Wie ist das Reich Gottes?

Markus 4,21-34

Guten Morgen! Es ist wunderschön, dass wir heute wieder «live» zusammen Gottesdienst feiern. Wir sind nicht ganz vollzählig. Die Zahl der Teilnehmenden an unseren Gottesdiensten variiert zudem. Nur der «harte Kern» der Gemeinde kommt regelmässig. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der HERR immer neue Menschen zu seiner Familie in Christus hinzufügt. Und das auf der ganzen weiten Welt. Wie wir im Neujahrslied «Von guten Mächten wunderbar geborgen» gesungen haben: «Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang.» Die Christengemeinde hat die Eigenschaft, das sie wächst. Egal, wie widrig die Zeiten gerade aussehen mögen. In Gottes Reich liegt die Veranlagung, dass dieses sich ausbreitet. Dazu gehört, dass sich Jesu Licht der Liebe in der Welt manifestiert. Das kommt auch in den Gleichnissen Jesu zur Geltung, um die es im heutigen Wort geht. Lesen wir gemeinsam den Titel meiner Botschaft: «Wie ist das Reich Gottes?» Und lesen wir zusammen den Leitvers, Vers 22:

Denn es ist nichts verborgen, das nicht offenbar werden soll, und ist nichts geheim, das nicht an den Tag kommen soll.

Markus 4,22

«Gibt es Wunder?» Diesen Titel hat ein Buch, das das Missionswerk GLIFA herausgegeben hat. Darin schildern Menschen buchstäblich wunderbare Erlebnisse mit Gott. Aber man muss nichts Spektakuläres erleben, um die vielen Wunder, Spuren, Liebesbeweise und Zeichen der Lebendigkeit Gottes zu entdecken. Sie stecken auch in der Schöpfung, die der HERR mit seiner göttlichen Weisheit und Kreativität geschaffen hat. Zum Beispiel in der Vogelwelt. Zum einen ist da der majestätische Alpenkondor. Er ist der grösste Greifvogel, dies mit einer Flügelspannweite von bis zu drei Metern. Dieser Vogel fliegt auch am effizientesten, obwohl er schwerer ist als alle anderen Greifvögel. Nur ein Prozent seiner Flugzeit verbringt er mit Flügelschlagen, den Rest verbringt er im Gleitflug. Einmal schaffte es so ein Kondor, fünf Stunden lang nicht ein einziges Mal mit den Flügeln zu schlagen und ganze 172 Kilometer im Gleitflug zurückzulegen! Auf der anderen Seite ist da der kleine Hummelkolibri. Die Männchen wiegen nur 1,8 Gramm. Pro Tag holt dieser Vogel bis zu 1500mal Nektar aus Blumen. Dabei schlagen seine Flügel über 90mal pro Sekunde! – Ein vielleicht noch beeindruckenderes Beispiel von Gottes Schöpfungswundern ist das Weltall. In ihm gibt es schätzungsweise 1025 Sterne (zehn mit 25 Nullen). Wobei kein einziger Stern gleich wie der andere ist. Das All hat erstaunlich viel leeren Raum. Der Physiker und Astronom Sir James Jeans hat einmal gesagt: «Man lege drei Sandkörner ins Innere einer riesigen Kathedrale – dann ist dieser Raum noch mehr mit Sand gefüllt als das Universum mit Sternen.» Und riesig ist das All. Es hat gemäss Schätzungen eine Ausdehnung von 90 Milliarden Lichtjahren. Unsere Erde ist verschwindend klein im ganzen Kosmos. Sie hätte allein in der Sonne eine Million Male Platz…

Solches zu wissen, lässt uns erahnen, welche Kraft der HERR hat, zu wirken und Neues zu schaffen. Und auch, wie viel er am Vorbereiten und Bewirken ist, ohne dass wir es sehen könnten. So fällt es uns leichter, an das Kommen des Reiches Gottes zu glauben. Und vor allem auch daran, dass dieses, und ganz viele andere Verheissungen des HERRN, bereits am Eintreffen sind.

