Epheser 4, 17-32
Guten Morgen miteinander! Heute ist wieder einer dieser schönen, nicht allzu heissen Junisonntage. In der letzten Zeit haben wir die Sommerwärme, aber auch den erfrischenden Regen auf unserer Haut gespürt. Der HERR gibt der Natur und uns Licht und Wasser sowie auch sonst alles, was wir brauchen. Dafür sind wir ihm immer dankbar und loben ihn mit frohem Herzen. Es gibt jedoch noch etwas, wofür wir Gott noch weitaus dankbarer sind: Unsere neue Identität als Kinder des HERRN! Was es damit auf sich hat, darauf möchte ich heute anhand von Epheser 4B genauer eingehen. Zu Beginn bete ich kurz…
Lesen wir zusammen den Titel dieser Botschaft: «Zieht den neuen Menschen an.» Und lesen wir gemeinsam den Leitvers 24:
und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.
– Epheser 4,24
Zur Thematik der Annahme einer neuen Identität in Christus bzw. des alten und des neuen Menschen habe ich im Internet eine Geschichte gefunden. Sie stammt vom Autor Stanley Jones. Sie trägt den Titel «Gnade». Zu Beginn lese ich euch die Geschichte nun vor: «Wenn ein Stück rohes Eisen, das noch ungebraucht in der Schmiede herumliegt, reden könnte, so würde es sagen: “Ich bin schwarz, ich bin kalt, ich bin hart!” Das alles ist vollkommen wahr. Aber nun lege dieses selbe Stück Eisen in das Feuer der Esse und warte nur ein wenig, bis das Feuer seine Macht an ihm bewiesen hat. Jetzt würde es verwundert sagen müssen: “Die Schwärze, die Kälte, die Härte ist weg! Ich bin völlig verändert. Nun bin ich rot st…att schwarz, nun bin ich glühend statt kalt, nun bin ich biegsam statt hart, nun bin ich brauchbar geworden für meine Bestimmung!” Würde sich das Eisen selber rühmen? Nein, es würde sich des Feuers rühmen, durch das es so vollkommen umgewandelt wurde. – So ist auch der Mensch von Natur schwarz, kalt und hart. Aber wenn der Herr ihn mit seinen göttlichen Einwirkungen berührt, wenn Jesu Blut ihn reinigt, wenn er von Gottes Liebe erfüllt wird, so verschwindet das, was er von Natur war. Jedoch die Ehre der Verwandlung kommt nicht dem Menschen, sondern dem Herrn zu.»
Nun komme ich jedoch zum eigentlichen Thema dieser Botschaft. Ephesus war eine Stadt in Kleinasien, welche in der heutigen Südtürkei liegt. In ihr war die Abgötterei weit verbreitet: Viele Bewohner glaubten an Zauberei oder Okkultismus, und nicht wenige hingen der Abgöttin Diana an, welche sie als die Ernährerin allen Lebendigen betrachteten. Die Stadt schien ganz und gar im Finstern zu wandeln. Oder doch nicht? In seiner unermesslichen und unverdienten Gnade offenbart sich der HERR auch unter Menschen, die ihn zuvor nicht auf dem Schirm gehabt haben. Jesaja 65:1, Vers 1 wiedergibt diesbezügliche Worte Gottes: «Ich liess mich suchen von denen, die nicht nach mir fragten, ich liess mich finden von denen, die mich nicht suchten. Zu einem Volk, das meinen Namen nicht anrief, sagte ich: Hier bin ich, hier bin ich!» Um die Epheser zum HERRN bzw. zu Jesus Christus zu führen, hatte er den Apostel Paulus eingesetzt. Dieser hatte in Ephesus dem Christus eine Kirche erbaut und dort drei Jahre lang wirkungsmächtig gelehrt, sodass viele der dort lebenden Menschen zum Glauben gekommen waren. Das wissen wir durch die Apostelgeschichte, Kapitel 20. Entgegen erheblicher Widerstände und Anfechtungen durch seine scheinbar mächtigen Widersacher hatte Paulus nicht aufgegeben, seine Berufung in Jesus Christus zu erfüllen. Dann jedoch war er in Rom gefangen genommen worden. Er war ein Gefangener Christi, wie er im Brief an die Epheser wie auch in seinem Brief an Philemon von sich bezeugte. Nicht nur nahm er das Leiden der Gefangenschaft auf sich und duldete die Situation um Christi Willen, um sich an dessen Leiden zu beteiligen und somit Teil an Christi Herz zu haben. Sondern der Apostel Paulus nutzte seine Zeit im Gefängnis auch dazu aus, an mehrere der von ihm gegründeten Christengemeinden zu schreiben. Der Brief an die Epheser diente dazu, diejenigen Menschen in Ephesus, welche Paulus bereits für den Christus gewonnen hatte, im wahren und richtig gelebten Glauben zu stärken. Ja, sie sollten lernen, als Glaubensgeschwister und Gemeindemitglieder zu leben und dabei ihre vom HERRN aus reiner Gnade erhaltenen Gaben zu nutzen. Dafür war es entscheidend, dass sie lernten, ein neues Leben in Christi Gnade und Wahrheit zu leben. Das bedeutet, dass sie ihren alten, sündigen Wandel ablegen und den neuen, nach Gottes Ebenbild geschaffenen Menschen anziehen sollten. Und dies war nicht bloss Theorie: Der HERR hatte den Gläubigen in Ephesus nämlich bereits eine wundervolle neue Identität als Kinder Gottes, als Berufene, ja, als Errettete gegeben – diese hatten sie nur noch anzunehmen und festzuhalten.
