. Ich habe auch schon Glaubenszeugnisse gelesen, in denen ein Mensch durch einen einzigen Bibelvers zu Jesus fand! Manche Leute finden Gottes Wort dort, wo man es nicht erwartet, und es berührt ihre Herzen: auf einem Traktat im Schnee oder auf dem Einwickelpapier eines Kebabs… Ganz so spektakulär ging es hier nicht zu. Viel mehr war da das Volk, das Jesus schon ein paarmal gesehen und von seinen Taten gehört hatte: Es bekam starken, natürlichen, einfachen, undogmatischen Glauben. Sie kamen mit ihren Anliegen zu Jesus und brachten auch diejenigen, die es nötig hatten, zu ihm. Lesen wir zusammen die Verse 54 und 55: «Und als sie aus dem Boot stiegen, erkannten ihn die Leute alsbald und liefen im ganzen Land umher und fingen an, die Kranken auf Tragen überall dorthin zu bringen, wo sie hörten, dass er war.» Es ist nicht klar, ob diese Leute Jesus als Gottes Sohn erkannt hatten. Aber sie wussten, dass er heilen konnte und spürten, dass er mehr war als ein einfacher Rabbi. Sie hatten sein heilendes Wirken schon gesehen und hatten die grosse Hoffnung, dass er ihnen und den Ihren diese Wirkung auch schenken würde. Erstaunlich ist, dass nicht einfach die Kranken zu Jesus strömten, sondern dass man die Kranken zu ihm brachte. Das lehrt uns, dass wir nicht warten sollen, bis Gottes verlorene Schäfchen zu uns kommen, sondern dass wir zu ihnen hinausgehen und sie zu Jesus einladen. Unter ihnen gibt es viele, die nie in eine Kirche gehen würden. Wenn sie nicht in die Kirche gehen, dann kommt die Kirche eben zu ihnen. Bringen wir ihnen Gottes Wort, teilen wir Jesu Liebe mit ihnen! Wenn sie sehen, was wir vom HERRN bekommen haben, werden sie es auch haben wollen: inneren Frieden, Fröhlichkeit, Stabilität, Liebe, Herzlichkeit. Dazu Zuversicht und Hoffnung, Demut und Geduld. Sie wundern sich, warum wir ihnen nicht böse sind, wenn sie untreu sind oder uns verletzen. Und interessieren sich für die Quelle unserer guten Eigenschaften. Dadurch finden nicht wenige zu Jesus, wenn wir ihnen von ihm erzählen. Ob wir diesen Prozess nun mitbekommen oder ob er in der Gegenwart anderer Gläubiger geschieht. – Gleichzeitig lehrt uns das Geschehen in Genezareth, welche Kraft unsere Fürbitten haben. Mit diesen bringen wir gewissermassen die Kranken (ob ihr Leiden geistlich, körperlich oder mental ist) zu Jesus, auf das er sie heile. Oder, wie Jakobus 5,16b sagt: «Betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.» Wohl schon alle von uns haben erlebt, wie der HERR eine herzliche Fürbitte erhört und Heilung und Veränderung bewirkt hat. In meinem Fall habe ich unter anderem eine Beterin, die hier im Publikum sitzt: Sibylle Grace. Der HERR hat schon vieles, was sie an Fürbitten für mich geleistet hat, wahrgemacht, sodass ich mich sogar auch schon gefühlt habe, als wäre ich unter einem Schutzschirm gegen manche Unbill in der Welt. Das ist Gottes herrliche Gnade! Auch in Genezareth griffen die Fürbitten. Lesen wir zusammen den Vers 56: «Und wo er in Dörfer, Städte oder Höfe hineinging, da legten sie die Kranken auf den Markt und baten ihn, dass diese auch nur den Saum seines Gewandes berühren dürften; und alle, die ihn berührten, wurden gesund.» Dass Jesus kam und dass man die Kranken hertrug, war das eine. Das andere war, dass dann die Kranken, als sie bereits bei Jesus waren, selber aktiv werden mussten, um die Heilung zu empfangen. Sie brauchten kreativen Glauben, ganz so, wie ihn einst die blutflüssige Frau gehabt hatte: «Wenn ich nur den Saum von Jesu Gewand berühre, so werde ich geheilt!» Der HERR liebt und segnet einen solchen Glauben, sodass