Teil 1: Vom Licht und vom rechten Mass (Verse 21-25)

Im ersten Gleichnis geht es um das Licht. Es malt das Bild von Öllampen, wie sie im alten Israel als standardmässige Beleuchtungskörper eingesetzt wurden. Lesen wir zusammen den Vers 21: «Und er sprach zu ihnen: Zündet man denn ein Licht an, um es unter den Scheffel oder unter die Bank zu setzen? Und nicht, um es auf den Leuchter zu setzen?» Eigentlich logisch: Man zündet eine Lampe an, damit sie im Raum hell gibt und man etwas sehen kann. Das Wort «Licht» begegnet uns in der Bibel in verschiedenen Zusammenhängen. So wiedergibt Genesis 1,3 Gottes Befehl: «Es werde Licht!» Das geschah, und Gott sah, dass das Licht gut war. Denn es schuf die Voraussetzung für Leben auf dem Planeten, der zuerst ja noch öde war. Im Johannesevangelium wird Jesus als das göttliche Licht bezeichnet. So sagen etwa Johannes 1,4 und 5: «In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.» Wo Gottes Licht in uns scheint, geht das Dunkel weg. Sünden werden aufgedeckt und wir können sie bei Jesus am Kreuz ablegen. Gottes Wort erleuchtet und durchleuchtet uns. Wo es wirkt, herrscht helle Freude, aber finstere Gedanken und negative Gefühle verschwinden. An einer anderen Stelle im Evangelium, in Johannes 8,12, sagt Jesus: «Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.» Licht gibt Leben. Das hat sich seit dem ersten Schöpfungstag nicht geändert. Wir können im Licht Jesus, unseres Heilandes, leben, und dieses Leben wird ein ewiges sein. Ja, die ursprüngliche Bestimmung von uns Menschen ist es, im Licht Jesu zu wandeln. Ihm nachzufolgen bedeutet, von ihm zu lernen und selber sein Licht immer mehr auszustrahlen. Also seine Liebe, seine Geduld, seine Barmherzigkeit usw. Es bedeutet auch, sein Wort weiterzugeben. Verbergen wir also das, was wir vom HERRN bekommen haben, nicht vor den Menschen um uns herum! Stellen wir unser Licht nicht unter einen Scheffel, also einen Abmessbecher für Mehl. Habgier oder die Mentalität, immer abzuzählen, was wir geben, hindert uns daran, grosszügig zu geben – sei es Geld, Zeit oder sogar Liebe und Segen. Stellen wir unser Licht auch nicht unter eine Bank. Eine Sitzbank mag zum Verweilen verlocken, aber zu viel Bequemlichkeit hindert uns daran, aktiv zu werden für Gottes Werk. Und an genau diesem Werk will der HERR uns beteiligen. Das ist seine unendliche göttliche Gnade. Er würde uns nicht brauchen, da er alles selber machen könnte, und doch macht er jede:n Einzelne:n von uns unentbehrlich! Es ist ein grosses Privileg, für ihn wirken zu dürfen. Wir, die an ihn und seinen Sohn glauben, sind dazu autorisiert, obwohl wir Sünder und unzulängliche Wesen sind. Halten wir an diesem Segen fest. Denn in unserer Umgebung können wir den Unterschied machen und mit Gottes Hilfe ganz viele Menschen zu Jesus, zur Errettung, führen. Das ist Gottes Herzensanliegen und soll auch das unsere sein! Dennoch ist es eine Tatsache, dass der HERR immer einen Weg findet, sein Wort, seinen Namen und seine Errettungskraft in der Welt zu verbreiten. Auch dann, wenn wir nichts dafür tun. Denn er wird immer Menschen finden, berufen und senden, die sein Erlösungswerk weiterbringen. Er hat mit dem Kommen Jesu schon damit begonnen, sein Reich aufzurichten. Einst werden ihn, wenn Jesus wiederkommt, alle Menschen als den HERRN anerkennen müssen. Oder, wie der Vers 22 des heutigen Wortes sagt – lesen wir ihn gemeinsam: «Denn es ist nichts verborgen, das nicht offenbar werden soll, und ist nichts geheim, das nicht an den Tag kommen soll.» Ja, wenn wir nicht mehr bereit sind, etwas für den HERRN zu tun, wird er andere an unserer Stelle dafür einsetzen. Wenn wir die Berufung, die Schätze der geistlichen Erkenntnis und die wundervollen Worte, die uns der HERR geschenkt hat, verachten, so werden wir sie mit der Zeit verlieren. Ganz so, wie Esau einst sein Erstgeburtsrecht verachtete und es Jakob für ein Linsengericht verkaufte. Geistliche Gaben und Schätze sind dazu da, dass wir sie kultivieren und etwas mit ihnen machen. Dann werden sie immer mehr. Wie der Vers 25 besagt: «Denn wer da hat, dem wird gegeben; und wer nicht hat, dem wird man auch das nehmen, was er hat.» Das gilt auch für das Licht des HERRN in unserem Herzen.