Teil 1: Der alte und der neue Mensch (Verse 17-24): Diese Verse können als Theorieteil verstanden werden gegenüber den Versen 18-32, worin Paulus seine Ermahnungen und Ausführungen genauer darlegen würde. Dennoch sind Erstere bereits voll von Wahrheit, gnadenvolle Anweisungen, welche der Apostel durch des HERRN bzw. Jesu Gnade empfangen hatte. Im Herrn ermahnte und erinnerte er die Epheser ernsthaft daran, was in deren damals aktuellen Lebens- bzw. Glaubensphase zu tun war: Sie sollten nicht mehr so leben wie die Gottlosen. Es ist ein übles Ding, wenn jemand, der bereits an den Christus glaubt und diesen kennengelernt hat, noch genauso lebt, wie als er oder sie noch nicht gläubig war. Das erinnert an die Lebensweise der Pharisäer, die zwar äusserlich fromm waren, aber innerlich die heilsame Lehre Jesu nicht für sich annehmen konnten.
Wer noch vollends fleischlich bzw. als Heide lebt, wandelt in der Nichtigkeit des Sinnes. Solche Menschen finden keinen wirklichen Sinn in ihrem Dasein und suchen ihre Erfüllung in nichtigen, vergänglichen Dingen wie Geld, Erfolg oder Ansehen. Ihr Verstand ist verdunkelt, sodass sie den HERRN und dessen Liebe und Wahrheit nicht erfassen können. Das verursacht eine Unwissenheit, welche vermeidbar wäre: Selbst Menschen, die den HERRN nicht kennen, sehen die Spuren von Gottes Präsenz und verfügen über ein Gewissen, das ihnen sagt, was richtig ist. Sie haben somit keine Ausrede dafür, den HERRN zu verkennen. Das Herz solcher Menschen ist verstockt und widerstrebt auch oftmals dem Willen Gottes. Sie sind abgestumpft gegenüber ihren Sünden, vergleichbar mit Aussätzigen, welche keinen Schmerz (mehr) empfinden an den betroffenen Hautstellen. Das Schlimmste an einem solchen Lebenswandel ist die Gottesferne: Gottlose Menschen sind dem wahren, in die Ewigkeit gehenden Leben, das aus Gott ist, entfremdet. Getrennt von der lebendigen Quelle schmachten sie dahin. Umso mehr werden sie von sündigen, unreinen Dingen getrieben, sei es Ausschweifung, Habgier oder Zorn. Durch trügerische Begierden steuern sie auf den Abgrund zu, auf die ewige Verdammnis, wenn sie nicht noch zum HERRN umkehren…
Doch das Leben in Jesus Christus ist nicht so, sondern diametral anders! Lesen wir gemeinsam die Verse 20 und 21: «Ihr aber habt Christus nicht so kennengelernt; ihr habt doch von ihm gehört und seid in ihm unterwiesen, wie es Wahrheit in Jesus ist:». In Jesus unterwiesen zu sein bedeutet mehr, als einfach nur seine Lehre zu hören. Vielmehr heisst es, in ihm zu wandeln, ihn immer tiefer zu erkennen, ja, ihn selbst zu lernen und in seinem Wort und seiner Wahrheit zu bleiben. Es bedeutet, sich dazu entschieden zu haben, Jesu Gnade anzunehmen, Gottes Gebote zu halten und den Willen des HERRN zu erkennen. Der Wandel in Jesu bzw. Gottes Wort befreit uns von Sünden sowie von allerlei negativen Einflüssen des Satans. Johannes 8, Verse 31 und 32, sagt dazu: «Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.» Die Epheser Gläubigen sollten wissen, dass sie Berufene des HERRN bzw. Jesu Christi waren. Als solche hatten sie bereits ihre neue Identität als kostbare, geliebte Kinder Gottes. Wie auch wir, waren sie schon durch Jesu am Kreuz vergossenes Blut gerettet und der Sünden gestorben. In Galater 2, Verse 19 und 20, ist diese Art der neuen Identität beschrieben: «Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.» Jesus lebte bereits in den Christen von Ephesus und sie waren neue Menschen. Daher gebührte ihnen denn auch ein Wandel im HERRN, ein richtig verstandenes Glaubensleben.