uns sehr häufig genau nach diesem geschieht. Die blutflüssige Frau wurde gesund von ihrem Leiden. Die Leute, die hier Jesu Gewand berührten, wurden gesund, egal was sie hatten. Sie berührten ihn. Jesus will, dass wir ihn berühren, respektive dass wir uns von ihm, seiner Liebe, seinem Wort, berühren lassen. Wenn dieser Kontakt hergestellt ist, wenn wir Jesus annehmen und die persönliche Beziehung mit ihm eingehen, dann fliesst seine göttliche Kraft auch durch uns. Dann werden wir heil von unserer Gottesferne, unserem Unglauben und unserem erstarrten Herzen. Wir erleben mancherlei Segnungen, zu denen sehr oft auch Heilung von körperlichen und psychischen Krankheiten gehört. Im vorliegenden Fall wurden restlos alle Menschen geheilt. Das ist eine Vorschau auf das, was einst geschehen wird, wenn Jesus wiederkommen und uns in sein Reich mitnehmen wird. Offenbarung 21,4 beschreibt diesen seligen Zustand: «und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.» Noch sind wir allerdings in der Welt. Noch kann es sein, dass man trotz Gebeten nicht rasch oder vielleicht sogar überhaupt nicht von einem Leiden geheilt wird. Das bedeutet aber nicht, dass der HERR uns nicht liebhat, sondern dass er etwas anderes für uns vorgesehen hat. Er ist der Designer unserer Lebenswege und weiss gut, was er tut. Gibt er uns das eine nicht, so hat er etwas vor, das für uns individuell noch besser ist als das Erwünschte. Ja, es steckt hinter der Nicht-Erhörung nicht irgendetwas Böses, sondern es gibt Gottes Plan dahinter. Das Wichtigste ist: Auch wenn nicht alles nach unseren Erwartungen geschieht, auch wenn mal jemand nicht gesund werden sollte: Wir alle sind eingeschlossen in die Liebe und Gnade des HERRN! Sein Wesen ist Liebe, vollkommene, göttliche, bedingungslose Liebe. Heilung geschieht zudem nicht nur dort, wo die Welt Heilung ansetzt. Unser Herz und unsere geistlichen Sinne gesunden manchmal gerade dann, wenn wir eine Schwäche haben, wegen der wir im engen Kontakt mit Jesus bleiben. Der Apostel Paulus etwa wurde auch nicht gesund von seinem Augenleiden, aber er lernte Demut und verstand mit der Zeit, dass sein Leiden nicht hinderlich, sondern förderlich für seinen Weg mit Jesus war. Wir bekommen nicht immer das, was wir denken. Und doch segnet der HERR uns jeden Tag überreichlich! Neulich habe ich die Gebetsanliegen der Bern UBF vom Jahr 2025 angeschaut. Darin gibt es mindestens vier grosse Anliegen, die der HERR inzwischen erfüllt hat. Wir haben gute Nachbarn bekommen für das Gemeindezentrum. Mein linkes Hüftgelenk ist operiert und ich danke Gott jeden Tag, dass ich beschwerdefrei gehen kann. Ich habe eine feste Stelle und eine gute neue Wohnung. Das Blicken auf die erfüllten Gebetsanliegen hat mir einen Schrecken gegeben. Ich entsetzte mich, aber freudig und voller Dankbarkeit. Möge der HERR unsere Augen öffnen, damit wir sein mächtiges Wirken und seine Nähe erkennen können. Auch gerade dann, wenn wir in einer Schwierigkeit sind und die Dinge nicht so laufen, wie wir uns das gewünscht hätten. Möge Jesus uns dann ganz, ganz nahe sein, er, der Immanuel, Gott mit uns. Und möge er uns die Demut und das Vertrauen schenken, Schwierigkeiten anzunehmen und in diesen Geduld zu haben. Sie gehören zum Leben, genauso wie die positiven Sachen und die ruhigen Zeiten. Und Gott wird etwas Herrliches aus ihnen machen. Amen!

Lesen wir zum Schluss nochmals zusammen den Leitvers, Vers 40: «denn sie sahen ihn alle und erschraken. Aber sogleich redete er mit ihnen und sprach zu ihnen: Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht!»