Es gibt Menschen, die tatsächlich Jesu genuines Licht ausstrahlen. Auch in meinem persönlichen Umfeld. Meine Tante Maja, die seit ihrer Kindheit gläubig ist, ist so ein Beispiel. Schon als Kind hatte ich sie als meine Lieblingstante. Denn bei ihr spürte ich eine tiefe Liebe und eine Annahme trotz meiner Eigenheiten und Spleens. Sie interessierte sich für das, was mich interessierte, und sie hatte Zeit für mich. Noch heute fühle ich mich in Majas Gegenwart pudelwohl. Seit ich selber gläubig bin, ist sie gleichzeitig eine wertvolle Schwester im Glauben geworden. Der Austausch mit ihr tut mir sehr gut. Unter anderem sie ist «schuld» daran, dass ich selber auch so ein Licht sein möchte für meine Mitmenschen. Das gelingt mir noch lange nicht immer. Aber ich kann der Welt immer wieder auf gute Art zeigen, dass ich als Christin anders bin. So etwa an meiner früheren Arbeitsstelle. Wenn man mich ungerecht behandelte, war ich nie lange geknickt und reagierte nicht mit Zorn. Man konnte sich an mir die Zähne ausbeissen, ich liess mich nicht beirren und raffte mich immer wieder auf, um mit allen Teammitgliedern und Vorgesetzten gut auszukommen. Sogar nach der Kündigung war ich bis zuletzt engagiert und bemüht, im Guten auseinanderzugehen mit den Leuten vor Ort. Das gelang mir dann auch. Gelobt sei der HERR, der dies möglich gemacht hat!