Es ist entscheidend, als bekennender Gläubiger oder bekennende Gläubige auch im HERRN zu wandeln. In Matthäus 9, Vers 17 führt Jesus in seinem berühmten Gleichnis an: «Man füllt auch nicht neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreissen die Schläuche und der Wein wird verschüttet und die Schläuche verderben. Sondern man füllt neuen Wein in neue Schläuche, so bleiben beide miteinander erhalten.» Paulus ermahnte die Epheser, ihren Geist und Sinn zu erneuern, was bedeutet, ihre neue, geistliche Identität anzunehmen. Wie herrlich diese ist, sagt uns Vers 24; lesen wir ihn gemeinsam: «und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.» Allein durch die Gnade des HERRN haben die Gläubigen ihre neue Identität als Berufene. In 1. Petrus 2, Verse 9-10, gibt der HERR den Seinen diese wunderbare Verheissung: «Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk zum Eigentum, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht; die ihr einst nicht sein Volk wart, nun aber Gottes Volk seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid.» Der HERR gab den Israeliten ihre Identität als königliche Priesterschaft, heiliges Volk und Gottes Eigentum, als sie noch «der alte Mensch» waren und noch immer die alte Sklaven-Mentalität von vor ihrem Auszug aus Ägyptenland hatten. Das zeugt von Gottes grosser, unverdienter Gnade. Unsere neue Identität im HERRN haben wir nicht verdient, etwa durch gute Leistungen. Sondern allein der Glaube an Jesu Blut und die Kraft des Worts Gottes kann uns reinigen und uns zu neuen Menschen machen, die dem HERRN Wohlgefallen bereiten!
Wir Menschen sind zwar fleischlich und unsere Natur ist sündig, sodass sie uns zu allerlei unguten Dingen verführen kann, aber des HERRN Wort, Gnade und Liebe sind so viel stärker als alle unsere Sünden, Verfehlungen und Missetaten. Wie sinnerfüllt, herrlich und glücklich ein Wandel im HERRN und in dessen eingeborenem Sohn doch ist, jeden Tag aufs Neue!