Das zweite Gleichnis geht um das richtige Mass. Bevor Jesus aber das Gleichnis selber erzählt, spricht er vom Hören. Er fordert uns auf, hinzuhören, ihm zuzuhören. Wir alle haben Ohren. Die Gehörlosen «hören» auf ihre Weise, indem andere Sinnesorgane gewissermassen die Wahrnehmungsfunktionen übernehmen, die das Gehör nicht leistet. Die Ohren, die Jesus meint, sind die Eingangskanäle seines Wortes. Das sind nicht nur die lesenden Augen und die Predigten hörenden Ohren. Das ist auch unser Herz, welches wir auf Gottes Wort sensibilisieren können. Wir sind fähig, zu erkennen, dass es Gott gibt. Denn er zeigt sich in dem, was er geschaffen hat. Auch Menschen, die den HERRN nicht kennen, glauben sehr oft an eine höhere Kraft, die hinter all den Schönheiten und Gewalten der Natur steckt. Fassbar respektive richtig interpretierbar wird diese Kraft jedoch nur durch Gottes Wort. Und dieses Wort ist ganz vielschichtig und nicht immer leicht verstehbar. Und manchmal ist es kaum hörbar inmitten der lauten Stimmen, die in der Welt um uns sind. Darum sagt Jesus im Vers 24a: «Seht zu, was ihr hört!» Gottes Wort hat eine grosse Konkurrenz durch vielfältige Sinnangebote und Lehren. Es gibt zahlreiche Ablenkungsfaktoren vom Wesentlichen, also vom Pflegen der persönlichen Beziehung mit Gott und Jesus: Vergnügungen, Streben nach Geld, menschliche Anerkennung und viele mehr. Nicht die lautesten Stimmen sind diejenigen, welche uns die Wahrheit sagen, sondern allein die Stimme Jesu, des guten Hirten. So wie auch die lautesten Menschen, etwa in der Politik, in aller Regel nicht die redlichsten sind. Lassen wir Gottes Wort bei uns nicht übertönen durch die Stimmen von Medien oder sogar durch die Gedankenstimmen des Satans. Es ist gut, wenn man weiss, was in der Welt passiert, aber zu viel Medienkonsum führt uns zu rein weltlichen Gedanken. Entweder wir verzweifeln, weil es so viel Böses auf der Erde gibt, oder wir glauben den einflussreichen Leuten, dass wir alles aus unserer Kraft erreichen könnten. Die Bibel setzt dem etwas ganz anderes entgegen, und das ist die Wahrheit: Der HERR hat diese Welt in seiner liebenden Hand und hat alles Geschehen im Griff. Und wir sind auf ihn angewiesen, damit uns unser Leben und unser Tun wirklich gelingen. – Als Nächstes geht es darum, was wir hören, wenn wir Gottes Wort hören. Denn je nachdem, wie unsere Herzenshaltung ist, hören wir aus ein und demselben Wort des HERRN je etwas ganz anderes heraus. Betrachten wir das Wort mit der Brille des Vertrauens, dass Gott Liebe ist und es nur gut mit uns meint? Oder kennen wir den HERRN noch nicht gut und finden das, was in der Bibel steht, moralisch und mit impliziten Drohungen durchsetzt? Je mehr jemand aber in der Bibel liest, sich mit dem Logos beschäftigt und auch Dinge mit dem HERRN lebt, desto weniger Bibelstellen werden ihm oder ihr sauer aufstossen. – Neulich bin ich einem Wort in der Bibel begegnet, an dem ich mich zuerst gestört habe. Es ist in 1. Petrus 8 zu finden, und lustigerweise geht es selber ums Anstossnehmen an Jesus und seinem Wort: «Sie stossen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind.» Wozu sie auch bestimmt sind. Zuerst dachte ich, das sei ja Willkür von Gott: Die einen sollen dazu bestimmt sein, von Anfang an Gott ungehorsam zu sein, ohne jede Chance auf Errettung? Das machte mich wütend. Aber als ich einige Tage später im Gebet über Gottes Gnade nachdachte, kam mir dieses Wort wieder in den Sinn und ich verstand. Jesus wollte mir damit sagen, wie grosse Gnade ich empfangen habe, dass ich offen für sein Wort sein und dieses im Herzen wirken lassen kann. Denn ich wäre als Sünderin definitiv dazu bestimmt, Anstoss an seinem Wort zu nehmen. Das ist aber nicht mehr der Fall, denn der HERR hat mich gefunden und zu sich gebracht. Ich bete, dass der HERR noch ganz viele Menschen vom Bestimmt-Werden durch die Sünde wegführt. Hin zu ihrer wahren Bestimmung, nämlich Gottes Kinder zu sein und dem HERRN zu dienen.

Je nachdem, mit welchem Ohr jemand hinhört, versteht er oder sie auch das Gleichnis, das Jesus im Vers 24b sagt, anders. Der Christus sagt: «Mit welchem Mass ihr messt, wird man euch zumessen, und man wird euch noch dazugeben.» Wer ein verschlossenes Herz hat und dieses Wort hört, wird erschrecken oder sich empören. Denn er oder sie liest darin die Drohung, bestraft zu werden, sollte er / sie nicht das richtige Mass verwenden, was immer das heissen mag. Aber wer ein offenes Herz für Gott hat, dessen Wesen ja Liebe ist, wird es anders verstehen. Und sich viel mehr freuen, dass der HERR uns mit dem Mass seiner Liebe misst und uns beibringt, diesen Massstab auch bei unseren Mitmenschen anzusetzen. Es wird nur Gutes auf uns zurückkommen, wenn wir die Menschen in unserem Umfeld aus Gottes Sicht betrachten und sie entsprechend behandeln. Sie sind seine Geschöpfe und Meisterwerke, egal wer sie sind und wie sie sich gerade benehmen. Sie sind Sünder wie wir, nicht besser und nicht schlechter als wir. Und sie haben als Menschen einen Wert an sich, der sich nicht aus Leistungen bemisst, sondern aus dem, dass der HERR sie gemacht hat. Auch für sie ist Jesus am Kreuz gestorben, um ihnen die Sündenvergebung und das ewige Leben zu schenken. Und sie haben ein Anrecht darauf, genau dies zu erfahren. Von uns!

Teil 2: Von der wachsenden Saat und vom Senfkorn (Verse 26-34)

In den weiteren beiden Gleichnissen lehrte Jesus sein Publikum über das Reich Gottes. Dieses Reich ist von einer ganz anderen Qualität als das Erdenreich, und es ist daran, sich auszubreiten. Um das zu illustrieren, benutzte Jesus zwei geläufige Bilder aus der Landwirtschaft; die war damals mit Abstand der grösste Wirtschaftssektor. Das heisst, dass sich alle etwas unter den Metaphern vorstellen konnten. Jesu göttliche Weisheit zeigt sich hier einmal mehr in der Kunst, etwas Hohes, mit dem Verstand nicht Fassbares mit etwas Einfachem, Alltäglichen zu veranschaulichen. Zuerst erzählte Jesus der zuhörenden Menschenmenge das Gleichnis vom wachsenden Samen. Lesen wir zusammen die Verse 26 bis 28: «Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiss nicht wie. Von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre.» Der Mensch, das ist im Gleichnis der HERR, der sein Wort in der Welt aussät. Dieses Wort fällt auf die unterschiedlichsten Herzensböden, wie wir es im Gleichnis vom Sämann gesehen haben. Wir sehen nur einen ganz kleinen Ausschnitt des Gesamtwerkes, welches der Samen des Evangeliums in den Menschen unserer Zeit ausrichtet. Wir freuen uns, über diverse Bekehrungen zu hören – ganz besonders, wenn wir oder jemand anderes in unserer Gemeinde diese Person zu Jesus eingeladen hat. Aber wir wissen nicht, was das Wort Gottes, das wir weitergeben, in dessen Empfänger:innen bewirkt. Wir sehen, wie manche es annehmen und manche es ablehnen, von freudig über zögernd bis vehement. Alles Weitere dürfen wir gerne dem HERRN überlassen. Wir haben sein Wort gesät, nun wirkt es. Und das in viel mehr Herzen, als wir es erahnen könnten. Wenn wir beobachten, dass unsere Einladungen zum Bibelstudium immer abgelehnt werden, oder wenn Verwandte und Freund:innen nicht offen sind für das Wort, macht und Gottes Zusage Mut. Der sagt nämlich in Jesaja 55,11: «so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.» Ja, Gottes Wort kann gar nicht anders, als zu wachsen, denn dazu ist es veranlagt! Also gilt das auch bei uns: Auch in uns wächst und wirkt Gottes Wort und somit auch das Himmelreich in unseren Herzen. Natürlich boostet es unseren Glauben und ist auch nötig, dass wir uns darum bemühen, in Gottes Wort zu bleiben und ihm zu gehorchen. Aber unser Glaubenswachstum geht über dies hinaus! Es ist die Initiative und die Wirkung des HERRN, dass sein in unser Herz gesätes Wort auch ohne unser Zutun weiterwächst. Auf einmal spricht uns Gott durch eine Bibelstelle persönlich an, die uns vorher nichts gesagt hat. Von einem Tag auf den anderen erhört der HERR ein Gebet um mehr Offenheit, Vertrauen und Glauben. Letztere Erfahrung habe ich selber kürzlich gemacht. Aus mir nicht ersichtlichen Gründen verschloss sich im vergangenen Herbst mein Herz gegenüber Gottes Liebe und Verheissungen immer mehr. Ich wusste nicht, wie ich aus diesem geistlichen Missstand kommen konnte. Da es mir nicht so viel sagte, hatte ich auch nicht Lust, vermehrt Gottes Wort zu lesen. Von mir aus hätte ich also keine Möglichkeit gehabt, aus dem geistlichen Tief herauszukommen. Aber ich betete dafür, dass der HERR mir mein Herz wieder öffnen möge. Und so geschah es! Der HERR erlaubte mir eine Advents- und Weihnachtszeit mit persönlichen Botschaften, die mein Herz erreichten. Auf einmal fühlte ich seine Nähe und seine mir geltende Liebe wieder. Wie das genau passierte, weiss ich nicht. Aber die Hauptsache ist, dass ich mich nun wieder an seinem Wort und an seiner Präsenz freuen darf. Wenn ich jetzt in der Bibel lese, befinde ich mich beim HERRN an einem wunderbaren Zufluchtsort.