Teil 2: Weisungen für das neue Leben (Verse 25-32): In diesen Versen erwähnt der Apostel Paulus konkret, wie seine Adressaten in Ephesus einen gottgefälligen Lebenswandel haben konnten. Es sind Leitsätze, welche den Gläubigen ein gutes Zusammenleben in Jesus ermöglichen sollten. In den Versen 13-16 des hier betrachteten Kapitels 4 hatte der Apostel die Christen von Ephesus dazu ermahnt, eins zu werden in Christus. Sie sollten sich als Gemeinde verstehen, dessen Haupt Jesus war und der sie zusammenhielt; so sollten sie sich in der Liebe Christi erbauen und in ihm im Glauben wachsen. Damit eine solche Einheit möglich ist, gilt es, sich zu bemühen, Jesu Gebote einzuhalten, welche in den Versen 25-32 beschrieben sind. Dazu gehört zunächst, von den Lügen abzulassen und stattdessen die Wahrheit zu sagen gegenüber seinem Nächsten, also seinen Glaubensgeschwistern, welche alle Mitglieder der weltweiten Glaubensfamilie darstellen. Die Lüge und somit Trug und Betrug kommen vom Teufel. Auch die Leugnung und Vertuschung von Sünden gehört zum Reden von Unwahrheit. Solche Dinge kommen vom Teufel und gehören somit nicht zu einem geistlichen Lebenswandel. Kolosser 3, Vers 9 sagt hierzu: «belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Werken ausgezogen». Es ist wunderschön, authentische, aufrichtige Menschen um sich zu haben, denen man nicht nur trauen kann, sondern von denen man spürt, dass sie in des HERRN Wahrheit wandeln. Weiterhin sollten die Epheser Gläubigen auf gottgefällige Weise mit ihrem Zorn umgehen. Wut ist ein Gefühl, das bei jedem Menschen vorkommt; es geht jedoch darum, wie man sie handhabt. Lesen wir gemeinsam den Vers 26: «Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen». Erstere Ermahnung findet sich übrigens auch in Psalm 4, Vers 5a. Aggressive Gefühle auszuleben bedeutet, dass der Satan Raum in einem findet: Im Zorn werden schnell mal lästerliche Worte gegen Menschen oder gegen Gott geäussert oder es kommt sogar ein Mensch zu Schaden. Daher ermahnt Paulus denn auch die Epheser, dem Teufel nicht Raum zu geben. Dies ist gar nicht so einfach, aber mit der Zeit trainiert uns der HERR immer mehr, Wut und Groll loszulassen.
Des Weiteren hält der Apostel seine Adressaten dazu an, nicht (mehr) zu stehlen. Es gefällt dem HERRN wohl, wenn wir das Eigentum sowie die persönlichen Grenzen unserer Mitmenschen respektieren. Anstatt es sich auf Kosten anderer gutgehen zu lassen oder sich am nächsten zu bereichern, sollten die Epheser selbst sich das nötige Gut erarbeiten – nicht nur für sich selbst, sondern auch, um den Bedürftigen die notwendigen Gaben geben zu können. Dem HERRN ist es lieb, wenn wir GeberInnen sind; nicht nur um der Versorgung der Mittellosen Willen, sondern auch, damit wir Habgier, Besitzdenken und den Fokus auf das Materielle loslassen können bzw. konnten. Des Weiteren ist es wichtig, wie wir mit unserem Gegenüber kommunizieren. Wie sollten wir dies auf eine gottgefällige Weise tun? Lesen wir gemeinsam den Vers 29: «Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören.» Wer einfach unüberlegt darauf losschwatzt, kann leicht der Sünde anheimfallen. Unbedachte, von Gefühlen bestimmte Worte können verletzen, verleumden, verunglimpfen und niedermachen. Das steht dem guten Umgang mit anderen Menschen diametral entgegen. Eine gute, dem HERRN gefällige und wohlüberlegte Rede jedoch baut auf, enthält das Notwendige und bringt Gnade. Solche Worte sind wertvoll. Sprüche 20:15 sagt hierzu: «Es gibt Gold und viel Perlen; aber ein Mund, der Vernünftiges redet, ist ein edles Kleinod.». Weiter ermahnt Paulus die Epheser Gläubigen, den Heiligen Geist des HERRN nicht zu betrüben. Durch rücksichtsloses Geschwätz, aber auch durch allerlei andere Sünden wird der Geist Gottes traurig gemacht, der in uns Christen lebt. Für diejenigen, die zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind, ist der Heilige Geist wie ein Siegel, womit ihnen bzw. uns der HERR versichert hat, dass wir einst zur Errettung und Erlösung gelangen werden. Wird der Heilige Geist in einem betrübt, so besteht die Gefahr, dass er einen verlässt bzw. von einem auszieht. Das bedeutet jedoch nicht, dass er dauerhaft weg und wir somit verloren wären! Denn in seiner unendlichen Gnade und Langmut führt uns Gott immer wieder zu sich zurück. Bitten wir den HERRN jedoch darum, dass der Heilige Geist in uns bleibt und wir in ihm.
Wer im Glauben wandelt, nimmt Abstand zu denjenigen Dingen, die ihm und seinem Nächsten auf irgendeine Weise schaden. Hiermit ermahnt Paulus seine Epheser Adressaten, von Bitterkeit, Grimm, Zorn, Geschrei, Lästerung und Bosheit abzusehen. Diese üblen Dinge haben nicht nur teilweise weitreichende Konsequenzen, sondern geben der Sünde auch viel Raum. Im Römerbrief Kapitel 6, Vers 12 gibt Paulus die klare Anweisung: «So lasst nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, und leistet seinen Begierden keinen Gehorsam.» Wie sollten wir stattdessen miteinander zusammenleben? Lesen wir gemeinsam den Vers 32: «Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.» Freundlichkeit bedeutet, seinem Nächsten gegenüber gut gesinnt zu sein und ihm bereitwillig Gutes zu tun. Herzlichkeit heisst, (in Not befindlichen) anderen Menschen gegenüber herzliches Mitleid zu zeigen und sich zu bemühen, sie zu unterstützen. Das lateinische Wort «misericordia» für «Barmherzigkeit» bedeutet wörtlich «ein Herz für Unglückliche haben». Zu einem gottgefälligen Umgang zwischen Gläubigen gehört schliesslich auch die Vergebung. Der HERR hat uns zuerst die Sünden vergeben, indem er seinen eingeborenen Sohn, den Christus, für uns hingegeben hat! Haben wir dies verinnerlicht, so können wir immer mehr unsere alten Verletzungen, Traumata und Momente des Zorns loslassen und einander ehrlich vergeben. Dies macht unser Herz frei – frei für den HERRN in seiner Heiligen Dreieinigkeit!
Liebe Glaubensschwester, lieber Glaubensbruder, seid ihr schon neue Menschen? Natürlich seid ihr das! Ihr habt eure neue Identität als Gläubige, als aus Gnade Berufene, als vom HERRN unendlich geliebte Kinder Gottes, als Mitglieder der königlichen Priesterschaft und eines heiligen Volkes! Zweifelt ihr manchmal daran? Das braucht ihr nicht zu tun. Denn es ist der Satan, der in uns Zweifel und Unglauben sät. Bleiben wir stattdessen an und in der Wahrheit Gottes! Auch ich bin leider nicht ausgenommen von negativen Gedanken über mein Glaubensleben. Gott sei Dank, dass ich diesen widersprechen kann durch des HERRN Wort und Gegenwart. Ich nenne euch hierfür ein Beispiel aus meinem Leben: Lange Zeit dachte ich, dass mich der HERR noch kaum verändert hätte. Doch dann kam jener Mittwochvormittag im Mai 2026, als ich an der Universität Bibelworte verteilte: Als ich einer Studierenden einen Bibelvers anbot, reagierte diese wütend. Unter anderem sagte sie, sie fände es eine Frechheit, dass ich dort «meine Religion verbreiten» würde. Anstatt ebenfalls wütend zu werden, reagierte ich freundlich. Ich wünschte der Studentin trotzdem Gottes Segen. Der Schmerz, den ich ob ihren harten Worten empfand, wandelte sich in Mitleid um, und ich betete für die Studierende, der HERR möge ihr Herz erweichen, auch für sein Wort. Danach erinnerte ich mich an ein Wort Gottes; Lukas 6, Vers 28: «segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.» Nach diesem Gebot hatte ich soeben gehandelt! Das erfüllte mich mit Freude. Und vor allem zeigte es mir: Ich habe mich vom HERRN wirklich schon verändern lassen.
Trotz allem habe ich noch Sünden, die zum «alten Menschen» gehören. So zeige ich leider noch oft aggressives Verhalten vor allem gegenüber mir selbst, was manchmal zu Selbstverletzung führt. Zudem ist meine Weltliebe noch stark, sodass ich mich an Menschen und Dinge hänge anstatt nur an den HERRN. Auch trinke ich an manchen Tagen Alkohol in ungesunden Mengen. Als «neuer Mensch» will ich die sündigen Dinge und Gewohnheiten gänzlich ablegen und ausziehen. Der HERR, der das Wollen und Vollbringen gibt, hat in mich die wundervolle Hoffnung gepflanzt, dass ich willig und fähig sein werde, diese Sünden loszulassen. So werde ich denn auch zur Busse finden.
Ich bin also nicht perfekt, aber ich bin schon ein neuer Mensch. Gott hat das gute Werk in mir angefangen und wird es auch vollenden. Er wirkt in uns allen und formt uns, bis wir ins Himmelreich passen. Dort sind unsere ewige Heimat und unsere Zukunft. Dem HERRN sei Dank; der HERR in seiner Heiligen Dreieinigkeit sei hochgelobt! Halleluja!