Mit der Saat und dem Wachstum ist es in Jesu Gleichnis noch nicht getan. Folgerichtig kommt danach das Ernten der reifen Feldfrüchte. Lesen wir zusammen den Vers 29: «Wenn aber die Frucht reif ist, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.» Die Ernte steht zum einen für die Menschen, die der HERR schon zu sich bringen will. Sein Erlösungswerk ist das Werk der geistlichen Ernte. Hier sind wir Gläubigen als Erntearbeiter:innen gefragt, die wir Gottes verlorene Schafe suchen und zu ihm bringen sollen. Und es gibt noch längst nicht genug solche Arbeiter:innen. Das Bedürfnis nach Gottes Wort, nach Jesu Lehre und nach einem Leben im HERRN ist weltweit riesig. Lasst uns daher beten, dass Gott noch ganz viele andere Erntearbeiter:innen in die Länder aussendet. Unter diesen werden auch Menschen aus unserer Gemeinde sein. Von der jungen Generation und von unseren Bibelschüler:innen. Egal, wie deren geistliches Leben aktuell noch aussieht. – Zum anderen steht die Ernte für das, was am Ende der Welt geschieht. Jesus wird wiederkommen, diesmal als Richter der Welt. Dann wird jeder Mensch die Früchte seines Tuns ernten. Galater 6,8 sagt dies so: «Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten.» Diejenigen, die den HERRN haben, tun Gutes aus der Motivation von Glauben, Liebe und Hoffnung. Ihre Ernte wird die ewige Herrlichkeit im Himmelreich sein. Die Gottlosen dagegen, die sich vom HERRN nichts sagen lassen, tun Böses. Wenn sie sich nicht noch anders besinnen, nämlich auf Gott und Jesus, werden sie die verheerendste Ernte haben. Nämlich die ewige Verdammnis. Noch ist es für sie Zeit, umzukehren!

Das zweite Gleichnis vom Himmelreich ist ein berühmtes. Es findet sich auch im Matthäus- und im Lukasevangelium. Darin sagt Jesus über Gottes Reich dies; lesen wir zusammen die Verse 31 und 32: «Es ist wie mit einem Senfkorn: Wenn das gesät wird aufs Land, so ist’s das kleinste unter allen Samenkörnern auf Erden; und wenn es gesät ist, so geht es auf und wird grösser als alle Kräuter und treibt grosse Zweige, sodass die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen können.» Das Senfkorn steht für etwas Kleines. Es könnte übersehen werden, aber in diesem Fall hat es grosses Wachstumspotenzial. Mit dem Senfkorn ist ziemlich sicher das des schwarzen Senfs gemeint. Ein Samen dieser Pflanze hat einen Durchmesser von 1,2 bis zwei Millimetern. Aber eine ausgewachsene Pflanze kann bis zwei, in seltenen Fällen sogar bis 3,1 Meter hoch werden. So ist der Same des schwarzen Senfs um die zweitausendmal kleiner als die Pflanze. – Das Himmelreich gleicht einem kleinen, unscheinbaren Senfkorn. Die weltweite Christengemeinde begann mit zwölf Jüngern Jesu. Nach dem ersten Pfingsten wuchs die Gemeinde schrittweise auf 5000 Leute an. Mit den Aposteln gelangte das Christentum in alle Länder der damaligen Welt. Heute gehen Missionierende in alle Länder aus, um das Evangelium weiterzugeben. Und überall, wo sie sind, nehmen Menschen Jesus an. Und so gibt es heute gemäss Schätzungen etwa 2,4 Milliarden Angehörige des Christentums weltweit! Auch in einem einzelnen Menschen beginnt das Reich Gottes meist klein. Jemand kommt zum Glauben, aber lernt erst nach und nach, was es heisst, dass Gott ihn / sie liebt und was es bedeutet, den eigenen Glauben zu leben. Wir geben unseren Bibelschüler:innen Gottes Wort weiter und beten mit ihnen und für sie. Gott führt sie so, wie er es will, und wie viele von ihnen werden einmal selber Jünger:innen Jesu sein! Auch solche, die von uns weggegangen sind. Und so entfaltet der Senfkornsame von Logos und Glauben auch in ihren Herzen und Leben sein volles Wachstumspotenzial. Der HERR und sein Wort werden sehr leicht unterschätzt. Wir müssen Gott die Wirkung, die er in und um uns haben kann, zutrauen, damit sich diese auch zeigt. In einem Anbetungslied heisst es über Gottes Wort: «Unter schlichter Hülle birgst du Kraft die Fülle.» Das gilt es zuerst zu entdecken. Die Bibel ist eine Sammlung immens grosser und schöner Schätze, die wir nach und nach heben. Und am Schluss haben wir tatsächlich von ihr die Fülle. Und das wahre Leben.

Jesus erzählte der zuhörenden Menge noch anderes, das der Evangelist Markus hier nicht wiedergibt. Er fasst nur zusammen; lesen wir gemeinsam die Verse 33 und 34: «Und durch viele solche Gleichnisse sagte er ihnen das Wort so, wie sie es hören konnten. Und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen; aber wenn sie allein waren, legte er seinen Jüngern alles aus.» Da ist es wieder, dieses Integrative: So, wie sie es zu hören vermochten. Gott schliesst niemanden aus und gibt allen sein lebengebendes Wort! Sozusagen allen Vögeln unter uns, auch komischen Käuzen und Paradiesvögeln. Wer dessen Kraft erleben möchte, braucht allerdings genauer und mit Offenheit hinzuhören. So wie es die Menschen taten, die Jesus nach dem Sinn der Gleichnisse fragten. Wie bereitwillig Jesus ihnen die erzählten Kurzgeschichten auslegte! Möge der HERR uns offene Ohren und vor allem Herzen geben. Möge er uns freudig erkennen lassen, dass sein Wesen Liebe ist und er aus Liebe zu uns spricht. Ich bete, dass Jesus unsere Herzen mit Liebe überflutet. So, dass wir sein Licht und sein Wort mit grosser Freude und im Überfluss an andere weitergeben. So erfüllen wir auch das Wort unserer UBF-Jahreslosung aus Johannes 13,34: Liebt euch untereinander!

Lesen wir zum Schluss nochmals zusammen den Leitvers, Vers 22: «Denn es ist nichts verborgen, das nicht offenbar werden soll, und ist nichts geheim, das nicht an den Tag kommen soll.»